03.10.2017

Gut(Er)mann: Teutonen bringen BU-Anhänger auf den Plan

T05 setzt erst "alles um" und bekommt auch dann "keine Angstzustände"

Der FC Teutonia feiert den Achtelfinal-Einzug im ODDSET-Pokal und die Spieler freuen sich über die Ansage ihres Trainers, nun einen Tag frei zu bekommen.

Erst skandierten einige Anhänger „Wir haben die Schnauze voll“, dann sangen sie kurz vor Schluss „Kämpfen, Barmbek, kämpfen“ – und am Ende stand die nächste Heimniederlage. Diesmal allerdings nicht in der Liga, sondern im ODDSET-Pokal – womit der Traum vom großen Wurf, der dem HSV Barmbek-Uhlenhorst zuletzt vor zwei Jahren gelang, ausgeträumt ist. Trainer Frank Pieper wollte die noch zurückhaltenden Unmutsbekundungen der Fans „nicht bewerten“, meinte nur: „Es gab ja nicht nur solche Rufe, sondern auch welche für uns.“ Und weiter: „Man muss auch ein bisschen aufpassen, wo die eigenen Ansprüche sind – auch für uns selbst. Gerade gegen solch eine Mannschaft so zu bestehen und sogar noch dran zu sein, den Ausgleich zu machen, das ist dann schon aller Ehren wert“, befand Pieper.

Zweimal lud der FC Teutonia 05 die Hausherren ein – doch weder konnte Marcel Rodrigues, der kurz darauf verletzungsbedingt raus musste, das Geschenk von Georgios Cholevas (4.) annehmen noch wusste Ivan Sa Borges Dju einen Akyere-Fehlpass in einen Torerfolg umzumünzen (23). Zwei aussichtsreiche Möglichkeiten, die das Spiel in eine andere Bahn hätten lenken können. Wenngleich der Oberliga-Zweite ansonsten im ersten Durchgang „so gespielt hat, wie man sich das vorstellt“, so Sören Titze, der anfügte: „Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben den Ball laufen lassen, Spielfreude gezeigt und kamen fast im Fünf-Minuten-Takt zu glasklaren Torchancen.“ Zwei dieser „glasklaren Torchancen“ konnten die „Kreuzkirchler“ zu einer scheinbar beruhigenden 2:0-Pausenführung nutzen: Erst profitierte Nick Gutmann von einem sensationellen Steilpass Stefan Winkels und vollendete aus halbrechter Position per Flachschuss zum 1:0 (28.), ehe wiederum Winkel, der kurz zuvor aus 20 Metern am Innenpfosten scheiterte (38.), mit einem punktgenauen Eckball das 2:0 von Aytac Erman vorbereitete. Der Torjäger kam mit Anlauf aus dem Hinterhalt und durfte relativ ungehindert einschädeln (45. +1)! Vor allem der Zeitpunkt des zweiten Gegentreffers traf die Barmbeker hart. „Das war natürlich sehr ärgerlich! Wir hatten uns gerade kurz vorher gesagt, dass es ganz gut wäre, wenn wir das Ergebnis jetzt erstmal so mitnehmen, damit wir uns in der Pause neu sortieren können“ so Pieper.

"Man hat das Gefühl, alles perfekt gemacht zu haben und läuft einen Meter weniger"

Isaac Akyere behauptet sich im Duell mit Marcel Rodrigues, der kurz darauf verletzt ausgewechselt werden musste.

