15.04.2018

„Hamm United ist heute Meister geworden!“

Fouls, Spielunterbrechungen und Fehlentscheidungen prägen Süd-Gipfel

Foto: timelash.de

Das bestimmende Thema nach dem Spiel zwischen Tabellenführer Hamm United und dem Zweiten von Inter 2000 war die Leistung des Schiedsrichtergespanns um Andreas Jansen. Dabei war man sich jedoch einig, dass keines der Teams wirklich bevorteilt worden war, sondern der Unparteiische vielmehr Fehlentscheidungen auf beiden Seiten getroffen hatte. So befand Inters Spieler Mustafa Okur: „Das hat sich dann ausgeglichen. Das Ergebnis geht in Ordnung. Hamm hat verdient gewonnen!“

Kapitän Florian Simon schoss Hamm United mit 1:0 in Führung. Foto: timelash.de

In der ersten Halbzeit bot sich den Zuschauern ein ausgeglichenes Bild. Zunächst wurden die Hausherren gefährlich. Pressel schoss einen Freistoß von der rechten Seite direkt, doch Torwart Bozkaya war auf dem Posten und parierte (14.). Kurz darauf zielte Inter-Kapitän Shir nach starkem Dribbling knapp drüber (18.). Bestimmend waren das ganze Spiel über die vielen Fouls und Spielunterbrechungen. Nicht nur darunter, sondern auch unter dem tiefen Hammer Rasenplatz, der kontrolliertes Kurzpassspiel kaum möglich machte, litt die Partie erheblich. Kurz vor der Pause brandete dann Jubel bei den Gästen auf. Shir hatte eingenetzt und vermeintlich die Führung erzielt. Doch die Fahne des Assistenten war oben – Abseits und der Treffer zählte nicht. Eine knappe Entscheidung (38.). Direkt danach hatten die Gastgeber eine Riesenchance. Saaba scheiterte aus gut zehn Metern am per Fußparade klärenden Torwart (39.). So blieb es beim 0:0 nach 45 Minuten.

Okur: „Bei uns hat die Fitness gefehlt“

Für dieses Foul an Shir gab es - wohl zu Unrecht - nur Freistoß und keinen Elfmeter. Foto: timelash.de

Nach Wiederanpfiff baute Inter dann jedoch zunehmend ab. „In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht. Aber in der zweiten Hälfte hat dann die Fitness gefehlt. Wir trainieren nicht“, lieferte Inter-Mittelfeldmann Mustafa Okur die Erklärung für den Leistungsabfall seines Teams im zweiten Durchgang. Zunächst hatten die Gäste noch Glück: Der Schiedsrichter verlegte ein Foul von Infamara Sisse, das dieser wohl im Strafraum begangen hatte, vor den Sechzehner. Die nur schwach gekreideten Linien waren auf dem regennassen Platz kaum noch zu erkennen. Zudem verzichtete Jansen auf eine Gelbe Karte, die durchaus angemessen gewesen wäre und für den bereits gelbvorbelasteten Sisse einen Platzverweis bedeutet hätte. So gab es für Hamm nur einen Freistoß, der nichts einbrachte. Wenig später ging der Tabellenführer dann aber trotzdem in Führung. Weber setzte sich auf links durch und bediente Kapitän Florian Simon in der Mitte. Der schob locker ein (53.)!
In der 64. Minute war dann Inters Torjäger Ilias Jawan Shir frei durch, dribbelte auf den Kasten zu und wurde von Asante im Strafraum zu Fall gebracht. Praktisch genauso wie zuvor auf der anderen Seite sah der Schiedsrichter das Foul aber außerhalb des Sechzehners und gab erneut nur Freistoß. Die Gäste protestierten vehement und forderten zudem Rot für eine Notbremse, doch Jansen verzichtete gänzlich auf eine Karte. „Man muss die Kirche aber auch ein bisschen im Dorf lassen. Der Schiedsrichter war auf beiden Seiten schlecht“, befand Okur und betonte, dass auch die eigene Leistung nicht ausreichend gewesen sei: „In der zweiten Halbzeit waren wir kaum auf dem Platz und der Gegner viel besser. Ich finde, Hamm hat verdient gewonnen und hätte noch viel höher gewinnen müssen.“

Bettin: „Ich erwarte für ein Spitzenspiel auch einen Spitzenschiedsrichter“

Schiedsrichter Jansen stand nicht nur wegen der Roten Karte gegen Inter-Kapitän Shir im Mittelpunkt der Diskussionen. Foto: timelash.de

Nachdem Kapitän Florian Simon einen Kopfball noch an den Pfosten gesetzt und damit seinen Doppelpack verpasst hatte (75.), wurde Ilir Aliu kurz darauf per Schnittstellenpass bedient und machte mit einem eiskalten Abschluss zum 2:0 den Deckel drauf (78.)! Direkt danach wurde Inters Shir wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt (79.). Dieser beteuerte jedoch nach dem Spiel: „Ich habe den Schiedsrichter nicht beleidigt, sondern nur nach der Abseitsanzeige gefragt. Als Mannschaftskapitän ist das ja auch meine Aufgabe.“ Mit zehn Mann und einem Zwei-Tore-Rückstand war Inter dann endgültig geschlagen.
Hamm Uniteds Trainer Thorsten Bettin resümierte: „Das war definitiv die Kategorie Arbeitssieg. Wir waren nicht in der Pflicht, das Spiel machen zu müssen, mit fünf Punkten Vorsprung vor dem heutigen Spiel. Wir wollten aus einer geordneten Defensive heraus agieren und über Konter ins Spiel kommen.“
Angesichts von nun acht Punkten mehr als Inter hat Hamm beste Aussichten auf den Meistertitel: „Wir haben 13 Spiele in Folge gewonnen. Die Mannschaft will, und ich glaube, dass wir diesen Weg weitergehen werden“, zeigte sich Bettin optimistisch. Auch er schätzte die Schiedsrichterleistung unglücklich ein: „Ich frage mich immer, welche Schiedsrichter beim Verband dann bei solchen Spitzenspielen angesetzt werden. Ich erwarte für ein Spitzenspiel auch einen Spitzenschiedsrichter. Solche Spiele sind emotional geladen. Das ist nicht einfach. Der Schiedsrichter hatte heute keine klare Linie. Wir sind froh, dass wir die drei Punkte haben!“
Inters Mustafa Okur beglückwünschte den Gegner schon: „Wir können denen nur applaudieren. Hamm United ist heute Meister geworden! Das kann ich jetzt schon sagen. Mathematisch ist vielleicht noch etwas möglich, aber praktisch ist nichts mehr drin. Hoffentlich können wir als bester Zweiter aufsteigen!“

Autor: Josa Schnell

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