LL Hammonia

Erst mit „PS“, dann „irgendwie“ - „Derbyheld“ Rinckens lässt sie alle verstummen!

07. Dezember 2019, 01:05 Uhr

Avancierte mal wieder zum Matchwinner und zum „Derbyhelden“ für seinen HEBC: Torjäger Janosch Rinckens. Foto: Screenshot

Während Tjorven Köhler auf dem Arm eines seiner Mitspielers die Faust vor Freude ballte und gen „ETV-Block“ auf dem Rasenhügel hinter der Trainerbank jubelte, hatte auch Janosch Rinckens mal wieder gut lachen. Ein Teamkollege nach dem anderen fiel dem Torjäger des HEBC um den Hals. Hier ein Spruch, da ein Späßchen – doch dann folgte bei nasskalten Temperaturen am Lokstedter Steindamm die Erkenntnis: „Irgendwie gehen sie immer rein“, scherzte „Joschi“, der wenige Augenblicke zuvor mal wieder zum Matchwinner für seine Lila-Weißen avancierte – und das nicht in irgendeinem Spiel, sondern in DEM Spiel der Spiele aus Eimsbütteler Sicht (alle Highlights im LIVE-Ticker).

HEBC-Führungsschütze Ole Natusch (li.) musste kurz nach der Pause angeschlagen raus. Foto: Kormanjos

Rinckens‘ sportlicher Arbeitstag: Ein herausgeholter Strafstoß – nachdem er zuvor tief in der eigenen Hälfte zu einem famosen Solo an der Seitenauslinie ansetzte, zwei Gegenspieler wie lästige Fliegen stehen ließ und von Kevin-Mervyn Houndjame nur durch ein Foulspiel zu stoppen war, so dass Ole Natusch, der zunächst an Anton Matthäi scheiterte, den Tabellenführer im Elfmeter-Nachschuss in Führung bringen konnte (20.) – und der Siegtreffer sieben Zeigerumdrehungen vor Ultimo. Ganz nach dem Motto: „Irgendwie gehen sie immer rein.“ Denn so recht wusste auch Rinckens wohl nicht, wie er das Runde letztendlich ins Eckige bekam, als er nach einem langen Abschlag von Patrick Meins, den „Youngster“ Nick Levin Knüppel direkt weiterleitete, im ersten Anlauf noch an Matthäi hängen blieb. Doch im Nachsetzen beförderte er die Kugel fast von der Grundlinie doch noch irgendwie in die Maschen. Anschließend gab es kein Halten mehr und der Jubel beim HEBC kannte keine Grenzen mehr! „Wir sind hinten eigentlich richtig stark, haben aber halt nicht so oft einen solchen Stürmer gegen uns. Das muss man ganz einfach sagen“, erkannte auch ETV-Coach Dennis Mitteregger neidlos an. „Er hat das mal wieder Weltklasse gemacht und seine PS auf den Platz bekommen. In einigen Situationen war ich unzufrieden, aber er entscheidet das Spiel. Also muss man als Trainer auch mal die Klappe halten“, witzelte derweil Özden Kocadal. Was Rinckens selbst im Nachgang zu sagen hatte, sehr Ihr im Video!


Jon Pauli (2. v. re.) sorgte nach seiner Einwechslung für mächtig Belebung im Offensivspiel des ETV. Foto: Kormanjos

