Oberliga/BZ Ost

Hoeling zur HT16: „Das ist kein Angriff auf Hamm – sondern einfach dumm gelaufen“

24. Juni 2020, 09:26 Uhr

Isaak Hoeling (li.) wechselt vom FC Süderelbe nun zur HT 16 statt zu Hamm United. Foto: Both

Es ist nach der Verpflichtung von Dieter Forkert am Dienstag der nunmehr 23. Neuzugang, den sich die HT 16 für die kommende Saison gesichert hat. Und ein Transfer, der auf den ersten Blick einige überraschen und Fragezcichen hinterlassen wird: Isaak Hoeling, zuletzt in der Oberliga für den FC Süderelbe am Ball, wechselt zm Ost-Bezirksligisten. Hoeling? HT 16? Hatte nicht gerade erst mit Hamm United ein anderer Oberligist den Defensivmann als Neuzugang vermeldet? Richtig – und so wirbelt der Wechsel zumindest ein klein wenig Staub auf. Wir haben mit den beteiligten Vereinen gesprochen.

Angetan ist man, milde gesagt, auf Seiten des HUFC nicht darüber, dass Hoeling in der neuen Spielzeit nun doch woanders spielen wird, als eigentlich geplant – dies versichern sowohl Manager Jassi Huremovic, der uns über die Personalie ebenso wie nun über deren Nicht-Zustandekommen informierte, als auch Sidnei Marschall. „Eigentlich ist die Zeit, dazu noch etwas zu sagen, zu schade. Da habe ich wenig Lust zu“, konstatiert der HUFC-Coach zu Beginn des Gesprächs, geht dann aber doch ins Detail: „Jeder im Hamburger Amateurfußball kennt die Geschichte zwischen Isaak und Süderelbe. Er hat mit seinen Äußerungen damals sicher einen Fehler gemacht, aber das war für uns nicht weiter wild. Wir wollten ihm dennoch eine Chance bei uns geben“, so Marschall.

Marschall: „Es ist wie ein Schlag in die Fresse, wen jemand absagt, der vorher zugesagt hat“

Hamms Trainer Sidnei Marschall ist nicht begeistert über Hoelings Absage, versteht aber einen Teil der Begründung. Foto: Bode

Das, so der HUFC-Übungsleiter weiter, „habe ich sowohl Isaak selbst als auch meinen anderen Spielern und den weiteren Neuzugängen so gesagt. Ich weiß nicht, ob viele Trainer das so gemacht hätten, wie ich“, so Marschall weiter. „Mir ist es persönlich egal, was in Verträgen steht und ob die unterschrieben sind. Für mich zählt der Handschlag und das, was man vereinbart hat“, fügt er hinzu – und dürfte damit eben meinen, dass sich Hoeling dafür entschieden hatte, in Zukunft bei den „Geächteten“ als Spieler aufzutauchen. Genau dies wird nun nicht eintreten, weil sich der Abwehrspieler für einen Wechsel zur HT 16 entschied. „Die haben ihn angeblich erst am Dienstag angesprochen“, ärgert sich Manager Jassi Huremovic, „da hatten wir den Wechsel zu uns schon via FussiFreunde bekanntgegeben.“

Marschall sagt derweil nach einem abschließenden Gespräch mit Hoeling, in dem dieser ihm seine Entscheidung mitteilte: „Der Wechsel klappt nun nicht. Einen Teil der Begründung kann ich auch verstehen. Für uns ist es so: Wenn ein Spieler nicht zu Hamm United will, sondern doch lieber zu einem anderen Verein will, dann sage ich ihm, dass er da auch hingehen soll. Ich brauche niemanden, der nicht zu 100 Prozent oder mehr gewillt ist, wirklich bei uns zu spielen.“ Für ihn, so „Sid“ mit einem dann doch etwas kritischen Schlusswort aus seiner Sicht in dieser Angelegenheit, sei es allerdings schon „wie ein Schlag in die Fresse, wenn jemand einem absagt, der vorher zugesagt hat.“

Puder: „Ich kann den Unmut auf Seiten von Hamm United verstehen“

Der künftige HT 16-Coach Markus Puder kann den United-Unmut nachvollziehen. Foto: Bode

