24.05.2019

Gottschling erst im Elfer-Pech, dann im Aufstiegsglück: „Du musst solche Jungs erstmal in die Spur bekommen“

OSV feiert nach 4:1-Heimsieg gegen Wentorf den Sprung in die Landesliga mit seinen Fans

Partystimmung vor den eigenen Fans: Die Spieler des Oststeinbeker SV bejubeln den Sprung in die Landesliga. Foto: Knötzsch

Und auf einmal war es dann doch passiert. Simon Gottschling konnte nicht mehr entkommen. Die Spieler des Oststeinbeker SV hatten im Rücken ihres Coaches nach dem Spiel gegen den SC Wentorf (Hier gibt`s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen) noch von „Drei“ den Countdown herunter gezählt, dann schlugen sie zu: Eine Bierflasche nach der anderen leerte sich über dem Kopf des OSV-Coaches, der noch zaghaft versucht hatte, die Flucht anzutreten. Vergebens. Als sich seine Spieler schließlich aufmachten, auch Co-Trainer Alexander Kaya eine Bierdusche zuteil werden zu lassen, zog Gottschling das rot-schwarze Oststeinbek-Trikot über den Kopf. Es war so nass, dass der Übungsleiter es erst einmal auswringen musste.

Gottschling? Das rot-schwarze Trikot? Ja, richtig gelesen: Der 44-Jährige war im letzten Spiel der Saison 2018/2019 in der Bezirksliga Ost tatsächlich noch einmal zum Spieler geworden. Weil sein Team es so wollte. Mit der Rückennummer zehn auf dem Dress stand Gottschling als Ersatzspieler auf dem Spielbericht. Im ersten Durchgang stand er noch wie gewohnt in der Coaching-Zone und instruierte seine Schützlinge wie von dort. Zu Beginn der zweiten Hälfte wechselte sich der OSV-Coach dann selbst ein. „Auch Alexander Kaya wollte eigentlich selbst noch spielen“, verriet Gottschling später. Das aber ließ der OSV dann doch sein. Dafür allerdings hätte sich Gottschling beinahe sogar noch höchstpersönlich in die Torschützenliste eingetragen.

Gottschling: „Ich glaube nicht, dass es ein Team in der Liga gibt, das so viel investiert hat, wie wir“

Da stand er noch draußen an der Linie: OSV-Trainer SImon Gottschling wechselte sich später selbst ein. Foto: Knötzsch

Aber eben nur beinahe. Als es bereits 3:1 für seine Equipe stand, wurde der spielende Coach in der Box zu Fall gebracht und es gab Elfmeter. Gottschling schnappte sich, obwohl es zunächst so aussah, als sollte Erdinc Örün schießen, das Leder – und blieb erfolglos. Sein Schuss flog eine Etage zu hoch über den Kasten (87.). Örün machte es drei Minuten später aus dem Spiel heraus besser und besorgte den 4:1-Endstand, nachdem für den OSV zuvor Nicklas Frers (18.), Maximilian Kochsiek (21.) und Maximilian Grünberg (39.) getroffen hatten und im zweiten Durchgang Nils Petersen für Wentorf den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer markieren konnte (75.). „Bis auf den Elfmeter war das mit den paar Ballkontakten ein solider Auftritt“, grinste Gottschling, als nach dem Abpfiff die Frage aufkam, wie er denn die Leistung von Oststeinbeks Nummer zehn beurteilen würde.

