11.07.2019

„Gerade jetzt am Anfang ist es eine unglaubliche Puzzle-Arbeit“

SCVM-Trainer Thorsten Beyer im Interview

Seit dem 1. Juli hat Thorsten Beyer (vo.) offiziell als Coach des SCVM das sportliche Kommando übernommen. Foto: Bode

Seit dem 1. Juli ist Thorsten Beyer offiziell als Trainer beim SC Vier- und Marschlande in Amt und Würden. Für den 57-Jährigen ist es eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte – und auch der Weg zurück in die „alte Heimat“. Die Aufgabe beim Ost-Bezirksligisten hat es dennoch in sich: Beim SCVM hat es einen immensen Umbruch im Team gegeben. Wir haben mit Beyer über seinen Schritt „back to the roots“, das Gesicht des neuen Kaders, die Schwierigkeit der Aufgabe und die Ziele gesprochen, die der Club aus Fünfhausen und sein Trainer für die kommende Spielzeit haben. 

Thorsten, im Oktober 2018 war für dich beim Eimsbütteler TV Schluss. Wie ist es dir seitdem ohne Fußball ergangen?

Thorsten Beyer: Ich muss schon sagen, dass ohne Fußball irgendetwas gefehlt hat. Es war sicherlich ein anderes, neues und für eine Zeit lang auch ein schönes Gefühl, mal nicht in der Verantwortung zu stehen, und Zeit für andere Dinge zu haben. Aber ich muss auch sagen: Irgendwann hab' ich gesagt: Es kann wieder losgehen. Und jetzt bin ich froh, dass es wieder losgegangen ist.

Schon kurze Zeit später stand fest, dass du beim SC Vier- und Marschlande als Nachfolger von Olaf Poschmann in diesem Sommer einsteigen wirst. Warum hast du dich für den SCVM entschieden? Gab es kein anderes reizvolleres Angebot in einer höheren Liga?

Beyer: Die Angebotslage war überschaubar. Es gab nur das eine. Außerdem bin ich ja jetzt auch einer der ältesten Trainer in Hamburg, da ist es dann schon an der Zeit, genauer zu schauen: Was passt zu einem als Coach? Die Position beim SCVM ist genau auf mich zugeschnitten. Ich kenne hier viele Leute von der Jugend bis hoch zu den Herren und auch im Verein und im Umfeld. Für mich war die Trainerposition beim SCVM die ideale Lösung, um mein sportliches und privates Umfeld miteinander zu verbinden.

Seit dem 1. Juli bist du nun in Amt und Würden als Coach. Wie zufrieden bist du mit der Kaderzusammenstellung, die euch in den letzten Monaten gelungen ist?

Auf den 57-jährigen Coach (li.) wartet einiges an Arbeit – dessen ist er sich bewusst. Foto: Bode

Beyer: Die Kaderzusammenstellung war eine super anstrengende Sache. Wir haben viele Modelle durchdacht und durchgesprochen, wie der Kader aussehen soll oder kann. Es stand sehr früh fest, dass es sehr viele Abgänge geben würde und nur wenige Spieler hier bleiben. Es gab dann die Überlegung und das Angebot, die A-Jugend komplett in den Herrenbereich zu übernehmen und sie als Haupt-Korsett des Kaders zu nehmen. Letztlich haben das viele von den Spielern abgelehnt, so dass wir jetzt nur sechs Spieler aus der eigenen A-Jugend hochgezogen haben. Wir haben eine gute Mischung gefunden aus diesen Spielern, aus Jungs aus der Zweiten und Dritten Mannschaft, externen Zugängen und denen, die geblieben sind. Ich bin mit dem Kader, so wie er jetzt ist, zufrieden und kann schon jetzt sagen, dass wir eine Entwicklung durchmachen. Als wir mit diesem Team begonnen haben, waren wir auf Kreisliga-Ebene. Das gilt es jetzt nach und nach zu verbessern.     

Im Zuge deines Wechsels erklärte der Sportliche Leiter Olaf Stegmann, der SCVM wolle kein Ausbildungsverein mehr sein. Du selbst sagtest, die Prämisse liege darauf, „gute Perspektiven zu schaffen und sie bestmöglich auszubilden“. Wie ist es denn nun?

Beyer: Als sportlich Verantwortlicher ist es für mich natürlich die Krönung, wenn – so wie in meinem Fall – Spieler wie ein Martin Harnik oder Max Kruse in den höchsten Ligen Fuß fassen und man daran auf deren Karriereweg einen Anteil hatte. Natürlich wollen wir auch weiterhin Spieler gut ausbilden, wenn sie wechseln und höherklassig Fuß fassen, dann ist das eben so. Die dürfen dann aber auch gerne mal bei uns bleiben. Soll heißen: Wir wollen eine Grundlage dafür schaffen, dass sie das tun und den Verein dahingehend verbessern. So gesehen sind wir also schon eher ein Ausbildungsverein. Olaf Stegmann ist momentan übrigens bei uns gar nicht in seinem Amt. Das hat aber nichts mit dieser Aussage zu tun, sondern das ist aus gesundheitlichen Gründen der Fall.

Wenn man sich den Kader nun ansieht, stellt man schnell fest: Es hat einen riesigen personellen Umbruch gegeben. Wie schwer macht dies deine Aufgabe als Coach?

Beyer: Schwer wird es sein, dass wir das Niveau herstellen und alle Möglichkeiten abrufen. Wir sind immer noch in der Phase, in der wir gucken müssen: Wer hat genügend Härte und Qualifikation, um zu den ersten 15 Spielern zu zählen? Welcher Spieler passt auf welche Position? Welches System wollen wir spielen? Wie setzt die Mannschaft das um? Gerade jetzt am Anfang ist das eine unglaubliche Puzzle-Arbeit. Es ist nicht so viel fix, es ist nichts starr. Es gibt nicht so viele Wände, vor die man laufen kann. Ich habe freie Hand.


Auf Seite zwei des Interviews spricht Beyer über seine Führungsspieler, sein Ziel und verrät, welche Überschrift die SCVM-Saison am Ende tragen soll, wenn es nach ihm geht...

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