18.12.2018

„Es gab Spiele, bei denen hätten wir auch zuhause bleiben können“

Wedel-Trainer Daniel Domingo spricht über die bisherige Saison und seine Position

„Sportlich möchte ich als Trainer lieber den Klassenerhalt schaffen als im Pokalfinale zu stehen“, sagt Wedel-Trainer Daniel Domingo. Foto: KBS-Picture.de

Es war eine Überraschung – und eigentlich hätte man es dann doch wieder auch erwarten können: „Wir fragen uns auch alle, warum wir im Pokal das können, was uns in der Liga nicht gelingt“, sagte Walter Zessin, der Ligachef des Wedeler TSV nach dem Auftritt der Wedeler im ODDSET-Pokal-Achtelfinale beim FC Teutonia 05, den der Gast nach einem 0:2-Rückstand durch drei Treffer binnen fünf Minuten zum 3:2-Sieg drehte. Ein Satz, mit dem Zessin irgendwie den Bogen geschlagen hatte: zwischen dem Wohl und dem Wehe des Wedeler TSV. Zwischen der Oberliga und dem Pokalwettbewerb. In letzterem läuft es für Wedel – wie schon im Jahr zuvor mauserte man sich zum Favoritenschreck. In der Liga hingegen läuft's nicht – zumindest nicht wirklich rund. 

„Wenn ich meinen Sohn Thorsten (Wedels Teammanager, Anm. d. Red.) darauf anspreche, reagiert er ziemlich niedergeschlagen“, berichtete Walter Zessin jüngst, als es um das komplette Abschneiden der Wedeler ging. Im gesamten Kalenderjahr 2018 – so berichtete zuletzt das „Hamburger Abendblatt“ – hat der Club aus dem Elbestadion lediglich drei Partien gewonnen. Es wundert also wenig, dass Daniel Domingo mit Blick auf das Pokalspiel an der Kreuzkirche, bei dem der Coach nicht persönlich vor Ort sein konnte, selbiges als „versöhnlichen Jahresabschluss“ betitelt: „Darauf hatten wir hingearbeitet. Der Pokal ist nochmal wieder ein anderer Wettbewerb als die Meisterschaft – einer einer mit eigenen Gesetzen und Geschichten. Da hat der Underdog immer auch eine Chance. Klar war Teutonia die bessere Mannschaft, aber die haben einfach nicht damit gerechnet, dass wir nochmal zurückkommen“, gibt  der Coach zu Protokoll.

„Sportlich möchte ich als Trainer lieber den Klassenerhalt schaffen als im Pokalfinale zu stehen“

Was bringt die Zukunft für Daniel Domingo, seinen Co-Trainer Holger Weinsheimer und Torwart-Trainer Jürgen Stars (v. li.)? Foto: KBS-Picture.de

Warme Worte des Übungsleiters, der gemeinsam mit seiner Mannschaft dem Wedeler Anhang allerdings sonst nur selten warm ums Herz werden ließ. Elf Punkte aus 20 Spielen holte das Team in dieser Saison, erzielte dabei klägliche 19 Treffer, kassierte aber 45 Gegentore. Macht unterm Strich den 17. Platz in der Tabelle – ein Abstiegsrang. „Wenn man das Programm sieht, bin ich gescheitert. Dazu stehe ich als Trainer. Ich mache mir viele Gedanken. Es muss jetzt etwas passieren – entweder von mir oder vom Verein. Ich habe Angst, abzusteigen. Ich habe einige Sachen falsch gemacht, aber auch die Spieler sind in der Pflicht. Dieser Verein darf nicht runter“, hatte Domingo nach der 0:2-Niederlage seiner Equipe gegen den SV Curslack-Neuengamme am 17- November erklärt. Ein erster Anflug von Resignation?

