08.11.2018

„Für Ole und Speedy“: Dank Bundt geht’s glücklich in den Bund!

Kindler und Karow platzt der Kragen - Farhadi: „Schlagen uns selbst“

Großer Jubel und pure Freude bei den Spielern des HEBC! Nach drei Niederlagen in Serie stellten die Eimsbütteler - zu Ehren von Ole Natusch und „Speedy“ Vamvakidis - dem NTSV ein Bein. Foto: Klaas Dierks

Als Schiedsrichter Alexander Teuscher (SC Eilbek) nach fast siebenminütiger Nachspielzeit seine Pfeife in den Mund nahm und dem Treiben am Reinmüller ein Ende setzte, brandete auf der einen Seite riesengroßer Jubel auf – während sich beim Niendorfer TSV der pure Frust breit machte. Torhüter Marcel Kindler platzte der Kragen. Minutenlang fluchte der Schlussmann mit wutentbrannter Stimme: „Jede Woche die gleiche Scheiße – unfassbar!“, ehe er zunächst eine Trinkflasche, dann seine Handschuhe „wegkickte“. Dem stand Marvin Karow in nichts nach: „Einfach keine Qualität vorne – nix!“, wütete der NTSV-Kapitän, und beförderte ebenfalls eine herumliegende Trinkflasche ins Jenseits. Trainer Ali Farhadi brachte es nüchtern auf den Punkt: „Wir scheitern einfach an uns selbst!“

Magnus Hartwig (2. v. li.) hatte die Chance zur Niendorfer Führung, scheiterte aber an Tino Nennhaus. Foto: Klaas Dierks

Sowohl für Ole Natusch als auch für Stilianos „Speedy“ Vamvakidis war es ein besonderer Abend (alle Highlights im LIVE-Ticker). Letztgenannter feierte seinen ersten Hochzeitstag – und so machte sich der Manager des HEBC mit Spielbeginn auf den Weg zu seiner Vermählten. Während Stürmer Natusch, viele Jahre am Sachsenweg aktiv (Farhadi: „Für Ole verlegen wir das Spiel gerne“), am Samstag den Bund(t) der Ehe eingehen wird. Der Grund, weshalb die Oberliga-Partie zwischen dem HEBC und dem Niendorfer TSV bereits am Donnerstagabend stattfand. Apropos Bund(t): Die Eimsbütteler haben in ihren Reihen ja auch noch einen Janek Bundt. Dieser kam nach 56 Minuten ins Spiel und ersetzte den bis dahin ackernden Natusch, der – und das ist wohl das wichtigste – seine Hochzeitsfeier unbeschadet angehen kann. Als noch zehn Zeigerumdrehungen zu gehen waren, kam der Ball über Fabian Lemke und Felix Hackstein zu eben jenem Bundt, der das Spielgerät in einer fließenden Bewegung mit der Hacke an- und mitnahm, sich so seines Gegenspielers entledigte, ehe ihm Marvin Karow zuvor kam – und die Kugel ins eigene Tor spitzelte. 1:0!

„Die erste Kiste“ als Belohnung

Das Siegtor! Marvin Karow und Janek Bundt (re.) befördern den Ball im Verbund in die Maschen. Foto: Klaas Dierks