Wo zwei – oder mehr – Parteien an einem Transfer beteiligt sind, gibt es natürlich auch verschiedene Sichtweisen. Also direkt nachgefragt, wie denn die HT 16 die Sache bewertet. „Wir hatten schon länger Kontakt mit Isaak. Ich kenne ihn schon ewig, weil ich ihn früher trainiert habe“, teilt uns Markus Puder mit. „Ich wusste nicht, dass Hamm United seine Zusage hatte und die auch bereits veröffentlicht hatte. Wir hatten mit ihm noch ein finales Gespräch, das wir geführt haben und dann hat er uns gesagt, dass er zur HT kommen will. Hätten wir von der Zusage etwas gewusst, hätten wir uns mit dem Thema gar nicht mehr beschäftigt“, so der künftige Coach, dem daran gelegen ist, klarzustellen: „Wir wollen dem HUFC keinen Spieler klauen. Das ist kein Angriff auf Hamm – sondern einfach nur dumm gelaufen. Ich habe mit Jassi Huremovic immer ein gutes Verhältnis gehabt. Ich kann den Unmut auf Seiten von Hamm United verstehen und denke, dass wir da noch einmal das Gespräch mit United suchen und das klären werden.“

Genauso sieht es auch Ahmet Sahin. Der Erste Vorsitzende der HT rückversicherte sich „nachdem mir ein Trainer aus der Oberliga berichtete, dass Isaak von Hamm schon als Zugang gemeldet wurde“ erst einmal per Nachfrage in der FussiFreunde-Redaktion, ob der Transfer Hoelings in Richtung Hammer Park wirklich schon offiziell publik gemacht wurde. „Ich wusste davon bis zu dem Hinweis nichts. Wir klauen niemandem Spieler – das ist nicht unsere Art. Ich kann zu 100 Prozent verstehen, wenn Hamm jetzt sauer ist. Ich wäre an deren Stelle genauso angekotzt. Mir ist persönlich ganz wichtig, dass die Vereine untereinander einen guten Kontakt haben – man sieht sich immer wieder und sitzt an einem Tisch. Das gilt nicht nur für Hamm und die HT 16, sondern für alle Vereine. Wir wollen Ruhe, wir wollen gut mit den Vereinen zusammenarbeiten. Wir haben gar keinen Bock darauf, dass irgendwelche Schlammschlachten entstehen.“

Sahin: „Wir klauen keine Spieler – das ist nicht unsere Art, wir wollen ein gutes Verhältnis“

Dem Ht 16-Vorsitzenden Ahmet Sahin ist an einem guten Miteinander der Vereine gelegen. Foto: Herzog

Oliver Kröger, bei der HT 16 als Manager an Bord, erläutert es ähnlich. „Ich wurde nach der Veröffentlichung von Isaaks Wechsel zu Hamm darauf hingewiesen, dass das bei FussiFreunde auf der Seite gestanden haben soll und muss sagen, dass ich völlig überrascht war. Ich hatte den Artikel selbst nicht gesehen oder gelesen. Die Art und Weise, wie das jetzt gelaufen ist und dass es nach außen so aussieht, dass wir Hamm einen Spieler klauen, ist unglücklich. Das ist nicht gut. Aber ich bin als Manager absolut nicht der Typ, der kurz vor knapp noch irgendwo reingrätscht und einen Transfer kaputtmacht. Das gehört sich nicht“, konstatiert Kröger, der uns erklärt, dass die HT-Veratwortlichen letztlich Hoeling dazu angehalten hätten, „dass er sich noch einmal bei Hamm United meldet und die Sache mit den Verantwortlichen dort klärt. Das war nicht unsere Baustelle.“ Genau dies tat der Abwehrmann wie eingangs erwähnt im Gespräch mit HUFC-Coach Sidnei Marschall dann auch, so dass nun abschließend feststeht: Hoeling wechselt zur HT statt zum HUFC – und die beiden Vereine werden sicher die fußballfreie Zeit dazu nutzen, in der einen oder anderen Unterredung etwaige Missverständnisse aus der Welt zu schaffen...

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