10.01.2019

Hammonia-Coach der Hinrunde: „Ich habe in meinen letzten Spieler-Jahren viel von ihm gelernt“

Sidnei Marschall spricht über Rantzau-Trainer Fürstenberg

„Na klar: Auch wenn das kein offizieller Titel ist, ist es eine tolle Sache“, sagt Marcus Fürstenberg über seine Auszeichnung durch die FussiFreunde-Leser. Archivfoto: noveski.com

Er war jahrelang sein Spieler – erst beim Bramfelder SV, anschließend dann bei TuRa Harksheide. Danach agierte Sidnei Marschall sowohl in Harksheide als auch beim SSV Rantzau als Co-Trainer von Marcus Fürstenberg, den die FussiFreunde-Leser jüngst zum „Trainer der Hinrunde“ in der Landesliga Hammonia wählten. Was liegt also näher, als den ehemaligen Schützling zu fragen, wie „Fürste“ denn so tickt und was ihn als Trainer auszeichnet. Zudem verrät uns der Sieger der Wahl selbst, wie er seinen Triumph einschätzt und wer aus seiner Sicht derjenige ist, der ganz oben auf dem Treppchen hätte stehen müssen.

„Selbst meine Frau hat bei der Wahl für ihn abgestimmt“, sagt Sidnei Marschall als die Sprache auf die Wahl von Fürstenberg als dem Coach schlechthin in der ersten Hälfte der Saison in der Landesliga Hammonia kommt und lacht. Und auch Marschall selbst verrät, dass er seine Stimme für „Fürste“ abgegeben hat „Wir mögen ihn halt“, schiebt der Coach, in der Landesliga Hansa übrigens selbst zum „Trainer der Hinrunde“ gewählt, hinterher. Man kennt sich eben: „Fürste“ und „Sid“ – ein Duo, das über Jahre gemeinsam seinen Weg ging. „'Fürste' ist schon lange dabei. Er hat ein unglaubliches Wissen, was den taktischen Bereich angeht“, lobt der „Schüler“ Marschall den „Lehrmeister“ Fürstenberg.

Marschall: „Er hat ein unglaubliches Wissen, was den taktischen Bereich angeht“

„Ich sehe mich nur als ein Teil des Ganzen“, weiß Marcus Fürstenberg, dass der Titel „Trainer der Hinrunde“ ohne seine MItstreiter nicht möglich wäre. Archivfoto: noveski.com

Das habe „Fürste“ zuletzt in Rantzau, wo Marschall in der Spielzeit 2017/2018 als „Co“ an der Seite des 45-Jährigen tätig war, wieder bewiesen. „Als wir dort angefangen haben, haben wir eine mannschaftlich schon starke Truppe angetroffen, die aber mit Taktik noch nicht wirklich viel zu tun gehabt hatte. Das hat er mit rein gebracht. Unter anderem deswegen steht der SSV Rantzau jetzt da, wo er steht“, konstatiert „Sid“. Und die Platzierung des Aufsteigers kann sich tatsächlich sehen lassen: Anders als Marschall mit Hamm United in der Hansa-Staffel, ist sind „Fürstes“ Fußballer zwar kein Spitzenreiter, haben aber einen beachtlichen siebten Platz inne. „Daran hat Marcus Fürstenberg einen großen Anteil“, urteilt Marschall und berichtet von einem weiterhin engen Kontakt zwischen ihm und seinem Ex-Coach und jetzigen Trainerkollegen.