Vielleicht – aber nicht zum ersten Mal. „Nach dem Süderelbe-Spiel (am 14. Oktober verlor Wedel 0:3 gegen den FCS, Anm. d. Red.) waren Gedanken in diese Richtung da – und sie waren groß: Macht das Sinn, wenn ich weitermache? Erreiche ich die Mannschaft noch?“, berichtet Domingo und erklärt dann, warum er immer noch im Sattel sitzt: „Die Spieler haben gesagt: Es liegt nicht am Trainer, sondern es sind andere Sachen. Dinge, die bei uns in den Köpfen sind und die wir ändern müssen. Ich wollte das angeschlagene Schiff nicht verlassen. Es wäre zu diesem Zeitpunkt nicht schön gewesen, die Mannschaft und den Verein allein zu lassen.“ Definitive Klarheit, dass der 42-Jährige auch in den noch ausstehenden Spielen der Saison 2018/2019 nach der Winterpause noch auf der Bank sitzen wird, gibt es aber nicht: „Da ist noch keine Entscheidung gefallen“, verdeutlicht Domingo.

„Wenn der Verein einen anderen Weg gegen will, dann werde ich nicht im Weg stehen“

Hängende Köpfe bei Domingo und seinen Spielern Enzo Simon, Christian Dirksen, Dominik Mahnke und Kjell Ellerbrock (v. li.). Foto: KBS-Picture.de

Angedacht sei, dass man sich in dieser Woche zusammensetzen und darüber sprechen will, „ob wir gemeinsam in die restlichen Spiele der Rückrunde gehen“, so Domingo, der aus seiner Warte klarstellt: „Wenn der Verein einen anderen Weg gehen möchte, dann werde ich nicht im Weg stehen. Der Verein steht über dem Trainer, es darf nicht mein persönliches Befinden im Vordergrund sein.“ Unabhängig wie der Verein entscheide, werde er dem Wedeler TSV „nicht böse sein. Ich gebe meine Kraft und meinen Ehrgeiz bis zum Schluss und bin bereit, weiterzumachen. Es ist ja nicht so, dass ich keinen Spaß mehr an der Aufgabe habe. Ich lasse das Ganze nicht schleifen oder verwalte es nur noch“, sagt der Coach und stellt fest: „Mir geht’s auch überhaupt nicht ums Geld. Wenn der Verein sagt, dass wir nicht weiter zusammenarbeiten, lösen wir den Vertrag komplett auf und ich erwarte keinen Cent mehr. Ich bin den Leuten wie Walter und Thorsten Zessin sowie Frank Ockens (Manager, Anm. d. Red.) ja auch zu Dank verpflichtet, was sie mir hier ermöglicht haben.“

Die Zeit und das Ergebnisse, die er als Coach in der Hinrunde zu verantworten hat, beurteilt der Übungsleiter realistisch: „Ich will nicht sagen, dass wir zu unrecht da unten drin stehen. Aber wir hatten in der Hinrunde viele Spiele, in denen wir gut gespielt haben, uns aber nicht belohnt haben. Es gab allerdings auch Spiele, bei denen hätten wir auch direkt zuhause bleiben können“, resümiert Domingo und ergänzt: „Die Mannschaft hat sich vor dem Teutonia-Spiel gesagt: Wir spielen für den Trainer, wir wollen auch weiterhin zusammenarbeiten. Dann haben sie Lust und Leidenschaft gezeigt und sich belohnt.“ Klar: „Das Weiterkommen ist für den Verein sehr gut“, weiß Domingo, gibt aber offen zu: „Ich als Trainer hätte natürlich lieber gerne zehn Punkte mehr in der Liga. Im Pokal kannst du ins Finale kommen, aber eben auch zeitgleich absteigen – das hat man ja bei der SV Halstenbek-Rellingen gesehen. Sportlich gesehen möchte ich als Trainer lieber den Klassenerhalt schaffen als im Pokalfinale zu stehen.“ Ob er weiter versuchen darf, das Unterfangen zu realisieren? „Das müssen wir abwarten..,“, so Domingo abschließend.

Jan Knötzsch  

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