Sein Gegenüber wollte mit seinen Teutonen an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen, „aber da haben wir uns ein bisschen schwerer getan“, so Titze. „Das liegt in solchen Momenten dann immer daran, dass man das Gefühl hat, alles perfekt gemacht zu haben und dann läuft man diesen einen Meter weniger. Nichtsdestotrotz hatten wir immer noch einige Chancen auf das dritte Tor.“ Wie zum Beispiel Gerrit Pressel, der BU-Keeper Dennis Bock per Kopf zu einer Glanztat zwang (48.). Doch wenige Augenblicke zuvor hatte Sa Borges Dju den Anschlusstreffer auf dem Fuß, brauchte im Abschluss allerdings zu lange und musste sich dann Mirko Oest beugen (46.). Kurz nachdem Winkel in Folge eines Konters – nach Zuspiel von Veli Sulejmani – freistehend nicht an Bock vorbei kam (61.), ließen einige Barmbeker Fans ihrem Unmut freien Lauf und skandierten „Wir haben die Schnauze voll“. Im sicheren Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, sorgten die 05er urplötzlich wieder für Spannung, weil Verteidiger Panagiotis Kafetzakis einen langen Abschlag von Torhüter Dennis Bock unterlief und Janis Korczanowski vor dem herauseilenden Mirko Oest an den Ball kam und diesen per Kopfball-Bogenlampe überwand (77.)! „Wir haben es unnötig nochmal spannend gemacht“, konstatierte auch Titze. Aber: „Ich hatte danach keine Angstzustände oder so. Fehler passieren und auch andere Mannschaften haben Qualität. Ich habe immer vollstes Zutrauen in meine Mannschaft.“

Und die ließ in der Folge nichts mehr anbrennen, hatte sogar noch einige gute Kontersituationen, die allerdings nicht zum Abschluss gebracht wurden. BU wirkte hingegen nicht gerade so, als wenn man noch mit voller Überzeugung an die Wende glaubte. „Gerade in der heißen Phase der zweiten Hälfte entscheiden wir uns zu oft nicht für die besseren, sondern eher für die schlechteren Lösungen. Der Wille und der Glaube war auf jeden Fall da, aber wir waren in unseren Aktionen nicht klar genug und etwas zu unruhig“, bilanzierte Pieper, der trotz des Ausscheidens und der neuerlichen Pleite vor eigenen Zuschauern das Positive rauszog: „Bei den individuell starken Spielern, die sie in ihren Reihen haben, muss ich schon sagen, dass wir das übers ganze Spiel gesehen echt gut gemacht haben. Schade, dass wir uns nicht selbst belohnen. Dennoch ist das Spiel ein Schritt in die richtige Richtung – das muss man ganz klar sagen. Wir müssen mit kleinen Schritten zufrieden sein und ich denke mal, dass es heute ein Riesenschritt im Vergleich zum letzten Heimspiel war.“ Schließlich müsse man auch die Qualität des Gegners anerkennen, so der BU-Coach. „Wir haben uns bewusst für einen Weg mit vielen jungen Spielern entschieden – und wenn man dann sieht, was für gestandene Spieler bei Teutonia auf dem Platz stehen, dann ist das schon etwas anderes im Vergleich dazu. Dafür war der Unterschied nicht so groß, wie er hätte sein müssen. Wir haben gegen eine Top-Mannschaft gespielt – gegen die muss man sich erstmal durchsetzen. Und dass wir da dicht dran waren, ist schon mal gut.“

"Ich freue mich, den Jungs jetzt einen Tag frei geben zu können"

Daniel Suntic (2. v. re.) zeigte eine starke Leistung als Organisator im Mittelfeld-Zentrum.

Währenddessen sprach Sören Titze seiner Equipe „ein großes Kompliment“ aus. „Die Mannschaft hat innerhalb von 48 Stunden zwei Spiele auf allerhöchstem Niveau gemacht. Deshalb freue ich mich, den Jungs jetzt einen Tag frei geben zu können“, so der Teutonen-Dompteur. „Wir haben als Mannschaft den Zuschauern ein tolles Spiel geboten – vor allem in der ersten Halbzeit.“ Das trifft auch auf Danijel Suntic zu, der im Mittelfeld-Zentrum die Fäden zog, nach hinten arbeitete und ein starkes Spiel machte. „Jeder kann auf seiner Position nur so sehr glänzen, wenn andere ihre Aufgaben erfüllen. Alle haben ihre Aufgabe sehr gut erfüllt – aber es stimmt, dass ‚Sunti‘, wie schon gegen Türkiye, auch heute wieder ein tolles Spiel gemacht hat. Er hat eine gute Ballkontrolle, Ruhe am Ball und gewinnt viele wichtige Zweikämpfe.“ Apropos Zweikämpfe: DFB-Schiedsrichter Norbert Grudzinski (TSV Wandsetal) hatte keinerlei Schwierigkeiten mit der Leitung dieses Viertrunden-Duells, indem die Mannen aus Ottensen verdientermaßen die Oberhand behielten.

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren