12.11.2017

Erman! Gutmann! Nicht schlecht, Mann: Teutonen-Express überrollt Osdorf

Gastgeber feiern 5:2-Sieg, aber: „Die letzten zehn Minuten sind eine Katastrophe“

So freuen sich Sieger: Aytac Erman (Dritter v. re.) jubelt mit seinen Teamkollegen. Danijel Suntic (Zweiter v.re.) zieht bereits wieder von dannen, während Veli Sulejmani (re.) heran trabt. Foto: Heiden

Eigentlich ist es nichts Neues: Der FC Teutonia 05 feiert einen weiteren Heimsieg und dreht dabei abermals nach der Pause richtig auf. Vier von fünf Treffern für die Gastgeber fallen im Spiel gegen den TuS Osdorf im zweiten Durchgang, doch trotz des 5:2-Erfolges findet „T05“-Übungsleiter an der Schlussphase des Spiels nicht ausschließlich Spaß und weiß genau, woran es zu arbeiten gilt, während sein Gegenüber Piet Wiehle nüchtern feststellt: „Erst als das Ding schon durch war, machen wir zwei Treffer, die nur noch ein bisschen Ergebniskosmetik waren und mit dem Spielverlauf nichts mehr zu tun haben.“ 

Schiedsrichter Fabian Porsch (Barsbütteler SV) hatte das Spiel zu Beginn der zweiten Halbzeit noch nicht wieder angepfiffen, da appellierte Sören Titze noch einmal an Veli Sulejmani. „Du gehst immer wieder rechts auf dem Flügel durch. Mach' das, was ich dir sage und nicht das, was die anderen wollen“, sagte Teutonias Coach zu seinem Mittelfeldspieler, der sich zuvor an der Seitenlinie nicht ganz sicher schien, nachdem er andere „Ansagen“ von seinen Teamkollegen, die hinter ihm spielten, erhalten hatte. Sören Titze wusste offenbar ganz genau, was er seinem „Zauberer“ auf der rechten Bahn einzubläuen hatte, denn: Nachdem Referee Porsch den zweiten Durchgang eröffnet hatte, war es vor allem die rechte Seite, über die Teutonia immer wieder gefährlich nach vorne agierte. Und an fast jeder Situation, die Gefahr vor dem Tor des TuS heraufbeschwor, war Veli Sulejmani beteiligt.

Titze: „Wir führen 5:0, der Gegner ist demoralisiert und wir machen ihn wieder stark“

Fertig machen zur Grätsche: Teutonias Torwart Mirko Oest (re.) fliegt gegen den Osdorfer Jeremy Wachter heran, um zu klären. Foto: Heiden

Beginnen wir allerdings von vorn: Nach sieben Minuten verfehlte Torben Krause per Freistoß für die Gäste das Ziel (7.), dann rauschte Aytac Erman auf der anderen Seite an einer Hereingabe von Sulejmani vorbei (10.) und schließlich durfte Torben Krause erneut zum Freistoß antreten. Diesmal zielte Osodorfs Mann für ruhende Bälle besser, aber nicht gut genug: Das Leder landete an der Querlatte (17.). Nachdem Erman erneut nichts Zählbares aus einer weiteren Teutonia-Gelegenheit machte (25.), hätte dann beinahe Jeremy Wächter für das 1:0 zugunsten des TuS gesorgt, doch dem stand Mirko Oest im Kasten von „T05“ im Weg (26.) und auch Maximilian Meijer-Werner hatte kein Glück (27.). Noch bitterer für die Gäste allerdings: Aus eben genau dieser vergebenen Chance entwickelte sich ein Gegenangriff – und der sollte es in sich haben: Vincent Boock legte für Nick Gutmann auf und der ließ sich nicht lange bitten, sondern schoss die Hausherren mit 1:0 in Führung (28.). Das war dann aber auch schon alles, was Teutonia im ersten Durchgang zu bieten hatte. „In der ersten Hälfte haben wir uns in der Tat schwer getan. Das ist in bisher allen Heimspielen so gewesen, weil die Gegner kompakt stehen, um ihr Leben rennen und fighten bis zum Umfallen. Die hauen sich in jeden Zweikampf“, erklärte Teutonia-Trainer Titze.

Die Worte des Coaches erhielten aber noch einen Zusatz: „Ich sage meinen Jungs immer: Irgendwann ist der Akku beim Gegner leer und dann entstehen Fehler. Man muss sich ja nur mal unsere Torfolge ansehen: Von der 60. bis zur 90. Minute erzielen wir die meisten unserer Tore, weil beim Gegner nicht mehr jeder jeden Meter laufen kann und wir in der zweiten Halbzeit noch Gas geben können und uns nicht hängen lassen. Wir sind konditionell immer in der Lage, noch was draufzulegen, wodurch wir die Lücken nutzen und uns Chancen erspielen können“, konstatierte Titze – und sollte mit seiner Vorhersage in Richtung seiner Schützlinge Recht behalten. Erst vergab Sulejmani nach einem starken Pass von Onur Saglam zwar (51.) und Torben Krause scheiterte per – wie sollte es anders sein – Freistoß an Oest, doch dann rollte der Teutonen-Express richtig. Im Gegenzug nach dem gehaltenen Freistoß legte Sulejmani am Sechzehner rüber zu Dieterich, der spielte Erman an – 2:0 (54.). Nur sechs Minuten später eroberte Danijel Suntic im Mittelfeld den Ball, krönte seinen Alleingang mit einem Zuspiel auf Gutmann und der überwand Claus Hencke im TuS-Tor zum 3:0 (61.). Wiederum nur 120 Sekunden danach startete Sulejmani über rechts und fand in Erman einen dankbaren Abnehmer, der im Zentrum das 4:0 erzielte (63.).

Wiehle: „Es ist nichts Neues, dass wir uns Chancen herausarbeiten, aber nichts dabei rumkommt“

Torschützen unter sich: Teutonias Aytac Erman (li.) im Duell mit dem Osdorfer Kevin Trapp. Foto: Heiden

Dann passierte von diversen Wechseln abgesehen, erst einmal nichts, ehe sich Sulejmani offenbar an die Worte seines Trainers kurz vorm Anpfiff der zweiten Halbzeit erinnerte: Teutonias Nummer 25 leitete rechts auf dem Flügel die Kugel per Hacke auf Georgios Cholevas weiter, der bis zur Torauslinie sprintete, den Ball fast von der Eckfahne aus nach innen flankte und dort auch einen Abnehmer fand. Erneut war es Erman, der vollendete und den Ball über die Linie schädelte. Es war der dritte Treffer des Angreifers, der damit am bis dato ebenfalls zwei Mal erfolgreichen Nick Gutmann wieder vorbeizog. Nicht schlecht, Mann, diese Teutonia-Offensive. 


Doch das Pulver an der „Kreuze“ war damit noch immer nicht verschossen. Allerdings war jetzt Osdorf an der Reihe. Erst traf Kevin Trapp zum 1:5 (79.), dann war Meijer-Werner zum 2:5 erfolgreich (81.) und Sören Titze fand trotz des Sieges deutliche Worte: „Von der 45. bis zur 80. Minute haben wir fast Chancen im Zwei-Minuten-Takt, darüber freue ich mich riesig. Die letzten zehn Minuten waren allerdings eine Katastrophe. Wir führen 5:0, der Gegner ist demoralisiert und fast schon nicht mehr auf dem Platz und wir machen ihn wieder stark, weil wir unsere Positionen nicht mehr halten, jeder ein Tor schießen oder Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei spielen will. Das ist unnötig. Daran müssen wir arbeiten. Wenn alles perfekt wäre, hätte ich nichts mehr zu tun.“

Wiehle: „ Das Spiel heute spiegelt ein bisschen unsere Saison wider“

Im Doppelpack: Die Osdorfer Maximilian Meijer-Werner (re.) und Melvin Bonewald (hi.) im Duell mit Felix Dieterich. Foto: Heiden

Einiges zu tun haben dürfte in der Trainingswoche auch Piet Wiehle. „Ich hadere mit solchen Niederlagen. Auch wenn wir am Ende zwei Mal getroffen haben“, verriet Osdorfs Übungsleiter und präzisierte: „Das Spiel heute spiegelt so ein bisschen unsere Saison wider. Wir haben den Freistoß, der an die Latte geht. Dann hat Wächter die Chance und im Gegenzug fangen wir uns das 0:1 durch einen abgefälschten Schuss ein. Es ist nichts Neues, dass wir uns Möglichkeiten herausarbeiten, aber nichts Zählbares dabei herumkommt. Wir brauchen zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen.“ Aufgrund dessen, so Wiehle, „liegen wir hinten, kommen dann in der zweiten Hälfte gut raus und haben die Gelegenheit zum 1:1, aber im Gegenzug fangen wir uns das 0:2.Gegen ein Team mit so hoher Qualität wie Teutonia sie hat, ist es dann schwer, dagegen anzuarbeiten.“ 


Stattdessen „fängst du dir das 0:3 und 0:4 ein, das Teutonia jeweils schon herausspielt. Erst als das Ding schon durch war, machen wir zwei Treffer, die nur noch ein bisschen Ergebniskosmetik waren und mit dem Spielverlauf nichts mehr zu tun haben“, gab der TuS-Trainer zu Protokoll. Nach der Niederlage stecke seine Equipe nun in einer „schwierigen Situation“, so Wiehle: „Wir stecken aber nicht auf. Bei uns ist es immer noch so: Wir wollen nicht absteigen und lassen uns auch von unserem sechsten Platz aus der vergangenen Saison nicht blenden. Bei Teutonia kann man verlieren. Jetzt wollen wir am nächsten Wochenende zuhause gegen den FC Türkiye drei Punkte einfahren.“

Jan Knötzsch

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