13.04.2019

„Fußball sollte verbinden - da spreche ich auch von Fairness und Ehrlichkeit!“

Vermeintliche Gutmann-Schwalbe entfacht hitzige Debatte

Teutonias Nick Gutmann (li.) - hier gegen Meiendorf-Keeper Yannick Jonas - sorgte mit seiner vermeintlichen Schwalbe für den großen Aufreger des Spiels und hitzige Debatten im Nachgang. Foto: KBS-Picture.de

Es war die Szene, die noch im Nachgang für jede Menge Gesprächsstoff sorgte und auch zwischen beiden Trainern heißblütig und durchaus deutlich diskutiert wurde: Es lief bereits die zweite Minute der Nachspielzeit in der ersten Halbzeit, als Teutonias Nick Gutmann rechts in den Strafraum eindrang und im Duell mit Meiendorfs Paul-Luca Herrdum urplötzlich zu Boden sank. Der leider in unzähligen Szenen überfordert wirkende Schiedsrichter Martin Pfefferkorn (SC Urania) ließ zunächst weiterlaufen – doch die Fahne seines Assistenten sorgte letztlich dafür, dass der Unparteiische ins Grübeln geriet, sich bei Gutmann selbst (!) vergewisserte, um dann auf den Punkt zu zeigen und dem Meisterschaftsanwärter einen höchst umstrittenen – wenn nicht gar völlig unberechtigten – Strafstoß zuzusprechen (alle Highlights im LIVE-Ticker).

Zwei Tor-Vorbereiter im direkten Kampf um den Ball: Davidson Eden (li.) vs. Can Düzel. Foto: KBS-Picture.de

„Ich habe die Situation so gesehen“, erklärte Gutmann seinen „Fall“ im Anschluss an die Partie, „dass der Ball zu mir kam, ich mir den ein bisschen zu weit vorlege, am Ende aber noch mal ganz entscheidend rankomme und er mich leicht trifft. Wenn man mit so einer Geschwindigkeit unterwegs ist, kann jede Berührung dazu führen, dass man hinfällt. Das war in der Situation der Fall.“ Das habe er auch dem Schiedsrichter auf dessen Nachfrage hin so geschildert, verriet der Teutonen-Flügelflitzer. Doch nicht nur Meiendorf-Coach Baris Saglam nahm die Situation ganz anders wahr und machte, wie sämtliche Zuschauer auch, eine klare Schwalbe aus: „Ich kann verstehen, dass man sich mit den Planungen für die Regionalliga beschäftigt. Aber nichtsdestotrotz sollte der Fußball verbinden – da spreche ich dann auch von Fairness, Ehrlichkeit und auch davon, ein Mann zu sein, wenn man nicht gefoult wurde“, begann er sein Statement – und fuhr fort: „Wenn man Schwalben macht, okay. Aber dass dann von außen reingerufen wird ‚Lass dich da nicht besabbeln‘, dann empfinde ich das als eine schwache Leistung“, sprach Saglam auf einen vermeintlichen Ruf von T05-Co-Trainer Matthias Reincke an, der wiederum entgegnete, er habe seinen Jungs in jener Szene nur zu verstehen geben wollen, dass sie sich nicht provozieren lassen sollen. „Ziele sind schön und gut, aber letztendlich sollte man immer fair bleiben auf dem Platz – auch wenn wir in der Fairnesstabelle nicht gerade oben mitmischen. Aber da ist mein Appell an die Trainer und Spieler klar“, echauffierte sich Saglam.

„Wenn mein Spieler sagt, es ist ein Elfmeter, dann glaube ich ihm“

Teutonias Francky Sembolo (li.) konnte sich gegen die Meiendorfer Defensive kaum behaupten. Foto: KBS-Picture.de

