Landesliga Hansa

„Es gab nichts Geileres, als bei Nieselregen und Flutlicht die Drei-Meter-Grätsche auszupacken!“

21. Januar 2021, 14:29 Uhr

Seine komplette fußballerische Laufbahn hat Phillip Lang bisher beim FC Voran Ohe verbracht - im Sommer endet das Kapitel. Foto: Bode

Sein Name stand in den vergangenen zwölf Jahren wie kaum ein anderer für den FC Voran Ohe: Nach dem Sprung aus der Jugend etablierte sich Phillip Lang bei den „Amselstieglern“ und blieb dem Verein bis heute treu. Doch im Sommer geht eine kleine Ära zu Ende. Denn der 29-Jährige wird den Reinbekern den Rücken kehren und seinem ebenfalls scheidenden Trainern sowie seinen Mitspielern Jens Schenkenberg, Fabian Stritzke und Philipp Fischer zum Kreisligisten TuS Aumühle folgen. Zudem greift Lang künftig in einer anderen Sportart an – und das sogar in der Bundesliga. Wir haben mit ihm über seine Zeit beim FCVO, seine zweite Leidenschaft, die Beziehung zu Rainer Seibert, den Wechsel und noch einige weitere Dinge gesprochen…

FussiFreunde: Nach fast zwölf Jahren beim FC Voran Ohe – von der Jugend bis hin zum gestandenen Herrenspieler – folgt im Sommer der Abschied. Warum?

Nach den Spielen der Oher war Lang (re.) stets ein gefragter Interview-Partner. Foto: Bode

Phillip Lang: „Bei mir persönlich hat es den Grund, dass ich dieses Jahr 30 werde und wir beim Tennis mit den ‚Herren 30‘ in der 1. Bundesliga spielen und ich mich dafür vorbereiten möchte. Da wir Fußballtraining immer montags und mittwochs haben und das Tennistraining an den gleichen Tagen ist, musste ich mich entscheiden – und meine Wahl fiel dann auf Tennis.“

Hat dein Weggang auch etwas mit der Person Rainer Seibert zu tun und wie bewertest du dessen „Ende“ in Ohe?

Lang: „Einen Anteil hatte es, dass Rainer aufhört. Er hatte immer Verständnis für mein Tennis und ich wurde nicht aussortiert, auch wenn ich mal eine Woche nicht zum Training konnte. Diese Freiheiten hat man tendenziell selten bei anderen Trainern. Deswegen war es auch ein Grund, in Ohe aufzuhören, wenn Rainer geht. Wenn die Verantwortlichen einen neuen Input geben und ein neues Trainerteam aufbauen wollen, dann ist es deren gutes Recht. Ich fand es zum Anfang zwar blöd, dass sowas über ‚WhatsApp‘ verkündet wurde, aber wie sollte man es sonst machen in Corona-Zeiten?! Ich bin froh, dass Rainer mit uns den Weg nach Aumühle geht und es wird sicherlich eine gute Zeit werden.“

In der Pressemitteilung des Vereins war davon die Rede, dass du fortan nicht mehr dem Lederball, sondern der gelben Filzkugel hinterherjagen und in der Tennis-Bundesliga an den Start gehen wirst. Du hast ja auch schon ein paar Worte dazu verloren... Aber wie kommt es überhaupt dazu?

Phillip Lang (re.) im Kampf um den Ball gegen Niklas Reimers vom SVNA. Foto: Bode

Lang: „Tennis spiele ich schon mein Leben lang. Wir spielen zurzeit mit den Herren in der Nordliga! Da unsere ‚Herren 30‘ im letzten Sommer den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat und ich dieses Jahr 30 Jahre alt werde, bin ich berechtigt, auch in der ‚Herren 30 Bundesliga‘ zu spielen.“

Welche Ziele verfolgst du im Tennis? Die Landesliga hast du mit dem Start in der Bundesliga ja schon mal deutlich hinter dir gelassen...