Özden Kocadal hielt sich nach dem Derby-Triumph seiner Mannen an die Redewendung: „Ehrlichkeit währt am längsten.“ Denn als der Erfolgscoach des Winter-Meisters die anwesende Presse auf sich zukommen sah, entgegnete er nur: „Jetzt muss ich mir ja was Witziges einfallen lassen, aber mir fällt gar nichts ein“, ehe ihm nach kurzer Überlegung ein Locht aufging: „Doch: Wir haben gewonnen!“ Was Kocadal damit meinte? „Wer sich das Spiel angeguckt hat, hat gesehen, dass der ETV ganz klar dominiert hat. Wir haben keine Lösungen gegen ihre Spielstärke gefunden – außer uns etwas tiefer zu stellen“, gestand er ganz offen. „In den ersten 20, 30 Minuten haben wir es mit Anlaufen versucht. Zehn Minuten lang lief es auch ganz gut, aber ab da hatte der ETV 80 Minuten lang sehr viel Ballbesitz und hat sich zahlreiche Chancen herausgespielt. Das muss man einfach auch mal ehrlich eingestehen.“ Zwar konnte Emre Cem Töremis nach einem herrlichen Zuspiel des starken Jasper Hölscher den Rückstand prompt egalisieren (26.), doch in der Folge versemmelten die Hausherren unzählige Tormöglichkeiten. Idrissa Sambou (29.), Houndjame (39.) und Samuel Olayisoye (69.) jeweils per Kopf (39.), Töremis mit einer Flanke, die am Pfosten landete (42.), Hölscher mit einem Schlenzer, der knapp am langen Eck vorbei ging (49.), oder auch der eingewechselte Jon Pauli, der am Außenpfosten hängenblieb (68.). Der Ball wollte einfach nicht ins Tor – weil HEBC-Fänger Patrick Meins vor allem gegen Sambou und Olayisoye herausragend zur Stelle war.

„Haben nicht unser bestes Spiel gemacht, aber HEBC beherrscht“

„Natürlich ist das richtig unglücklich und sehr ärgerlich“, resümierte Mitteregger. „Wir müssen das Tor machen und hatten die Möglichkeiten dazu. Das zieht sich aber so ein bisschen durch die Saison.“ Man müsse „einfach nochmal gucken, woran es liegt, dass wir manchmal in entscheidenden Situationen nicht da sind“, so Mitteregger. „Denn wir haben ja meistens so viele Torchancen, dass es eigentlich egal ist, wenn man mal zwei, drei nicht macht. Heute war es dann aber doch entscheidend.“ Dass dann hinten „irgendwann mal ein Ball durchrutscht, darauf hoffen die natürlich.“ Aber vorwerfen könne er seiner Mannschaft überhaupt nichts, betonte der ETV-Trainer. „Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht, aber wir haben HEBC beherrscht.“

„Wer solche Spiele gewinnt, der...“

Überschwänglicher Jubel beim HEBC nach dem hart erkämpften Derbysieg und der Verteidigung der Tabellenführung. Foto: Screenshot

Letzteres gestand selbst Kocadal ein. Allerdings befand er auch: „Die letzte Viertelstunde haben wir es besser hin- und vor allem das Zentrum gut dicht bekommen. Da ging dann nicht mehr so viel beim ETV. Es kamen viele lange Bälle und sie waren ein bisschen ratlos. Da muss ich meiner Mannschaft dann ein Riesenkompliment machen, weil ich schon finde, dass sie in den letzten 15 Minuten auf eine Art dominant aufgetreten ist – zumindest in der Sache, wie wir gespielt haben. Wir haben uns gesagt, dass wir keine Mittel gegen deren Spielstärke finden, also gehen und stellen wir uns eine Etage tiefer. Das haben die Jungs gut gemacht. Aber nichtsdestotrotz ist es insgesamt ein glücklicher Sieg, das muss man ehrlich sagen.“ Ein glücklicher Sieg, der aber genauso drei Punkte einbringt – und aufgrund des besonderen Spielcharakters sowie der Ausgangslage in der Tabelle fast schon doppelt oder gar dreifach so wichtig wog. Denn die Kocadal-Kicker sind in diesem Jahr nicht mehr von der Spitze zu verdrängen und überwintern auf dem Platz an der Sonne. Dort möchte man auch möglichst lange bleiben. Auf die Frage „Wer solche Spiele gewinnt, der...“, entgegnete der HEBC-Dompteur: „… bleibt hoffentlich lange oben.“ Dieser Zug dürfte für den ETV nun abgefahren sein. „Tabellarisch schon. Da würde ich jetzt sagen, dass es auf jeden Fall schwierig wird“, gab Mitteregger zu. „Aber es wäre natürlich trotzdem geil, wenn wir nochmal so richtig alles abräumen. Dann gucken wir mal, was am Ende dabei herauskommt. Wenn alle da sind, sind wir richtig stark und können jeden Gegner schlagen.“ Doch an jenem Abend machte vor allem ein Akteur den Unterschied aus – und der befand sich auf Seiten des Derby-Kontrahenten…

Die Mannschaft des HEBC feiert den Derbysieg

Autor: Dennis Kormanjos

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