28.03.2016

Fightende Neuländer müssen sich Kranich beugen!

„Auch Messi kann auf so einem Acker keine drei Leute ausspielen"

Der Matchwinner am Elbdeich: Kemo Kranich erzielte das goldene Tor für seinen AFC. Foto: KBS-Picture.de

Drei Tage nach dem 5:1-Sieg in der Liga über den FC Türkiye musste Altona 93 im Oddset-Pokal-Viertelfinale beim einzig verbliebenden Bezirksligisten TSV Neuland ran und erkämpfte sich mit einem alles andere als glanzvollen 1:0-Erfolg am Deich einen Platz unter den besten Vier! Auf der roten Asche des TSV - bei phasenweise starken Sturmböen - hatte der Favorit zwar von der ersten bis zur letzten Minute mehr Ballbesitz, aber der krasse Underdog hielt sehr gut dagegen und stellte den AFC vor keine allzu leichte Aufgabe, sodass das Ergebnis folgerichtig nur ein knapper Sieg für die Kicker von der AJK war.

TSV Neuland-Kapitän Malte Johanssen machte, wie sein Team, ein gutes Spiel. Doch am Ende reichte es nicht. Foto. noveski.com

Direkt nach Anpfiff der Pokal-Partie ging man davon aus, dass es eine Packung für den Außenseiter aus Neuland geben könnte, als Altona in der ersten Minute schon hätte in Führung gehen müssen! Kemo Kranich schlug auf Höhe der rechten Eckfahne eine Flanke in den Strafraum, TSV-Keeper Max Blanck konnte den Ball nicht effektiv genug abwehren und Felix Brügmann kam freistehend, zwei Meter vor dem leeren Tor, zum Schuss, chipte die Kugel allerdings über das Gehäuse! Ein Raunen ging durch die Menge und aus den Reihen der 622 Zuschauer vernahm man die Einschätzung, dass es in dieser Situation eine größere Kunst war, den Ball nicht im Kasten unterzubringen. Ein flüssiges Fußballspiel kam in der Folge jedoch nicht zustande, da der Wind stärker wurde und ein vernünftiger Spielaufbau nur schwer möglich war, wie auch Altona-Coach Berkan Algan befand: „Ganz ehrlich: Jeder, der mal einigermaßen in seinem Leben selbst gekickt hat, weiß, dass es Schöneres gibt, als bei so einem Wind und auf so einem Boden Fußball zu spielen!“ Also entwickelte sich ein „Drecksspiel“, wie Algan konstatierte. Der Underdog stand tief und versuchte, mit weiten Bällen und durch Standards sein Spiel aufzuziehen, während die Gäste es trotz der schweren Rahmenbedingungen probierten, sich mit flachen Bällen bis zur Grundlinie durch zu kombinieren, um mit Flanken von der Außenbahn für Gefahr zu sorgen. Eben solch ein Angriff führte in der 22. Minute zum 1:0 für den Oberligisten: Ali Moslehe nahm an der linken Auslinie einen Pass an, sprintete bis zum Strafraum und flankte punktgenau auf Kranich, der sich drei Meter vor dem rechten Pfosten positionierte. Der Angreifer stieg hoch und drückte die Kugel mit seinem Kopf über die Linie zur verdienten Führung!

Doch die Hausherren gaben sich nicht auf und hätten beinahe kurz nach dem Rückstand den Ausgleich erzielt: Sascha Gorris schlug einen Freistoß aus halbrechter Position gefährlich in den Sechzehner, woraufhin die Abwehr erst mal klären konnte. Doch aus dem Hinterhalt kam Malte Johanssen angelaufen und ließ aus 19 Metern einen gewaltigen Hammer ab - allerdings flog das Runde nicht nur an Freund und Feind, sondern auch haarscharf rechts am Eckigen vorbei (24.). Die „93er“ gestalteten weiterhin das Spiel und erarbeiteten sich mehr Ballbesitz, verhinderten aber nicht, dass der immer besser ins Spiel kommende TSV kurz vor dem Pausenpiff zu einer erneuten Chance kam. Jefferson Gonzalez Tobar schoss mit Rückenwind einen Standard aus 20 Metern auf den Kasten von AFC-Torwart Joshua Du Preez, der noch von Mamadu Veloso Cande leicht irritierte wurde, indem sich der Neuländer ganz klein machte und die Kugel über sich hinweg fliegen ließ. Der Ball flog immer schneller und krachte an den rechten Innenpfosten, prallte wieder ab und flog zurück ins Feld (43.)! TSV-Trainer Thomas Kurt lobte seine Schützlinge für ihr Aufbäumen: „Meine Jungs können Fußball spielen, was man dann auch gesehen hat. Sie merkten irgendwann selbst, dass für sie auch noch etwas gehen könnte und erspielten sich demnach in der ersten Halbzeit die eine oder andere Chance, wie zum Beispiel den Pfostentreffer.“

„Auch Messi kann auf so einem Acker keine drei Leute ausspielen"

Neuland-Coach Thomas Kurt war mächtig stolz auf seine Jungs. Foto: noveski.com

Im zweiten Durchgang kam der Bezirksligist besser aus der Kabine und zeigte nicht erst seit dem Seitenwechsel, dass jederzeit mit ihnen zu rechnen sein würde. Man legte eine weitere Schippe obendrauf und gestaltete die Partie noch ausgeglichener. Altona verwaltete den knappen Vorsprung nur noch und operierte mittlerweile hauptsächlich mit langen Bällen. Erst kurz vor dem Ende probierten es die Algan-Bengel wieder mit einer Kombination, die fast zum Torerfolg führte: Brügmann lief zentral mit dem Ball auf den Strafraum zu, legte nach links in den Lauf von Kranich, der bis zur Grundlinie sprintete und quer vor das Tor passte. Die Abwehr war ausgespielt, Torwart Blanck kam nicht mehr ran und am langen Pfosten kam Nick Brisevac angerannt, der den Ball nur noch einschieben musste, aber das Zuspiel nicht mehr zu 100 Prozent unter Kontrolle bekam und die Pille rechts neben das Tor setzte (86.).

Das war auch schon die letzte große Aktion in einer hart umkämpften Partie - mit einem glücklichen Sieger. „Wir sind ins Halbfinale gekommen und das ist schon ein Erfolg. Ich möchte gerne mal den Clasico auf so einem Acker sehen, da kann Messi auch keine drei Leute ausspielen. Wir hatten nur eine Aufgabe und das war: hierher zu kommen, gewinnen und wieder nach Hause zu fahren. Das haben wir geschafft – fertig!“, resümierte Algan und bezeichnete die 90 Minuten ironischerweise als „Leckerbissen für jeden Fußballfan“. Sein Trainerkollege Kurt war hingegen trotz des Ausscheidens „stolz“ auf seine Mannschaft. „Wer dachte, hier ist eine Bezirksliga-Mannschaft, die keinen Fußball spielen kann, der hat sich getäuscht. Hier kursierten im Vorfeld schon Ergebnisse mit 7:0 oder 8:0 für Altona und die Leute sind davon ausgegangen, dass es ein Selbstgänger wird. Das wurde es aber nicht. Berkan hat seine beste Mannschaft auf das Feld geschickt und von daher muss man unsere Leistung nochmal höher betrachten!“

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Autor: Mathias Merk

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