„Ich habe vorher angesagt, dass wir Ole nicht mit einer Niederlage oder auch nur einem Punkt in die Hochzeitsfeier schicken wollen. Und wir wollten auch Herrn Vamvakidis einen ersten Hochzeitstag bereiten, der sich gewaschen hat – das haben wir geschafft“, jubelte Jörn Großkopf über den immens wichtigen Sieg, der am Ende „auch höher hätte ausfallen können“, wie er befand. Doch dem zweiten Treffer von Fabian Lemke – Schiri Teuscher entschied zunächst auf Tor (Großkopf: „Ich habe gejubelt, weil alle gejubelt haben. Die Jungs auf Höhe der Linie haben auch allesamt gesagt, dass der klar drin war. Aber am Ende ist es mir egal, weil wir gewonnen haben. Auch wenn die Aktion danach völlig unverständlich ist, dass es dann Hochball 20 Meter vor dem Tor gibt. Wenn, dann ja wohl da, wo die Aktion war – das war auf der Torlinie und dann muss man da auch hingehen dürfen“) – wurde die Anerkennung verwehrt (83.). „Ich denke, wir hätten noch den einen oder anderen mehr machen können – aber was ich noch viel geiler finde, dass wir unglaublich wenig zugelassen haben. Ich habe den Jungs vor der Serie gesagt: Wenn wir zu Hause zu null gewinnen, dann gibt’s ne Kiste Bier – das ist die erste“, verriet Großkopf, der einen „total verunsicherten Gegner“ ausmachte.

„Wenn man die Schwankungen erklären könnte, wären wir Philosophen“

Doch auch seine „Veilchen“ waren nach drei Niederlagen – darunter das 2:4 gegen das bis dahin noch puntklose Schlusslicht aus Pinneberg und das 0:8 in Dassendorf – nicht gerade mit Selbstvertrauen gesegnet. „Natürlich geht man nach so einer Niederlagenserie erstmal ins Spiel und weiß nicht so recht, wie es läuft. Aber all das, was wir angesprochen haben, ist zu 100 Prozent aufgegangen und die Jungs haben das super umgesetzt.“ Erst der famose Sieg gegen Primus Teutonia 05 (4:3), dann die Pleitenserie – und nun der Triumph gegen ein weiteres Top-Team. Schwankungen, die sich Großkopf auch nicht erklären kann: „Wenn man das könnte, dann wären wir nicht auf dem Fußballplatz, sondern Philosophen.“ Aber: „Wenn ich die 90 Minuten sehe, dann finde ich, dass es ein absolut verdienter Sieg war. Wir hatten eine unglaubliche Präsenz.“ Ein Attribut, das den Gästen über die gesamte Spieldauer nahezu komplett fehlte.

„Sie haben alles reingeworfen, was wir in der Kabine gelassen haben“

„Wir haben einfach keine Qualität, die vorne zum Torabschluss kommt. Wir haben keine Qualität, die Tore schießt. Wir sind von 18 bis 37 alterstechnisch gut besetzt in allen Kategorien. Aber wir haben momentan einfach keine Truppe zusammen, die in der Lage ist, so ein billiges Spiel zu gewinnen. Das ist ärgerlich. Denn wir haben uns ganz klar selbst geschlagen“, zog Niendorf-Coach Ali Farhadi ein mehr als nur ernüchterndes Fazit. Der langjährige „HEBCer“ Daniel Brückner (62.) und Magnus Hartwig (75.) versemmelten zwei Top-Möglichkeiten kläglich. Farhadi dazu: „Es ist traurig und grausam, zu sehen, was wir an Chancen verballern. Sie tun mir unheimlich leid, dass sie nicht das machen, was sie machen müssen – nämlich uns auf die Siegerstraße bringen. Aber das ist in den letzten Wochen ja modern bei uns geworden, dass wir viel liegen lassen und zum Schluss dann verlieren.“ Hinzu komme, dass der Gegner „alles reingeworfen hat, was wir in der Kabine gelassen haben“, so Farhadi. Vor allem offensiv fehlte es nahezu an allem. „Wir treffen einfach das Tor nicht und haben momentan keine Qualität im letzten Drittel. Wir schieben uns die Kugel stundenlang hin und her, ohne einen Meter Raumgewinn zu haben. Am Ende merkt man bei vielen von uns, dass sie auch nicht mehr dran glauben, dass wir gewinnen.“ Und auch um die Stimmung war es nicht gerade zum Besten bestellt – ganz im Gegenteil…

Autor: Dennis Kormanjos

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