Oberliga

„Für mich steht fest: Es wird nicht passieren, dass wir absteigen!“

05. März 2020, 17:16 Uhr

Klare Ansage: Daran, dass es den TSV Buchholz 08 im Abstiegskampf erwischen könnte, verschwendet Yayar Kunath (li.) keinen Gedanken. Foto: Hellwig

Im November 2019 wurde seine Verpflichtung verkündet, inzwischen ist er da – und soll seit dem ersten Spiel der Restsaison dabei helfen, den TSV Buchholz 08 vor dem Abstieg aus der Oberliga zu bewahren: Yayar Kunath. Der 31-Jährige, früher in der Regionalliga für Eintracht Norderstedt am Ball, kam aus Thailand zurück nach Deutschland. Wir haben uns mit Kunath über seine Stationen in Deutschland und seiner Heimat unterhalten und mit ihm über die Rückkehr in die Oberliga, Duelle gegen Ex-Teamkollegen, seine Rolle beim Club aus der Nordheide und die Chancen von „08“, auch im kommenden Jahr in Hamburgs höchster Amateurspielklasse zu spielen, gesprochen.

Yayar, erste Frage: Wie sehr hast du dich gefreut, bei deinem Buchholz-Debüt gegen Teutonia 05 auf Deran Toksöz und Sinisa Veselinovic zu treffen?

Yayar Kunath: Ich habe mich natürlich schon gefreut, die beiden mal wiederzusehen. Es war allerdings auch ein komisches Gefühl, dass ich auf der einen und sie auf der anderen Seite standen. Wir kannten es ja eigentlich gar nicht mehr, gegeneinander zu spielen, weil wir zuletzt immer gemeinsam in Norderstedt in einer Mannschaft gestanden haben.

Dieses Spiel habt ihr – genau wie das letzte vor der Winterpause und die zwei weiteren nach dem Start in die Restsaison – verloren. Warum läuft es bei Buchholz 08 nicht?

Kunath: Ich will es mal so formulieren: Wir sind eine junge Mannschaft und wir stecken unten drin. Es ist einfach schwierig, da unten wieder rauszukommen. Es braucht Siege. Wir benötigen ein Erfolgserlebnis, damit wir sehen: Es geht und es kann auch wieder positiv für uns laufen.

Niederlagen im Kampf um den Klassenerhalt könnt ihr euch eigentlich nicht erlauben. Wie groß ist die Angst, abzusteigen?

Kunath: Die Angst, abzusteigen, ist nicht so groß – daran denke ich gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass wir es schaffen werden, die Klasse zu erhalten. Für mich steht fest: Es wird nicht passieren, dass wir absteigen!

Was muss sich ändern, damit ihr drin bleibt?

Geht es nach Kunath (re.) dann braucht die Mannschaft ein Erfolgserlebnis, das eine positive Stimmung auslösen soll. Foto: Hellwig

Kunath: Wie schon gesagt: Wir brauchen einen Erfolg. Diesen Brustlöser, von dem man so gerne redet. Momentan läuft genau das bei uns nicht. Wenn ich mir zum Beispiel die Begegnung gegen Niendorf angucke, wird das deutlich: Wir geraten in Rückstand, gleichen aus und haben dann einen Punkt fast sicher. Und dann kommt die letzte oder vorletzte Minute, wo es einen Elfmeter gegen uns gibt und wir verlieren das Spiel noch mit 1:2.

Die Last, die du als Hoffnungsträger für den Klassenerhalt auf deinen Schultern hast, ist groß. Wie gehst du damit um?

Kunath: Ich bin ehrlich: Eigentlich wollte ich mit dem Fußball gar nicht mehr so viel zu tun haben, als ich nach Deutschland zurückgekommen bin. Es sollte in eine andere Richtung gehen, ich wollte mehr Zeit für die Familie haben und diese mit ihr verbringen. Aber irgendwie kann ich dann doch nicht ohne Fußball, also habe ich in Buchholz zugesagt. Momentan läuft's bei uns nicht, also muss ich der Mannschaft viel helfen. In der Situation, wie sie jetzt ist, muss ich dann aber wohl sagen: Momentan helfe ich noch nicht so viel oder ausreichend genug. Aber ich bin zuversichtlich: Wir haben noch elf Spiele, die wir bestreiten müssen. Bis zum Saisonende wird sich noch einiges ändern. Aber wir haben dafür auch noch viel zu leisten.

Warum fiel deine Wahl im Winter auf Buchholz, als du nach Deutschland zurückgekommen bist? War Eintracht Norderstedt, von wo du nach Thailand gegangen bist, kein Thema bei der Rückkehr?

Kunath: Es war meine ganz persönliche Entscheidung – abgesehen davon, dass mich Norderstedt auch gar nicht kontaktiert hat. Ich wohne in Buchholz. Da wäre die Fahrt raus nach Norderstedt wieder sehr lang und das Ganze ein sehr großer Aufwand gewesen. Mit Buchholz stand ich schon in Kontakt, ehe ich mich dazu entschlossen habe, nach Thailand zu gehen. Den Kontakt hat es auch schon gegeben, bevor ich jetzt im Winter zurückgekommen bin. Abgesehen davon: Ich wollte das Fußballspielen eher hobbymäßig betreiben – und wenn ich wieder in die Regionalliga gewechselt wäre, dann wäre das mit vier Mal Training und einem Spiel pro Woche eben zu viel Aufwand gewesen, Man investiert da eine ganze Menge an Zeit...

Du wolltest damals im Winter 2018 unbedingt in dein Heimatland, um dort zu spielen. Wie war es rückblickend, in Thailand Profi zu sein?

Ob er auch in der kommenden Saison in Buchholz spielt, ist noch offen, sagt Kunath (li.). Foto: Hellwig

Kunath: Für mich was das etwas Besonderes. Es war ein Erlebnis, eine richtig schöne Erfahrung. Hier in Deutschland war es so, dass bei einem Derby zwischen Eintracht Norderstedt und dem HSV II vielleicht 1500 Zuschauer kommen. Oder aber dass man, wie beim Pokalfinale an der Hoheluft, mal vor 5000 Zuschauern spielt. In Thailand war das anders. Da hast du mindestens 10000 Zuschauer. Bei einem Derby in einem Stadion, dass 30000 Zuschauer fasst, waren 25000 Fans da. Das ist eine ganz andere Liga.

Jetzt haben wir zurückgeblickt, aber lass uns auch in die Zukunft schauen: Wohin führt dein Weg in der kommenden Saison?

Kunath: Über diese Frage habe ich mir bislang noch keine Gedanken gemacht. Ich möchte jetzt erst einmal die Saison zu Ende spielen und mit Buchholz den Klassenerhalt schaffen. Dann werde ich weitersehen, ob ich noch eine Saison spiele oder vielleicht aufhöre.

Interview: Jan Knötzsch 

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