BZ Nord

Erst Slapstick, dann Fairplay: Falke „verschenkt“ ein Tor – und siegt

„Das ist auch das, was unseren Sport auszeichnet“

19. August 2019, 16:53 Uhr

Der HFC Falke behielt in einem temporeichen, turbulenten und von Slapstick-Aktionen sowie einer großen Fairplay-Geste geprägten Spiel gegen Poppenbüttel mit 3:2 die Oberhand. Foto: Klaas Dierks

Es war ein Fußballspiel, das all das verkörperte und zu bieten hatte, was den Amateursport ausmacht – und am Ende eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hatte: Es lief die 85. Spielminute am Steinwiesenweg, als Poppenbüttels Malte Findeisen über rechts durchbrach und den Ball scharf nach innen spielte. Dort lauerte SCP-Torjäger Torben Lindholm, der zum Ball ging, dabei aber Falke-Fänger Marco Wendt unglücklich und unbeabsichtigt am Kopf traf. Das Leder rollte parallel zur Torlinie in Richtung Eckfahne durch, wo sich die Gäste das Spielgerät sicherten, ehe Referee Tobias Fuchs die Partie unterbrach, damit Wendt behandelt werden konnte. Als der HFC-Fänger signalisierte, dass es für ihn weitergehen würde, kam es zu dem großen Aufreger des Spiels…

Marco Rohde war der Akteur, der Penschow nach dem Schiedsrichterball anlief und damit für Unmut beim SCP sorgte. Foto: Klaas Dierks

Die Begegnung wurde mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt. Der HFC spielte die Kugel – in Fairplay-Manier – weit in Richtung Poppenbütteler Hälfte, wo Marco Rohde dem Spielgerät hinterher eilte, was zu ersten Unmutsbekundungen der Gäste führte. SCP-Verteidiger Jonny Penschow ließ sich davon offenbar so sehr irritieren, dass er die Annahme verstolperte und beim Versuch, unter Bedrängnis auf Keeper Jan Haerting zurückzuspielen, eine Bogenlampe produzierte, die sich über den Schlussmann hinweg ins eigene Gehäuse senkte. 3:1 für Falke! Verhaltener Jubel bei den „Hellmännern“, Proteste auf Seiten des SCP. Benjamin Baarz marschierte daraufhin zu Trainer Dirk Hellmann raus. Es folgte ein kurzer Austausch, ehe die Entscheidung getroffen wurde: „Wir lassen sie beim Anstoß durchlaufen und das 3:2 erzielen“, verriet Hellmann hinterher. Und so durfte Lindholm ohne Gegenwehr den Anschlusstreffer erzielen.

"Ich bin mega stolz, dass wir alle so entschieden haben"

Jan Haerting hielt sein Team lange mit starken Paraden im Spiel. Foto: Stefanie Balle

Die Situation an sich nahm der Falke-Coach wie folgt wahr: „Ich kann verstehen, dass sie sich darüber echauffiert haben. Das hätten wir wahrscheinlich auf unserer Seite genau so gemacht, wenn ein Spieler angelaufen wäre. Aber es war jetzt auch keine 100-prozentige Aktion, die zwingend nach sich zieht, dass man denen ein Tor schenkt“, befand er, stellte aber zugleich klar: „Ich bin mega stolz, dass wir alle das so entschieden haben. Es war die richtige Entscheidung und am Ende ist es auch das, was unseren Sport auszeichnet. Dass es dann beim 3:2 geblieben ist, ist einerseits aufgrund der Mehrzahl an Chancen und andererseits aufgrund der Fairplay-Aktion, die mit absoluter Sicherheit nicht jeder so handhabt, verdient.“ In der restlichen Spielzeit „flogen nochmal ein, zwei hohe Bälle“ in den Hausherren-Strafraum, „die wir aber alle gut wegverteidigt haben“, so Hellmann.

HFC gibt Führung aus der Hand

Von Beginn an entwickelte sich am Steinwiesenweg ein überaus flotter Kick – mit den besseren Chancen für Falke. Doch SCP-Keeper Jan Haerting verhinderte sowohl gegen Alexander Briegert (2.) als auch gegen Shahin Taheri (20.) den Rückstand. Da auch Marco Wendt seinen Kasten gegen den nicht minder freistehenden Malte Findeisen (3.) sauber hielt, dauerte es bis zur 27. Minute, als ein entscheidend abgefälschter Schuss von Taheri nicht im langen, sondern im kurzen Eck einschlug – 1:0! Kurz darauf zielte Lindholm knapp am Knick vorbei, ehe Wendt mit einem Abschlag nicht Mitspieler Taheri, sondern nur die Füße eines Gegners fand. Falke war hinten noch unsortiert und verlor Findeisen aus den Augen. Dieser verzögerte noch zweimal und schob dann ganz überlegt mit der Innenseite zum Ausgleich ein – stark gemacht (34.).

Sensations-Safe und Slapstick-Eigentor

Torben Lindholm durfte ohne Gegenwehr mit dem Ball ins gegnerische Tor spazieren. Foto: Stefanie Balle

Während der HFC haderte, dass man den Gang in die Kabinen aufgrund der Möglichkeiten in der ersten halben Stunde nicht mit einer Führung im Rücken antrat, half Poppenbüttel beim im zweiten Abschnitt folgenden 2:1 wieder kräftig mit: Manuel Henkel mit der guten Seitenverlagerung aus dem Zentrum auf Briegert, der auf rechts Penschow stehen ließ und in der Mitte Finn Hanke bediente. Dieser scheiterte aus drei Metern am unfassbaren und kaum möglichen „Safe“ von Haerting, der den hoch geschossenen Ball noch irgendwie mit dem Arm parierte. Doch letztlich war die „Parade des Jahres“ für die Katz, da der Abpraller auf der Brust von Florian Kurzberg landete und von dort in die Maschen hoppelte. Slapstick pur! Der Rest des Spiels ist Geschichte…

Autor: Dennis Kormanjos

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