Oberliga

Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui - Spiewak: „Der Knoten ist geplatzt. Jetzt geht’s los!“

Bramfeld kassiert gegen Curslack „ganz bittere“ Niederlage

13. September 2019, 23:38 Uhr

Heißer Kampf um den Ball: Curslacks Witalij Wilhelm (li.) duelliert sich mit Bramfelds Lennard Bahn. Foto: Kruber/BSV

„In dieser Liga ist es einfach so: Wenn man nur 1:0 führt, dann kann das passieren, was in der zweiten Halbzeit passiert ist“, musste Carsten Henning ernüchtert feststellen. Während sein Trainer-Kompagnon Mirko Schulz rätselte: „Wir haben vier, fünf richtig gute Chancen in einer Halbzeit. Warum kriegen wir es nicht hin, dann einfach mal 3:0 zu führen und den Deckel draufzumachen?!“ Denn: „Curslack war in der ersten Halbzeit, bis auf das Ergebnis, tot. Nahezu jeder andere Oberligist hätte da 3:0 geführt.“ Doch der Bramfelder SV konnte die Überlegenheit nur in einen Torerfolg ummünzen – und stand am Ende mit leeren Händen da (alle Highlights im LIVE-Ticker). Mal wieder. „Das ist ganz bitter“, urteilte Schulz.

Cedric Stoppel (li.) bereitete den Bramfelder Führungstreffer mustergültig vor. Foto: Kruber/BSV

Sebastian Spiewak hatte gut lachen. Offenbarte die Defensive des SVCN im ersten Durchgang noch erhebliche Lücken und schien phasenweise offen wie ein Scheunentor sowie erheblich anfällig, avancierte der „Abwehrchef“ mit seinem „Brustlöser“ im Endeffekt zu einem der Matchwinner für sein Team. „Selbstverständlich mit meinem starken linken Fuß“, entgegnete er auf Nachfrage, mit welchem Körperteil er den Ball – nach einer Ecke des in der ersten Hälfte noch indisponierten Witalij Wilhelm – denn unmittelbar nach Wiederanpfiff zum 1:1 über die Linie gedrückt habe, ehe er mit einem Schmunzeln anfügte: „Den habe ich in meinem Leben noch nie so gemacht.“ Dass Spiewaks Laune nach den 90 Minuten derart gut sein würde, war im ersten Abschnitt noch in kleinster Weise abzusehen. „Wir hatten Glück, dass es zur Halbzeit nur 0:1 stand“, gestand er – und verriet: „Der Trainer hat uns in der Pause gesagt, dass es einzig und allein daran liegt, dass wir den Kampf, den Bramfeld auf dem Platz gezeigt hat, auf- und annehmen müssen.“ Seinen „Deichkickern“ fehlte es zudem an „Ideen“, wie Spiewak meinte. „Wir sind relativ cool geblieben und haben uns als Mannschaft eingeschworen, dass wir das Spiel unbedingt noch drehen wollen.“

„Haben uns für den betriebenen Aufwand nicht ausreichend belohnt“

Hamed Mokhlis (li.), der mit dem 3:1 die Vorentscheidung herbeiführte, im „Infight“ mit Yassin Zabihi. Foto: Kruber/BSV

Sein Trainer gab anschließend zu, dass er schon während der ersten 45 Minuten mit dem Gedanken spielte, entweder das System oder gar personell zu wechseln. Die Dreierkette – vor allem Yanneck Schlufter als linker Innenverteidiger – wirkte extrem löchrig und instabil. „Bramfeld ist über jeden Zweikampf ein Stück gewachsen, wir sind über jeden Fehlpass ein Stück geschrumpft und haben uns teilweise untereinander Vorwürfe gemacht, was dann auch nicht zielführend ist“, so Matthias Wulff, der sich glücklich schätzen konnte, dass die Hausherren nur eine ihrer Möglichkeiten zu nutzen wussten. Justin Sadownik veredelte einen blitzsauberen Angriff über den starken Robin Polzin und Cedric Stoppel zum bereits überfälligen 1:0 (29.). „Wir haben mit unsere beste Halbzeit gespielt, uns richtig viele Chancen herausgespielt und waren im Umschaltspiel – sowohl offensiv wie auch defensiv – richtig gut und in der Offensive immer brandgefährlich“, befand Henning. Einziges Manko: „Wir waren im letzten Drittel und in der Box nicht effektiv genug und haben uns für den Aufwand, den wir betrieben haben, nicht ausreichend belohnt.“

