Oberliga-Meisterrunde

Flick: „Jeder Aufstieg war besonders – aber der ‚Durchmarsch‘ mit HEBC war schon ein Traum!“

03. Mai 2022, 12:06 Uhr

Er war nicht gerade für seine Torgefahr, sondern eher für seine Abwehrarbeit bekannt - aber ab und an traf Chris Flick (3. v. re.) auch in die gegnerischen Maschen. Foto: noveski.com

Er war ein Teil der „Goldenen Generation“ beim SC Vier- und Marschlande. An der Seite von Max Kruse (VfL Wolfsburg) und Martin Harnik (TuS Dassendorf) sowie etlichen Größen aus der Hamburger Amateurszene schaffte Chris Flick im Sommer 2006 den Sprung aus der A-Jugend-Regionalliga-Mannschaft des SCVM, die als Tabellenzweiter den Aufstieg in die Bundesliga klarmachte, in den Herrenbereich und in die Liga-Truppe der „Deichkicker“.

Mit einem Spalier wurde Flick (li.) in der vergangenen Woche beim Spiel gegen Dassendorf herzlich von den Teamkollegen und Offiziellen des HEBC verabschiedet. Foto: Kormanjos

Nach zwei Jahren bei den „Roten Teufeln“ ging es für Flick über den VfL Lohbrügge – mit den Mannen vom Binnenfeldredder gelang im ersten Jahr auf Anhieb der Oberliga-Aufstieg – und den SV Curslack-Neuengamme zurück an den „Binner“. Seit der Saison 2014/15 schnürt „Flicki“ die „Buffer“ für den HEBC. Nach acht Jahren am Reinmüller soll im Sommer aber Schluss sein. Mit 34 Jahren beendet der Innenverteidiger seine Laufbahn. „Wir haben zwar noch drei Spiele, aber inhaltlich war das heute für mich der perfekte Tag und ein runder Abschluss“, erklärte Flick nach der Partie gegen Abonnement-Meister TuS Dassendorf (1:3), als der Verteidiger noch einmal gegen ehemalige Weggefährte wie Jean-Pierre Richter (Trainer TuS Dassendorf) oder Martin Harnik ran durfte und von den Eimsbüttelern in der 64. Spielminute offiziell und überaus würdevoll mit einem Spalier verabschiedet wurde (HIER mehr dazu).

"Als ich hier angefangen habe, war das große Ziel, nochmal Oberliga zu spielen"

Ein echter Kapitän und absoluter Führungsspieler: Nach 16 Jahren Herren-Fußball ist für Chris Flick (li.) im Sommer Schluss. Foto: noveski.com

„Das Duell mit Martin (Harnik, Anm. d. Red.) habe ich mir zum Abschluss gewünscht. Schön, dass es geklappt hat“, so Flick, der den perfekten Zeitpunkt gefunden hat. „Wir sind in der Meisterrunde, belegen einen einstelligen Tabellenplatz – mehr geht eigentlich nicht“, ist die Entwicklung des HEBC in den letzten Jahren ziemlich beeindruckend. Der scheidende Abwehr-Boss kennt nämlich auch die andere Seite der Medaille. Als er im Sommer 2014 an den Reinmüller wechselte, war der Club gerade in die Bezirksliga abgestürzt. Dennoch war die Vision groß: „Als ich hier angefangen habe, war das unser großes Ziel, nochmal Oberliga spielen zu wollen.“

Unter Marco Fagin gelang dem HEBC als Meister der Bezirksliga West der prompte Wiederaufstieg in die Landesliga. Und auch in der sechsthöchsten Spielklasse avancierten die Lila-Weißen auf Anhieb zu einer echten Hausnummer. Im dritten Landesliga-Jahr vollbrachten Flick und Co. das große Kunststück, in die Beletage des Hamburger Amateurfußballs zurückzukehren. „Ehrlich gesagt: Nach dem Oberliga-Aufstieg habe ich schon überlegt…“, gesteht Flick, bereits vor vier Jahren an einen Rücktritt gedacht zu haben. „Dann habe ich mir aber gesagt, dass ich jetzt auch weitermachen und mit der Mannschaft die Klasse halten muss. Das hat leider nicht geklappt.“

"So wollte ich einfach nicht aufhören"

Beim SCVM begann einst die fußballerische Reise von Chris Flick an der Seite von Max Kruse oder auch Martin Harnik. Foto: noveski.com

Trotz des direkten Wiederabstiegs machte Flick weiter. „So höre ich nicht auf!“, sagte er sich – und sah sich mit in der Verantwortung. Unter dem jetzigen Chefcoach Özden Kocadal konnte sich der HEBC in der Spielzeit 2019/20 erneut die Landesliga-Krone aufsetzen. Seither mischt man das Oberhaus auf. Und Flick? Der wollte sich auch von der Corona-Pandemie nicht zu einem Karriereende zwingen lassen. „Da kam mir der gleiche Gedanke, den ich nach dem Abstieg hatte: So wollte ich einfach nicht aufhören. Und glücklicherweise hat meine Frau das mitgemacht. Ich glaube, sie hat sich das auch gewünscht, dass ich nach so langer Zeit einen solchen Abschied bekomme.“

"Das ist schon mein größter sportlicher Erfolg im Herrenbereich"

Einen Abschied, wie er im Buche steht. „Ich habe keine Träne verdrückt, war aber kurz davor“, gestand er nach der emotionalen Auswechslung, als seine Mannschaft ein Spalier bildete und der kleine Sohnemann dem Papa in die Arme lief. „Das war meine absolute Wunschvorstellung“, strahlte Flick im Nachgang.

Ein toller Sportsmann und ein absoluter Sympathieträger verlässt nach sage und schreibe 16 Jahren im Herrenbereich die Fußballbühne. Zu viele Jahre, um einzelne Momente herauszupicken: „Jeder Aufstieg war besonders – auch der mit Lohbrügge. Aber der Sprung mit HEBC von der Bezirks- in die Oberliga war ein Traum. Den Klassenerhalt zu schaffen und sich dort zu etablieren, das ist schon mein größter sportlicher Erfolg im Herrenbereich“, macht Flick nun auf dem Höhepunkt Schluss.

"Freue mich darüber, dass ich keine Sommervorbereitung mehr machen muss"

Dem Fußball wird Flick (2. v. re.) zumindest insofern treu bleiben. dass er ab "Spätsommer" bei der Alten Herren des HEBC mitmischen wird. Foto: noveski.com

Aber: Dem Verein wird er erhalten bleiben. Nicht als Trainer („Das kann ich mir aktuell gar nicht vorstellen. Ich glaube, ich bin kein Trainertyp. Das ist mir zu stressig“), sondern als Spieler. Denn „Flicki“ schließt sich zur kommenden Saison der Alten Herren an. „Erstmal freue ich mich darüber, dass ich keine Sommervorbereitung mehr machen muss“, witzelt er. „Die Zeit werde ich mir auch nehmen. Und dann werde ich im Spätsommer wieder einsteigen. Ich habe auch total Bock auf die Jungs! Das ist die Truppe, mit der wir die letzten Jahre in der Liga zusammengespielt und viele tolle Momente erlebt haben“, spricht er auf die unzähligen bekannten Gesichter wie Ole Natusch und Matthäus Kosik – beide richteten vor dem Dassendorf-Spiel auch einige Worte an ihren einstigen und künftigen Mitspieler – oder auch Daniel Prange, Enno Martini, Kevin Höricke und Stefan Hermes an. Dann soll die Reise mit deutlich weniger Aufwand, aber nicht minder großem Spaß weitergehen… 

Autor: Dennis Kormanjos

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