Corona-Virus

Fortsetzung, Abbruch, Wertung – wie geht’s weiter? „Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken“

20. März 2020, 16:41 Uhr

Hellmann: „Ich bezweifle, dass wir schnell wieder zur Normalität zurückkehren“

HFC Falke-Coach Dirk Hellmann. Foto: Heiden

Dirk Hellmann (Trainer HFC Falke): Es ist für alle jetzt gerade total schwer absehbar. Wenn wir ehrlich sind und die gesellschaftlichen Themen sehen, dann bekommt man schon zum Teil Drastisches mit. Da muss man schon sagen: Der Fußball ist sehr hintergründig zu betrachten. Als Verein hängt man in der Luft. Du planst eine neue Saison, obwohl nicht klar ist, ob die alte beendet wird. Manche Vereine wissen ja derzeit nochmal, in welcher Liga sie künftig spielen. Das macht die Sache extrem schwer. Ich kann mich an eine Saison erinnern, da hatten wir einen brutalen Winter und haben dann im Rhythmus Dienstag-Donnerstag-Wochenende gespielt – und das drei Wochen lang, glaube ich. Ich lasse mal außen vor, wie fair und gesund das ist, glaube aber schon, dass das eine Möglichkeit im Amateurfußball wäre, viele Spiele innerhalb einer kurzen Zeit durchzubekommen. Diese Lösung ist sicher nicht optimal, aber wenn wir schnell in den Spielbetrieb zurückkehren dürfen, ist es eine Möglichkeit. Was eine Saisonverlängerung angeht, glaube ich, dass für uns – analog zu den Profis – der 30. Juni ein Richtwert ist. Auch wegen der Verträge der Spieler. Ich persönlich bezweifle, dass wir so schnell zur Normalität zurückkehren. Entsprechend könnte es sein, dass es auf einen Abbruch hinausläuft und man dann zeitversetzt mit einer neuen Saison beginnt. Was die Wertung der Saison angeht, wird es keine Lösung geben, die für alle fair ist.“

Mirko Petersen (Trainer SV Börnsen): „Ich bin davon überzeugt, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird. Der Höhepunkt ist – so glaube ich – noch nicht erreicht. Und wenn am kommenden Sonntag die Politiker tagen, ob noch eine Ausgangssperre verhängt wird, weil sich viele nicht an die Anweisungen halten, bestätigt mich das in meiner Meinung noch mehr. Wie die Saison dann gewertet wird, zum Beispiel so, als ob die Saison nicht stattgefunden hat – das ist eine ganz schwierige Aufgabe.“


Daniel Andrade-Granados (Trainer SV Nettelnburg-Allermöhe): „Zu aller erst möchte ich mal sagen, dass es mir völlig egal ist, ob und wie die Saison weitergeht. Die aktuelle Lage finde ich viel wichtiger und ernsthafter als eine mögliche Regelung einer Amateurliga oder Fußballsaison. Ich gehe davon aus, dass die Saison nicht zu Ende gebracht werden kann. Losgelöst davon, wann wir wieder spielen können, haben die Spieler, wenn sie beispielsweise bis zum 30. April pausieren mussten, keinerlei Möglichkeit, sich vorzubereiten. Wir dürfen ja weder auf Plätze noch in Hallen. Das wäre neben Corona an Gesundheitsgefährdung kaum noch zu überbieten. Sportler mit zwei bis drei Monaten Pause mal eben in ein Wochen Spielbetrieb mit Spielen alle drei Tage zu schicken, geht nicht. Deswegen ist es für mich die einzig logische Konsequenz, dass einheitlich über alle Fußballverbände und Ligen hinweg die Saison annulliert wird und wir in der neuen Saison unser Glück nochmal versuchen. Es täte mir leid für Mannschaften, die rechnerisch schon Meister wären, aber ich glaube, irgendjemand wird den Drops lutschen müssen. Es wird keine faire Möglichkeit für alle geben.“

Auf der nächsten Seite bezieht Matthias Nagel ausführlich Stellung.

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