Henning: „Da guckst du dich draußen an und fragst dich, was hier los ist“

Die Folge war das, was Henning eingangs bereits ansprach. Erst stocherte Spiewak das Leder direkt nach der Pause zum Ausgleich in die Maschen (47.). Dann gab BSV-Keeper Victor Medaiyese, der bereits beim Eckball vor dem 1:1 nicht energisch genug rauskam, eine ganz unglückliche Figur ab, als er eine harmlos anmutende Flanke von Florian Rogge, die sich zu einem halben Torschuss entwickelte, fallen ließ. Goalgetter Marco Schubring wurschtelte das Spielgerät irgendwie über die Linie (57.). Und schließlich krönte Hamed Mokhlis – nach erneuter Rogge-Vorarbeit – die Anfangs-Viertelstunde der Gäste im zweiten Durchgang mit Hilfe des Innenpfostens zum 3:1 (63.). „Die ersten zwei Tore waren nicht mal Torschüsse, sondern Geschenke. Danach haben wir den Kopf nicht mehr aus der Schlinge bekommen“, konstatierte Henning, ehe er anfügte: „Ich glaube, das 3:1 für Curslack war deren zweiter Torschuss. Da guckst du dich draußen an und fragst dich schon, was hier eigentlich los ist.“ Dem pflichtete Schulz bei: „Curslack schießt viermal aufs Tor und macht drei Tore – wobei man das zweite nicht mal dazuzählen kann.“ Aber: „Danach kommen wir gar nicht mehr ins Spiel, haben keinen Zugriff mehr in den Zweikämpfen, spielen nicht mehr die Bälle, die wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, und sind nicht mehr effektiv nach vorne. Wir hätten unser Spiel weiter durchziehen müssen“, so Henning.

Spiewak: „Der Knoten ist geplatzt. Jetzt geht’s los!“

Raoul Bouveron (re.) strahlte viel Gefahr aus - ein Torerfolg war ihm aber nicht vergönnt. Foto: Kruber/BSV

Doch der BSV verlor nach dem 1:1 komplett den Faden. „Mir kam es so vor, als wenn sie sich nach dem 1:1 oder spätestens nach dem 1:2 ergeben haben“, so Spiewaks Wahrnehmung auf dem Platz. „Wir haben mehr Entschlossenheit an den Tag gelegt und von 100 Zweikämpfen wahrscheinlich 99 gewonnen.“ Coach Wulff sprang hinterher in dieselbe Kerbe: „In der ersten Halbzeit hat Bramfeld wahrscheinlich 80 Prozent der Zweikämpfe gewonnen – in der zweiten Halbzeit waren wir es. Das habe ich den Jungs auch gesagt: Wenn wir diesen Kampf und die Zweikämpfe entsprechend annehmen, dann haben wir mehr spielerische Qualität, um uns durchzusetzen.“ Allerdings gab der SVCN-Dompteur auch ehrlich zu: „Natürlich haben wir das entsprechende Glück, dass man direkt mit der ersten Ecke nach der Pause den Ausgleich schießt. Das hat dem Ganzen ordentlich auf die Sprünge geholfen.“ Und so konnte er nach der Partie auch noch ein Sonderlob verteilen: „Normalerweise hebe ich keine einzelnen Spieler hervor. In diesem Fall waren es aber ‚Gökhi’ (Gökhan Iscan; Anm. d. Red.) und Flo (Rogge), die das für mich im Zentrum perfekt gemacht haben. Sie waren richtig eklig in jedem einzelnen Zweikampf – das hat uns extrem geholfen und Auftrieb gegeben.“ So sehr, dass Abwehr-Boss Spiewak nach dem hart erkämpften „Dreier“ schon wieder forsche Töne anstimmte: „Der Knoten ist geplatzt. Jetzt geht’s los!“ Zunächst einmal wartet jedoch eine kleine Belohnung vom Trainer auf die Mannschaft: „Ich habe den Jungs versprochen, dass wir am Montag wegen des Derbys freimachen, wenn wir das Spiel gewinnen – egal wie. Von daher haben sie sich den Tag doch noch verdient.“

Autor: Dennis Kormanjos

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