Lang: „Früher habe ich jedes Wochenende Turniere gespielt und wollte Profi werden. Mittlerweile ist es ähnlich wie beim Fußball: eine geile Mannschaft zu haben, die aus geilen Typen besteht, mit denen man Spaß haben kann. Und wenn wir dann noch so gute Spieler sind, dass es für die Bundesliga reicht, ist es natürlich umso besser. Ziel ist es, irgendwie die Bundesliga zu halten.“

Dennoch wirst du auch weiter gegen den „Lederball“ treten – und zwar für Kreisligist TuS Aumühle. Was hat den Ausschlag gegeben, dorthin zu gehen?

Lang: „Schenkenberg, Stritzke und ich wollten trotzdem weiter zusammen kicken und wir haben uns in der Umgebung umgeguckt. Mein Bruder ist Kapitän in Aumühle und daher war das natürlich die erste Anlaufstelle. Er hat es geschafft, uns den TuS schmackhaft zu machen – und damit meine ich nicht das Finanzielle. Als wir dann noch Rainer mit unterbringen konnten, war alles klar!“

Du hast es bereits erwähnt: Nicht nur der Trainer, sondern auch drei Mitspieler aus Ohe heuern ebenfalls in Aumühle an. Was ist dort möglich – und wie lautet die Zielsetzung?

Linksfuß Lang (re.) kickt künftig nicht nur in der Kreisliga für Aumühle, sondern greift auch in der Tennis-Bundesliga an. Foto: Bode

Lang: „Ich denke, wir werden noch den einen oder anderen Transfer tätigen. Rainer würde, wie zu Oher Zeiten, sagen: ‚Erstmal die Klasse halten.‘ (lacht) Nein, ernsthaft: Ich glaube, dass wir eine super Truppe zusammen kriegen und um den Aufstieg mitspielen werden.“

Abschließend müssen wir natürlich nochmal auf deine Oher Zeit zurückblicken. Zwölf Jahre für einen Verein – das ist ja schon etwas ganz Besonderes. Wie sehr wirst du den Verein, die Menschen, aber auch die ganze Anlage, die ja fast dein zweites zu Hause war, vermissen?

Lang: „Puuuh, wie fange ich da an?! Ich denke, so einen Verein wie Ohe gibt es kein zweites Mal in Hamburg! Wir haben es in all den Jahren ohne die ganz großen finanziellen Mittel immer geschafft, eine Top-Mannschaft zu haben. Wir waren von den Einzelspielern her nie die besten, aber die Kameradschaft und der Bock aufs Gewinnen, weil die Feier im Anschluss umso geiler ist, haben uns meist ins obere Drittel der Tabelle geführt. Drumherum gibt es viele feine Menschen und man kennt jeden mit Vornamen. Deswegen stimmt auch die Aussage: ‚Ohe ist wie eine Familie.‘ Man hat immer gemerkt, dass in Ohe bei neuen Spielern zuerst auf den Charakter geguckt wird und dann aufs Sportliche. Ich denke, ich werde Ohe schon sehr vermissen – ich habe ja noch nie den Verein gewechselt. Die meisten Leute kenne ich auch schon länger als zwölf Jahre und sind inzwischen gute Freunde. Den Rasenplatz in Ohe werde ich fast am meisten vermissen. Es gab nichts Geileres, als bei Nieselregen und Flutlicht die Drei-Meter-Grätsche auszupacken. Insgesamt war es eine unfassbare Zeit mit geilen Typen.“

Letzte Frage: Welchen sportlichen Erfolg wirst du stets in ganz besonderer Erinnerung behalten?

"Ohe ist wie eine Familie", betont Lang, der im Sommer "auszieht", mit seinem Bruder sowie Coach Seibert und drei Oher Teamkollegen in Aumühle ein neues Kapitel aufschlägt. Foto: Bode

Lang: „Eine besondere sportliche Erinnerung habe ich gar nicht so wirklich. Wenn überhaupt, dann in der Saison vor drei Jahren, als wir zehn Spiele am Stück gewonnen haben. Viel mehr sind es einfach die Erinnerungen nach den Spielen, wenn das Bier von der Decke tropft und man bis früh in die Morgenstunden gefeiert hat. Dieser Zusammenhalt ist eigentlich das, was besonders in Erinnerung bleibt.“

Autor: Dennis Kormanjos

Kommentieren