07.08.2018

„Es gibt so Tage, wo die Gedanken ein bisschen länger vom Kopf bis zu den Füßen brauchen“

Nach Aufruhr im Vorfeld: Maggio schießt „Dasse“ weiter - Stimmung bleibt angespannt

Vor allem hintenraus machte sich das Hickhack im Vorfeld auch auf dem Platz bemerkbar. Hier sieht Stephan Rahn (Nr. 4) die Gelbe Karte. Foto: Kormanjos

Viele Nettigkeiten wurden auch nach dem Schlusspfiff nicht ausgetauscht: Zwischen Hamm United und der TuS Dassendorf herrschte weiterhin dicke Luft. Zumindest waren die Verantwortlichen der „Geächteten“ noch immer nicht gut auf die Offiziellen des Hamburger Serienmeisters zu sprechen. Der Grund dafür war die „absolut unverständliche und nicht nachzuvollziehende Ansetzung“ des Pokalduells am Dienstagabend, wie HUFC-Präsident Jörn Heinemann beklagte. Eigentlich hatten sich beide Vereine auf einen Spieltermin am Mittwoch geeinigt – doch der Verband und auch der Gegner hatten offenbar auf einmal etwas dagegen, so die Meinung Heinemanns.

Elard Ostermann (li.) gab schon früh taktische Anweisungen - hier an Samuel Louca. Foto: Kormanjos

Uns gegenüber bestätigte Schönteich, dass man sich mit Hamm zunächst auf eine Austragung am Mittwochabend einigte. Aber: „Am Freitagnachmittag bekam ich eine Mail, in der ich sehe, dass die Ansetzung am Dienstagabend ist – und so war es auch noch am Montag. Irgendwann müssen wir auch mal planen. Wir haben einen Trainer, der unter der Woche in Köln seinen Fußballlehrer macht und irgendwann ja auch mal seine Rückfahrt buchen muss. Dementsprechend ist es doch völlig klar, dass wir 24 Stunden vor dem geplanten Anpfiff nicht mehr zustimmen, das Spiel auf Mittwoch zu verlegen.“ Hamm-Coach Sidnei Marschall erklärte nach der Partie: „Ich habe der Truppe gesagt, dass wir damit nichts zu tun haben. Natürlich ist es schade, weil wir Spieler haben, die extra ihre Schichten auf heute verlegt haben und dann nicht mehr tauschen konnten. Nur weil ein Trainer irgendwo aus Köln eingeflogen kommt, wollten sie unbedingt heute spielen.“ Und weiter: „Wir konnten nicht mehr reagieren, meine Spieler waren nicht da. Wichtig ist ja nur, dass der Trainer von denen da war“, so Marschall, der berufsbedingt auf Marcel Schwarck und Simon-Riza Yücel sowie auf den gesperrten Pascal Pietsch verzichten musste, mit leicht ironischem Unterton.

Ostermann: „Wir haben uns von der ersten Minute an schwer getan“

Joe Warmbier (2. v. li.) hat Christian Ayim im Blick. Foto: Kormanjos

Elard Ostermann, der in der kommenden Woche ein Praktikum beim FC St. Pauli beginnt, ließ sich aufgrund der lange Zeit unklaren Ansetzung extra für zwei Tage (Dienstag/Mittwoch) von seinem Fußball-Lehrer-Lehrgang in Köln freistellen, wie er uns verriet. Zu dem Hickhack im Vorfeld sagte er: „Das spielt immer eine Rolle und natürlich ist es ein Thema, ob man nun spielt oder nicht, wenn das irgendwo steht – und wahrscheinlich auch bewusst so gesteuert wurde.“ Hinzu kamen dann auch noch „Rahmenbedingungen, mit denen wir uns arrangieren mussten, dies aber auch getan haben“, womit Ostermann unter anderem auf das Gewicht der Bälle ansprach oder auf den Rasen im Hammer Park, „der zwar top aussieht, nur leider drei Zentimeter zu hoch und stumpf ist.“ Dennoch: Nach den 90 Minuten hatte der TuS-Trainer durchaus lobende Worte für den Landesligisten übrig: „Der Gegner hat wirklich tapfer gekämpft und es gut gemacht, gut gestanden und gut verschoben. Wir haben kein Tempo in unser Spiel reinbekommen.“

Womit wir beim Sportlichen angekommen wären. Die Überraschung blieb vor knapp 300 Besuchern im Hammer Park zwar aus – aber: „Wir haben uns eigentlich von der ersten Minute an schwer getan, obwohl ich glaube, dass Einstellung und Wille gestimmt haben. Aber manchmal hat man eben solche Tage, wo die Gedanken ein bisschen länger vom Kopf bis zu den Füßen brauchen. Und das war eben heute so ein Tag“, brachte Ostermann das Geschehen auf den Punkt. In einem komplett ereignisarmen ersten Durchgang hatte Dassendorf anderthalb Chancen. Die größte Möglichkeit bot sich Mattia Maggio, der auch schon die erste Halbchance hatte, als Sven Möller nach einem Patrin-Fehlpass flankte und Robert Pietruschka in der Mitte wegrutschte. Auf einmal war der einstige HSV-Angreifer blank, scheiterte aber an Samuel Graudenz (26.). „Wir haben die Räume nicht gut besetzt, obwohl sich die uns eigentlich geboten haben“, bemängelte Ostermann, dessen Schützlinge mit mehr Elan aus der Kabine kamen. Hamm einmal zu langsam in der Rückwärtsbewegung. Maggio enteilte im Zentrum Florian Simon und wurde von Mark Hinze in Szene gesetzt. Aus 14 Metern halbrechter Position nagelte er die Kugel ins rechte Kreuzeck zur Favoriten-Führung (49.)! Wenig später spielte Lucas Kauth einen Fehlpass in der Vorwärtsbewegung. Während sich Samuel Louca und Stephan Rahn ein Verbalduell lieferten, schaltete der Hamburger Meister schnell um. Maximilian Dittrich sah am Sechzehner wieder Maggio, der Graudenz diesmal per Flachschuss, der nicht unbedingt hart und platziert war, nicht gut aussehen (59.)!

Drittes „Dasse“-Tor aberkannt, HUFC verkürzt, zwei Mann fliegen

Hatte für lachen: TuS-Doppeltorschütze Mattia Maggio. Foto: KBS-Picture.de

Nachdem Dassendorf in der Folge das Spiel locker über die Zeit schaukeln wollte und das vermeintliche 3:0 durch Sven Möller, der einen 22-Meter-Freistoß direkt verwandelte, bis plötzlich die Fahne des Assistenten hoch ging (wie auch immer das Abseits gewesen sein soll), aberkannt wurde, kam plötzlich doch noch einmal so etwas wie Spannung auf. Denn zunächst handelte sich eben jener Möller nach einem Foul an Raffael Kamalow die Ampelkarte ein (77.), dann verkürzte Stephan Rahn aus ganz spitzem Winkel, als Dimitri Patrin ihn von links am kurzen Pfosten in Szene setzte (82.)! Das Momentum kippte, der Titelverteidiger drohte zumindest in Ansätzen so etwas wie Nervosität zu zeigen. „Das war so“, befand auch Marschall. Doch dann strafte sich Hamm nur wenige Sekunden später selbst ab. Robert Pietruschka leistete seich ein völlig überflüssiges und unnötiges Foulspiel an der Außenlinie. Da er bereits gelbverwarnt war, ging es nun mit Zehn gegen Zehn weiter (84.). „Da muss er ein bisschen schlauer sein. Da passiert nix, das ist weit weg vom Tor. Das muss er wissen, er spielt lang genug Fußball. Aber trotzdem gebe ich ihm jetzt natürlich nicht die Schuld“, so Marschall, der seine Mannschaft in Überzahl gerade „kompakt nach vorne verschieben wollte, damit wir mehr Druck hätten ausüben können.“ Doch daraus wurde nichts.

„Man kann es souveräner zu Ende spielen“, konstatierte Ostermann, fügte aber gleichzeitig an: „Wir haben allerdings auch nichts zugelassen.“ Trotzdem seien nach einem Anschlusstreffer „immer die Gedanken da, dass mal einer reinflutschen kann. Das Gegentor fiel ja auch aus dem Nichts.“ Sein Gegenüber bilanzierte: „Ganz egal mit wem sie spielen, sie sind einfach eine Macht. Wichtig war, dass wir erstmal gut stehen und so lange wie möglich die Null halten. Das war unser Ziel Dass die Tore dann so fallen, ist natürlich extrem schade. Denn in den Situationen waren wir unkonzentriert und standen schlecht. Wir haben den Ball und verlieren ihn. Trotzdem bin ich zufrieden. Wir haben gegen Curslack und Dassendorf zwei geile Spiele gemacht – auch wenn ich mir heute einen anderen Gegner gewünscht hätte.“ Nichtsdestotrotz meinte Marschall auch: „Ein besseres Highlight geht ja nicht. Ich musste keinen Spieler vorher motivieren. Hätte ich das machen müssen, wäre ich am falschen Platz. Dann hätte was nicht gestimmt. Trotz der Niederlage kann ich sagen, dass es immer einen Tick besser wird.“ Und so stand schlussendlich doch nur das Sportliche im Mittelpunkt…

Autor: Dennis Kormanjos

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