28.02.2019

„Es ist nicht der Zeitpunkt für Schönspielerei, der Abstiegskampf erfordert andere Werte“

Curslack-Neuengammes Trainer Matthias Wulff im Interview

Au, Backe: Für Matthias Wulff und den SVCN ist die Lage im Tabellenkeller nach dem 1:2 in Meiendorf prekärer geworden. Foto: Bode

Spätestens seit der 1:2-Niederlage gegen den Meiendorfer SV am vergangenen Wochenende muss der SV Curslack-Neuengamme in der Tabelle der Oberliga noch angestrengter nach unten blicken als bisher. Wie schon gegen den SC Condor gelang es den Kickern vom Gramkowweg nicht., sich im Duell mit einem direkten Konkurrenten von den Abstiegsrängen abzusetzen. Am Sonntag hat der SVCN daheim gegen den HEBC die nächste Gelegenheit dazu gegen einen Mitbewerber. Uns verrät Trainer Matthias Wulff im Interview, warum das Match für ihn dennoch noch kein „Alles-oder-Nichts-Spiel ist“, wie die Trainingswoche nach der Meiendorf-Niederlage lief und warum er zuversichtlich ist, dass Curslack am Ende der Saison nicht als Absteiger in die Landesliga dastehen wird. 

Matthias, kommt das Wort „Abstiegskampf“ seit der 1:2-Niederlage am Samstag beim Meiendorfer SV in deinen Gedanken jetzt öfter vor als vorher?

Matthias Wulff: Es ist natürlich so, dass wir im Jahr 2019 einmal gegen Condor die Chance hatten, unten ein bisschen weg zu kommen – das hat nicht geklappt. Das Spiel danach gegen Teutonia klammere ich mal aus. Jetzt gegen Meiendorf wäre erneut die Chance da gewesen, um einige Punkte wegzuziehen. Auch das ist uns nicht gelungen. Insofern müssen wir uns aktuell ganz klar mit dem Abstiegskampf beschäftigen – und mit nichts anderem.

Wie war das in den Tagen nach dem MSV-Spiel: Bist du da mehr als Psychologe statt als Trainer gefordert gewesen?

Wulff: In dieser Woche war es ein bisschen aufwändiger, das muss man schon so sagen. Wir hatten Montag eine längere Besprechung, aber die haben wir grundsätzlich nach jedem Spiel. Dieses Mal war sie  intensiver, um alle auch ein Stück weit wachzurütteln. Spätestens jetzt muss man den Abstiegskampf sehen, auch wenn immer gesagt wird: Die Qualität ist da und wir schaffen das. Ja, das mag so sein, aber darauf darf sich jetzt keiner mehr verlassen. Es kommt jetzt einfach auf andere Tugenden an, die wir an den Tag legen müssen. Ich habe mir am vergangenen Sonntag den HEBC, unseren nächsten Gegner, angeguckt. Bei denen sieht man ganz klar, worauf es ankommt und warum sie so viele Punkte gesammelt haben.

Wo lag der Fokus in den Gesprächen unter der Woche: Zeigt man den Jungs eher knallhart die Fehler auf, die sie gemacht haben, oder baut man sie auf, indem man sie an ihre Stärken erinnert?

„Ich glaube schon, dass bei den Spielern angekommen ist, um was es geht“, sagt Wulff. Foto: Bode

Wulff: Das ist eine Mischung aus beidem. Es geht einerseits natürlich ums Thema „wachrütteln“ und darum, den Jungs ganz deutlich zu sagen, um was es hier gerade geht. Keiner hat sich mehr hinter irgendwelchen grundsätzlichen Qualitäten zu verstecken. Wir müssen gemeinsam in die gleiche Richtung marschieren. Darauf wird es ankommen. Es geht nicht mehr um Einzelschicksale, sondern nur noch ums Team. Zum anderen geht’s aber auch darum, dass wir uns – wie jede Woche – gezielt auf den Gegner vorbereiten. Der HEBC hat sicher nicht nur Stärken. Es ist klar, dass wir gezielt drauf hinarbeiten, wie wir sie schlagen wollen. Ein weiterer Inhalt der Trainingseinheiten war auch, die entsprechende Mentalität herauszukitzeln und am Sonntag eine entsprechende Präsenz zu haben

Stichwort Mentalität: War das der Hauptgrund, warum das Spiel gegen Meiendorf verloren ging?

Wulff: Nein, nicht zwingend. Ich finde, wir haben das die ersten 65 oder 70 Minuten von der Einstellung und Mentalität her sehr gut gemacht. Es war dann aber schon so, dass dann mit dem Rückschlag durch das 1:1, das aus dem Nichts kam, unser ganzes Mannschaftsgefüge ins Stocken geraten ist und wir nicht mehr zurückgekommen sind. Es war nicht so, dass Meiendorf spielbestimmend war und sich riesige Chancen herausgespielt hat. Aber, und darüber haben wir offen gesprochen: Wenn man 70 Minuten lang die bessere Mannschaft ist und dann einen Rückschlag erlebt, ist das eigentlich kein Grund, zu sagen, dass nichts mehr geht. Es ging in der Woche darum, dass wir bei so was vom Ganzen her gefestigter werden müssen. Solche Rückschläge muss man einfach auch mal abhaken und wieder gemeinsam vorangehen.

Man konnte im Meiendorf-Spiel schon den Eindruck gewinnen, die Mannschaft hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Teilst du diese Sicht der Dinge?

Wulff: Ich glaube schon, dass bei allen Spielern angekommen ist, um was es geht. Spätestens jetzt. Bei einigen ist das schon länger angekommen, aber jetzt auch beim letzten. Wir können uns nicht auf Grund-Qualitäten, die sicherlich da sind und die wir in dieser Saison auch schon gezeigt haben, verlassen. Wir müssen die Situation jetzt verdammt ernst nehmen und uns zu 100 Prozent darauf fokussieren.

Ist die Mannschaft überhaupt gewappnet für den Abstiegskampf? Kann sie das?

Wulff: Das ist eine berechtigte Frage. Ich glaube, dass wir genügend Charaktere im Team haben, die das im Spiel transportieren werden. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um in Schönspielerei zu verfallen. Es geht nicht mehr darum, den schönsten Spielaufbau oder die schönste Spielphilosophie darzulegen. Der Abstiegskampf erfordert andere Werte. Das haben wir in dieser Woche deutlich gemacht.

Wie wichtig ist das Spiel gegen den HEBC? Man spricht ja gerne von „Alles-oder-Nichts-Spielen“. Ist das schon eines?

Die Begegnung gegen den HEBC ist für Wulff eine bedeutsame Parte, aber noch kein „Alles-oder-Nichts-Spielen“, wie er betont. Foto: Bode

Wulff: Es ist der dritte Versuch, sich gegen einen Mitkonkurrenten Punkte zu sichern und abzusetzen. Natürlich ist das eine enorm wichtige Partie für uns, um die Kurve zu kriegen. Am Ende sind danach immer noch zehn Begegnungen zu spielen, also fast ein Drittel der Saison. Auch im „Worst case“, dass wir dieses Spiel verlieren sollten, werden wir danach nicht auf einem Abstiegsplatz stehen. Also muss man schon ehrlich sagen: Da ist kein „Alles-oder-Nichts-Spiel“, aber wir sind uns der Bedeutung dieses Spiels schon sehr bewusst.

Was macht dich zuversichtlich, dass ihr nicht mehr ganz unten rein rutscht? Der Vorsprung auf Condor, die auf dem ersten Abstiegsplatz stehen, beträgt auch nur fünf Punkte. Das ist kein Vorsprung, der einen allzu sicher werden lassen sollte...

Wulff: Richtig, auf keinen Fall. Man darf auch Wedel noch nicht komplett abschreiben. Die haben im Vergleich zu Condor ein etwas leichteres Restprogramm. Was mich zuversichtlich macht, ist, dass ich in den letzten Trainingseinheiten und auch in den Gesprächen festgestellt habe, dass jeder bereit ist, alles beiseite zu legen, sich voll auf diese Aufgabe zu konzentrieren und sie anzunehmen. Das wird aber beim HEBC als Gegner am Sonntag genauso sein, da muss man sich nichts vormachen. Die haben nicht die besten Fußballer der Oberliga in ihren Reihen, aber sie sind absolute Mentalitäts-Monster. Der Auftritt gegen BU war schon beeindruckend.

Gesetzt den Fall, der SVCN steigt ab: Musst du dir als Trainer dann eingestehen, dass die Fußstapfen von Torsten Henke für dich eine Nummer zu groß waren?

Wulff: Ich weiß nicht, ob das Ganze jetzt mit Torsten in Zusammenhang zu bringen ist. Das sehe ich erstmal nicht so. Es wäre auch falsch, jetzt an so etwas Gedanken zu verschwenden. Das kann man dann analysieren, wenn so ein Fall wirklich eintreten sollte. Aber davon gehe ich nicht aus.

Interview: Jan Knötzsch 

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