„Ich hab' ihm vor dem Jahreswechsel noch gesagt: Was war das für ein Jahr 2018 für uns!? Was haben wir zusammen erreicht!?“, verrät „Sid“, „und ich habe mich für die Sachen, die ich in den Bereichen Taktik und Disziplin von ihm gelernt hat. Das hat mir schon viel gebracht.“ Fürstenberg, in Wedel übrigens Geschäftsführer des Restaurants „Mühlenstein“, sei „ein ehrgeiziger Trainer. Er kann nicht verlieren. Disziplin ist bei ihm ein Muss“, charakterisiert Marschall den SSV-Übungsleiter. „Ich weiß“, erklärt der 38-Jährige weiter, „dass viele nicht mit ihm klarkommen. Aber ich bin immer mit ihm zurechtgekommen.“ Kein Wunder also, dass Marschall sich erinnert: „Als ich bei Elbkick.TV mal meine Top-Elf zusammenstellen sollte, hab ich ganz klar gesagt, das Marcus Fürstenberg mein Top-Trainer ist. Ich wollte eigentlich den Tag, an dem ich mit dem Fußball aufhöre, nie sehen, aber ich habe in meinen letzten Jahren als Spieler viel von ihm gelernt.“  

Fürstenberg: „Das ist nicht nur eine Auszeichnung für mich, der ich in der ersten Reihe stehe“

Für Marcus Fürstenberg selbst gebührt der Titel „Trainer der Hinrunde“ SCALA-Coach Holger Hanssen, wie er sagt. Foto: Küch

Und Fürstenberg selbst? „Na klar: Auch wenn das kein offizieller Titel ist, ist es eine tolle Sache. Das ist eine Anerkennung dafür, dass wir in Rantzau viel gemacht und gut gepunktet haben. Ich glaube, wir müssen nicht mehr so viele Zähler holen, um drin zu bleiben. Mit 30 Jahren hätte ich mir noch was drauf eingebildet und gesagt: Wie cool. Inzwischen weiß ich das einzuschätzen. Das ist nicht nur eine Auszeichnung für mich, der ich in der ersten Reihe stehe. Da ist so viel mehr dahinter. Ich sehe mich nur als ein Teil des Ganzen“, sagt der 45-Jährige und ergänzt: „Ich muss einen Dank an die vielen verrückten Rantzauer aussprechen, die für mich abgestimmt haben.“ Doch ganz schnell kommt „Fürste“ wieder zurück auf die, die in der zweiten Reihe stehen. Zum Beispiel auf Otto Hartlieb, den Ligamanager. „Was er im Hintergrund macht, ist mega“, so Fürstenberg. Oder aber auf seinen Co-Trainer Tobias Thiede, der ebenso wie er vor kurzem seinen Vertrag in Rantzau um ein weiteres Jahr verlängert hat. „Er macht das sensationell“, sagt Fürstenberg über seinen Ex-Spieler, der nach einer Fußverletzung („In einem Spiel gegen Hansa 11 stand sein Fuß nach einem Foul im 90-Grad-Winkel ab. Da war alles kaputt, was kaputt sein konnte) die Nachfolge von Marschall („Es war irre, dass Sid immer über eine Stunde nach Rantzau raus gefahren ist“) antrat.

„Otto Hartlieb hatte seinerzeit die Idee dazu. Tobi übernimmt Bereiche wie zum Beispiel das Aufwärmen und Stabilisations-Übungen“, berichtet Fürstenberg der auch den ihm bei der Wahl zum „Trainer der Hinrunde“ unterlegenen Anto Josipovic (Eintracht Lokstedt) lobt: „Er hat starke Arbeit geleistet. Als wir gegen die gespielt haben, was es schwer.“ Für „Fürste“ allerdings hätte jemand ganz anderes den Titel verdient: Holger Hanssen. „Nicht wegen des Sportlichen. Wenn du über Jahre etwas aufgebaut hast, dann der Verein kommt und dir sagt, dass ihn das gar nicht mehr interessiert (bei SCALA wird die „Zweite“ nach der Saison zur „Ersten“ gemacht, Anm. d. Red.) und du dich dennoch reinhängst, wie er, dann ist das beeindruckend. Holger ist immer da, sorgt für Professionalität. Er hat meinen höchsten Respekt. Auch weil er die Saison davor mit SCALA die Liga gehalten hat, obwohl ihm das keiner zugetraut hat. Mit wie viel Elan er bei der Sache ist, obwohl die Mannschaft am Saisonende auseinander bricht – das ist schon bewundernswert.“

Jan Knötzsch  

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