Sein Gegenüber meinte, angesprochen auf die hitzige Debatte: „Ich bin ungefähr 60, 70 Meter davon entfernt und kann es gar nicht beurteilen oder sehen“, sagte Sören Titze, fügte aber gleichzeitig an: „Ich gebe Baris zu 100 Prozent recht. Wir wollen im Fußball ehrlich sein. Aber in dem Moment wurde nicht ich befragt, sondern mein Spieler. Und wenn der sagt, es ist ein Elfmeter, dann glaube ich ihm. Nick ist immer ehrlich.“ Allerdings betonte Titze auch: „Wenn es kein Foul gewesen wäre, dann muss man auch dazu stehen.“ Wie dem auch sei. Gerrit Pressel konnte das „Geschenk“ schlussendlich annehmen und seine Teutonen virtuell an die Spitze der Oberliga-Tabelle schießen (45. +3) – zumindest bis zum zweiten Durchgang. Denn der MSV steckte nicht auf, hielt weiter dagegen und ließ, laut Saglam, „keinen Klassenunterschied“ erkennen. Im Gegenteil. Nach tollem Zuspiel von Can Düzel sorgte Andrej Blum für den Ausgleich (58.)! Auf einmal waren die Hausherren am Drücker, blieben gefährlich und kamen durch Kevin Heitbrock – vom Saglam als Sturmspitze (!) aufgeboten – zu weiteren Chancen. Der Siegtreffer fiel jedoch auf der anderen Seite – und zwar nach einem ruhenden Ball, den Davidson Eden per Kopf auf den zweiten Pfosten beförderte, wo Dren Hoti die Kugel unglücklich in die eigenen Maschen „murmelte“ (74.)!

„Teutonia hat uns das Leben nicht schwer gemacht“

Saglams Erkenntnis: „Wenn man sieht, mit welchen Möglichkeiten wir arbeiten, und dann die von Teutonia nimmt, die von den Rahmenbedingungen her Regionalliga-tauglich sind, dann kann ich meinen Jungs nur ein Kompliment aussprechen. Denn ich habe heute keinen Klassenunterschied und keine spielerischen Lösungen bei Teutonia gesehen. Wir sind ein Aufsteiger, kommen aus der Landesliga und spielen unsere erste Saison in der Oberliga. Für die meisten Spieler ist es sogar so, dass sie das erste mal in der Oberliga Fuß fassen. Dafür hat uns Teutonia, rein spielerisch betrachtet, das Leben heute nicht schwer gemacht. Ein Unentschieden wäre mindestens gerecht gewesen!“ Nichtsdestotrotz „sind wir Sportsmänner genug, um zu sagen: Glückwunsch an Teutonia und viel Erfolg für die Zukunft“, beendete Saglam sein Statement.

Erman fällt wochenlang aus, Toksöz klappt zusammen

Am Ende fuhr Teutonia 05 einen glücklichen Sieg davon und springt an die Tabellenspitze - zumindest bis Sonntagnachmittag. Foto: KBS-Picture.de

Sören Titze sprach hingegen von einer Woche, die unter keinen guten Vorzeichen stand. Grund: Im Training zog sich Torjäger Aytac Erman einen Muskelfaserriss in der Leiste sowie eine Zerrung der Gesäßmuskulatur zu, während Deran Toksöz kurz vor Beginn des Spiels in der Kabine plötzlich über Unwohlsein klagte, Schüttelfrost bekam, ehe ihm schwarz vor Augen wurde und er abgeholt werden musste. „Das war der zweite Nackenschlag“, so Titze, der daraufhin seine Startelf umbauen musste. „Deshalb kann ich meiner Mannschaft nur ein Kompliment aussprechen. Wir sind sehr happy, die angepeilten drei Punkte mitgenommen zu haben. Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird gegen eine robuste Mannschaft, die uns das Leben über 90 Minuten schwer machen wird, um jeden Ball kämpft und fightet, tief steht und bei Standards gefährlich ist. Den Arbeitssieg nehmen wir gerne mit.“ Ein Erfolg, der den „Kreuzkirchlern“ zumindest für 24 Stunden die Tabellenführung beschert. „Es war auf jeden Fall kein einfaches Spiel. Meiendorf ist schwierig zu bespielen. Ich glaube, dass im Endeffekt die individuelle Qualität das Spiel entschieden hat“, befand derweil Nick Gutmann, der abschließend zu Protokoll gab: „Wichtig ist, dass man diese ekligen Spiele gewinnt. Denn in solchen Spielen zeigt sich die Qualität, wenn man ganz nach oben will – und das wollen wir auf jeden Fall.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren