Landesliga Hansa

Gottschling gefällt gar nichts, FTSV ist „ganz weit weg davon, tot zu sein“

09. März 2020, 16:51 Uhr

Not amused: OSV-Trainer Simon Gottschling war mit der Leistung seines Teams gegen Altenwerder nicht einverstanden. Foto: Bode

Wenn es Worte gibt, die den Gemütszustand von Simon Gottschling nach dem Spiel des Oststeinbeker SV beim FTSV Altenwerder noch recht nett umschreiben, dann hätte man sagen können: Der Coach des OSV war „not amused“. Eigentlich aber war Gottschling mehr als das. Restlos bedient nämlich – und so antwortete der OSV-Übungsleiter den Kollegen des „Hamburger Abendblatts“ und der „Bergedorfer Zeitung“ auf die Frage, was ihm am Auftritt seiner Equipe auf dem Kunstrasen am Jägerhof nicht gefallen habe, recht knapp, aber umso deutlicher: „Alles! Das will ich gar nicht aufzählen. Alles!“ Eine klare Ansage des Oststeinbeker Trainers, der sich vor allem darüber aufgeregt haben dürfte, dass sein Team in der Schlussminute noch den Siegtreffer auf dem Fuß hatte, diesen aber vergab.

Begonen hatte das „hektische und unsaubere Spiel von beiden Seiten“ (O-Ton FTSV-Trainer Daniel Rossa) für die Oststeinbeker mit einem Negativerlebnis: Nach drei Minuten führte auf einmal das Schlusslicht. „Das war ein Ping-Pong-Tor“, fasste Rossa zusammen. Was war passiert? Nun, der Ball kam in die Box, sprang Ardian Vlasaliu ans Bein, touchierte irgendwie wohl auch noch OSV-Verteidiger Revin Köksal und lag dann auf einmal im Netz. „Danach haben wir diese Führung leidenschaftlich verteidigt – so, wie ich das von den Jungs verlange. Wir haben nicht wirklich etwas zugelassen. Oststeinbek hatte zwar mehr Ballbesitz, hat aber auch keinen gepflegten Fußball gespielt. Sie haben sehr viele Fehler im Aufbauspiel gemacht, die wir in den Umschaltsituationen nicht gut genug ausgespielt haben. Da hätten wir definitiv mehr draus machen müssen“, sagte der FTSV-Coach, der anschließend bekannte: „Ich hatte in der ersten Halbzeit allerdings nicht wirklich das Gefühl, dass wir in Bedrouille geraten. Er habe, so bilanzierte Rossa, „nicht wirklich große Chancen für Oststeinbek im Kopf“, was den ersten Durchgang angehe.

OSV-Führungstreffer zieht dem FTSV zunächst den Boden unter den Füßen weg

FTSV-Coach Daniel Rossa (re.) riskierte nach dem Rückstand riskierte mit offensiven Wechseln viel. Foto: Brussolo

Entsprechend ging der FTSV mit der Führung in die Pause. „Wir wussten, dass der OSV in der zweiten Halbzeit Druck machen würde. Dennoch hatten wir die erste Möglichkeit und hätten das 2:0 machen können. Es wäre vielleicht übertrieben, wenn ich sage, dass wir da schon den Deckel draufgemacht hätten, aber es wäre für Oststeinbek sehr schwer gewesen, dann nochmal zurückzukommen“, urteilte Rossa. So aber lief es genau anders herum: Der OSV kam durch einen 30-Meter-Freistoß von Dave Fehlandt (Rossa: „Ein Sahneschuss, der oben in den Knick geht. Bei 50 Versuchen trifft er den ein Mal so“) zum Ausgleich (63.). „Damit war Oststeinbek wieder im Spiel und meine Jungs haben angefangen, nachzudenken und sind nervös geworden. Der Treffer hat uns komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Der OSV hat danach nur noch auf ein Tor gespielt und hatte Möglichkeit um Möglichkeit.“ Nutzen aber konnte die Elf von Simon Gottschling nur noch eine davon: Nach einer Standardsituation traf Köksal in der 65. Minute zum 2:1 für die Gäste. Altenwerders Reaktion: „Wir haben offensiv gewechselt und versucht, alles nach vorne zu werfen“, so Rossa.

Rossa: „Mit so viel Verletzunsgpech umgehen zu können – das ist sehr schwer“

Motiejus Zibuda (li.) erzielte den 2:2-Ausgleichstreffer für den FTSV. Foto: Brussolo

Dass dies eine gewisse Gefahr beinhaltete und man so dem Kontrahenten Räume bot, „wussten wir. Das haben wir in Kauf genommen, um das Unmögliche möglich zu machen und das Spiel noch zu drehen“, gab Altenwerders Trainer nach der Begegnung zu Protokoll. Der Aufwand sollte sich lohnen: Nach einem Freistoß von Eugen Götz besorgte Motiejus Zibuda neun Minuten vor dem Ende den Ausgleich. „Anschließend war es ein offenes Spiel, in dem beide Seiten die Chance zum Knockout hatten“, sagte Rossa und dachte nicht nur an die OSV-Gelegenheit aus der letzten Spielminute, sondern auch an Götz' vermeintlichen Treffer zum 3:2 dem der Unparteiische die Anerkennung versagte, weil das Leder seiner Meinung nach die Torlinie nicht überschritten hatte. 


„So“, bilanzierte der Trainer des Tabellenletzten schließlich abschließend. „nehmen wir den einen Punkt mit. Uns ist klar, dass wir nicht alle Spiele bis zum Saisonende gewinnen können. Wir wissen, dass wir jetzt in den nächsten Spielen wieder alles reinwerfen müssen – unabhängig davon, dass uns mit Anton Lasko, Dimitri Marker, Wladimir Jauk, Waldemar Grogoruk, Markus Stromberger, Christian Carlsen oder Rouven Senger Spieler fehlen, die alle zum Stammpersonal zählen. Als FTSV Altenwerder mit so viel Verletzunsgpech umgehen zu können – das ist sehr schwer. Wir versuchen es trotzdem und man sieht, dass die Jungs an das Wunder glauben, Umso mehr tut es mir leid, wenn das nicht belohnt wird. Die Mannschaft ist ganz weit weg davon, tot zu sein – das merkt jeder Gegner, der gegen uns spielt...“

Jan Knötzsch 

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