Ein großes Thema war der vom Coach vergebene Elfer nach Spielschluss nicht mehr. Aus einem ganz einfachen Grund: Weil die Oststeinbeker ihren Aufstieg, der seit einer Woche feststeht, eben noch einmal lautstark und intensiv mit ihren Fans feierten. Co-Trainer Kaya mutierte vor dem OSV-Fanblock zum Vorsänger, kistenweise Bier wurde herangeschleppt, der Anhang der Oststeinbeker sorgte mit Pyrotechnik für die entsprechende Kulisse. Und dafür, dass nun auch Gottschling, der sich in der vergangenen Woche noch verhalten gegeben hatte, endlich gelöst wirkte. „Jetzt geht’s so langsam los“, konstatierte der Übungsleiter und meinte damit sowohl die Feierlichkeiten als auch die Freude und das Gefühl, dass der Aufstieg tatsächlich Realität ist. „Ich bin froh, dass jetzt Ruhe ist. Wir haben das Ziel erreicht und unserer Ansage standgehalten“, stellte er zufrieden fest.

Rogowski: „Die Art und Weise, wie das letzte Tor fällt, ärgert mich“

Wentors Coach Slavec Rogowski (vo.) war mit dem Auftritt seiner Elf vor der Pause unzufrieden. Foto: Knötzsch

„Ich glaube nicht, dass es eine Mannschaft in der Liga gibt, die so viel investiert hat, wie wir. Wir haben viel geackert und viel Gas gegeben. Natürlich haben wir auch eine gewisse Qualität im Kader. Aber trotzdem: Du musst solche Jungs erstmal in die Spur bekommen. Das sind alles auch nicht so einfache Typen. Es war sehr anstrengend in dieser Saison“, ließ Gottschling die gerade eben zu Ende gegangene Spielzeit Revue passieren – mit all ihren Aufs und Abs. „Es war viel gegen uns“, blickte der OSV-Coach zurück und erklärte, warum er offiziell in den zurückliegenden Monaten und Wochen eigentlich nie so gern über das Thema Aufstieg sprechen wollte: „Wenn die Offiziellen das als Ziel nach außen tragen wollen, dann konnten sie das von mir aus tun. Ich selbst habe für mich entschieden: Warum sollen wir das machen? Das brauchen wir gar nicht. Es wäre vermessen gewesen, das als Aufsteiger zu tun.“ Andererseits aber, so Gottschling weiter, „wussten eh alle, was los ist: Dass wir angreifen und durchmarschieren wollten. Jeder, der Ahnung hatte, wusste schon, was los ist. Ich musste das nicht machen – und das war gut für mich.“ Intern, verriet Gottschling mit einem Lächeln auf den Lippen, „war das aber anders...“

So ganz zum Lächeln zumute war Slavec Rogowski derweil nicht – zumindest nicht, wenn es um die erste Hälfte des Spiels ging: „Wir haben aus dem Defensivverbund versucht, zu kontern. Aber wenn du gegen eine spielstarke Truppe hinten drin stehst, lässt du sie ja kicken. Das hat der OSV in der ersten Halbzeit dann ja auch gemacht. Wir waren zu passiv und gefühlt überall nicht zugreifend und zwingend genug. Dann entstehen halt Gegentore, Mit dem 0:3 zur Pause waren wir noch gut bedient“, befand Wentorfs Coach, der direkt vom Flughafen an den Kunstrasen am Meessen geeilt war. „In der Pause habe ich meinen Jungs dann gesagt, dass wir unsere Stärken nutzen wollen, fit sind und früh stören wollen. Wir haben den Gegner schön beschäftigt und unter Druck gesetzt. Oststeinbek hat daraufhin viel mit langen Bällen agiert. Dann machen wir das 1:3 – aus meiner Sicht aber zu spät, weil wir vorher schon die Möglichkeit zu Toren hatten. Wir sind eine Mannschaft die lernt. Wer lernt, darf Fehler machen, Aber nicht zwei oder drei Mal den selben. Da muss man merken: Das darf nicht passieren. Die Art und Weise, wie das letzte Tor fällt, ärgert mich. Auch wenn wir so gesehen in der zweiten Hälfte 1:1 gegen den OSV gespielt haben“, bilanzierte Rogowski die 90 Minuten abschließend.

Jan Knötzsch  

OSV-Co-Trainer Alexander Kaya gibt den Takt für die Aufstiegsparty an

Fotogalerie

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe