Regionalliga Nord

ETV-Glaube an den Klassenerhalt: „Wir sind guter Dinge, dass die Progression weitergehen wird“

09. Februar 2024, 08:07 Uhr

Jonas Struckmann hat beim Eimsbütteler TV in der Winter-Vorbereitung sehr viel Verantwortung bekommen und übernommen. Foto: Heiden

Mit einer über weite Strecken sehr disziplinierten und taktisch gegen den Ball gut organisierten Vorstellung machte der Eimsbütteler TV der U23 des FC St. Pauli das Leben schwer. Ein Tor von Malik Yago ließ den Aufsteiger sogar von einem „Dreier“ auf des Gegners Platz hoffen. Doch nach der Pause schwanden die Kräfte zusehends. Die „Kiezkickerchen“ drehten das Spiel, der ETV hatte kaum noch etwas entgegenzusetzen – und so stand am Ende eine 1:3-Pleite für die Eimsbütteler zum Start in das Pflichtspieljahr 2024 zu Buche. Dennoch war Co-Trainer Jonas Struckmann – angesichts der „wilden Vorbereitung“ – im Nachgang „eigentlich sehr zufrieden, wie wir in die Partie reingekommen sind, weil wir gar nicht wussten, wo wir stehen“. Insofern war man beim ETV auch gar nicht mal so traurig darüber, dass das erste Heimspiel des Jahres gegen BW Lohne dem Wetter zum Opfer fiel. „Somit hatten wir noch ein bisschen mehr Zeit, um in die Vorbereitung reinzukommen.“

Co-Trainer Jonas Struckmann (li.) befindet sich im engen Austausch mit Khalid Atamimi, der berufsbedingt seit einer Weile schon in Indonesien weilt und die Vorbereitung verpasst hat. Foto: Heiden

Apropos Vorbereitung: Stolze sechs angesetzte Testspiele konnten aufgrund der Witterungs- und Platzverhältnisse nicht stattfinden. Mit nur einem Vergleich gegen Oberligist TuRa Harksheide (3:0) ging es in das Duell mit St. Paulis U23. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal so viel Schneefall hatten und dann vor allem auch so andauernd“, waren Struckmann und seine Eimsbütteler viel zum Improvisieren gezwungen. „Wenn wir denn mal Schnee hatten, dann ist es in Hamburg ja eigentlich ziemlich schnell so, dass Matsch draus wird – und es dann wieder geht. Aber zwei Wochen am Stück mit Schnee und Eis – das war schon echt verrückt. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen – ob mit Yoga-Einheiten, Soccerhalle oder zusätzlichen Fitnesseinheiten. Wir sind aber auch mal auf den Schnee raufgegangen, um technisch ein bisschen was zu machen“, verrät der 30-Jährige, der in diesem Winter vermehrt in die Rolle des „Cheftrainers“ hineingewachsen ist.

Atamimi fehlt: "War im Vorhinein klar, dass das auf uns zukommen kann"

Der Grund: ETV-Coach Khalid Atamimi weilt nun schon eine ganze Weile berufsbedingt in Indonesien und kann nicht bei der Mannschaft sein. Eine durchaus nicht ganz so einfache Konstellation – für alle Seiten. „Das ist auf jeden Fall so“, entgegnet Struckmann, der zusammen mit Tjorben Becker und Oguz Güclü noch mehr Verantwortung übernommen hat, um anzufügen: „Wichtig ist erstmal, zu sagen: Wir haben die Bedingungen, die wir haben. Wir machen das alle nebenbei. Und dann ist es klar, wenn man beruflich so viel Verantwortung hat wie Khalid und diese Sachen machen muss, dann muss er die natürlich auch machen. Das war uns im Vorhinein auch schon klar, dass das auf uns zukommen kann. Trotzdem ist das eine große Herausforderung und er fehlt uns natürlich auch.“ Aber: „Wir genießen da sehr viel Vertrauen von Khalid – das ist erstmal super wichtig, weil man sonst irgendwo handlungsunfähig ist. Wir sind natürlich andauernd im Austausch. Das funktioniert auch gut, denn wir haben damit ja schon in der Hinrunde erste Erfahrungen gesammelt und versuchen einfach, es so gut es geht zu kompensieren. Denn es ist, wie es ist. Die Situation können wir nicht ändern. Und ich glaube, wir machen alle das Beste draus.“

"Vertrauen der Mannschaft, die wir haben"

Bitter für den ETV: Top-Torjäger Maurice Boakye (Mi.) hat sich in der Vorbereitung an der Schulter verletzt, soll aber so langsam wieder ins Training einsteigen. Foto: Heiden

Das macht der Liga-Neuling auch aus der aktuellen Situation. Der Durchmarsch von der Landes- in die Regionalliga war rasant. Sehr rasant sogar. Als Tabellen-16. nimmt der ETV den ersten offiziellen Abstiegsplatz ein. Noch aber ist alles möglich. Personell hat man im Winter auf der Habenseite jedoch nichts Neues verbuchen können. Ein bewusster Schritt – oder hätte etwas mehr Regionalliga-Erfahrung auf zentralen Positionen doch gutgetan? „Man muss grundsätzlich sagen, dass wir eher langfristig gucken – das war schon immer der Weg des ETV. Wir spielen für das Gehalt, was es bei uns gibt – und das ist eine geringe Aufwandsentschädigung“, erwidert Struckmann. 

Man habe sich zwar „ein paar Sachen angeguckt“ und mit der einen oder anderen Personalie beschäftigt, „dann aber dazu entschlossen, dass mit den Jungs durchzuziehen, die das in der Hinrunde auch schon gut gemacht und sich das verdient haben. Deswegen vertrauen wir der Mannschaft, die wir haben.“

"Wir merken, dass wir inhaltlich vorankommen"

Jonas Struckmann (Mi.) spricht seinem Team viel Mut zu und glaubt, dass die Progression beim ETV anhalten und weitergehen wird. Foto: Heiden

Und ein positiver Trend war auch erkennbar. Der ETV ist mittlerweile in der Regionalliga angekommen – und will dort auch bleiben. „Wir haben auf jeden Fall eine Progression in der Mannschaft über die Hinrunde gesehen. Auch irgendwann, was die Ergebnisse angeht. Oft hat es ‚nur‘ für ein Unentschieden gereicht, wo wir vielleicht auch drei Punkte hätten holen können. Aber wir merken einfach, dass wir inhaltlich vorankommen, die Mannschaft die Sachen annimmt und die Stimmung trotz der Rückschläge gut geblieben ist. Deswegen sind wir guter Dinge, dass die Progression auch weitergehen wird und wir hintenraus auch noch den einen oder anderen Punkt sammeln werden“, um am Ende über dem Strich zu stehen.

Autor: Dennis Kormanjos