Oberliga

„Erfolgsmacher“ Yavas: „Das wird es in meiner Zeit in Osdorf nicht geben!“

24. April 2020, 13:37 Uhr

Steht beim TuS Osdorf für den Erfolg der letzten Jahre: Manager Cemil Yavas. Foto: KBS-Picture.de

Er ist einer der erfolgreichsten „Macher“ in Hamburg. Einer, der sich „nie erträumt“ hätte, mit seinem Verein eines Tages in Hamburgs höchster Spielklasse zu kicken. Denn: Er hat den TuS Osdorf übernommen, als der Verein eben nicht in Regionen und Dimensionen mitgemischt hat, in denen er heute fast schon für gewöhnlich zu Hause ist. Doch Cemil Yavas ist all die Jahre über seinen Prinzipien treu geblieben. Er habe „beim ersten Misserfolg nicht gleich den Kopf in den Sand gesteckt“ oder sich davon „entmutigen lassen“. Stattdessen war er stets „mit Herzblut dabei“ und habe sein „Netzwerk immer weiter ausgebaut“. So weit, dass er inzwischen einer der angesehensten und gefragtesten Manager in ganz Hamburg ist.

Führte den TuS aus der Bezirks- in die Oberliga und ist inzwischen ein äußerst gefragter Mann: Cemil Yavas. Foto: KBS-Picture.de

Die aktuelle Situation rund um das Coronavirus und die damit verbundenen sowie weitreichenden Folgen für den Amateurfußball sind auch für Cemil Yavas eine ganz neue Form der Herausforderung. Ihm gehe es gut, sagt der „Macher“ des TuS Osdorf im Interview mit „Elbkick.tv“ – und fügt an: „Auch der Mannschaft geht’s gut, alle sind gesund.“ Man stehe „immer im Austausch“, so Yavas, und gehe „kreativ“ mit der augenblicklich vorherrschenden Lage um. Das Trainerteam würde der Mannschaft zahlreiche „Challenges“, um sich fit zu halten, mit auf den Weg gehen. Er selbst würde derweil versuchen, „mich nicht verrückt zu machen. Natürlich muss man das Thema ernst nehmen und sich auch Gedanken machen. Aber jeder muss selbst wissen, wie er damit zurechtkommt. Ich bin kein Fan davon, mutzumaßen oder irgendwelche Theorien aufzustellen. Das bringt nichts – und ändern kann ich an der Situation eh nichts. Das, was zählt, ist: Das möglichst alle gesund bleiben.“ Für ihn selbst zähle „in erster Linie die Mannschaft“.

"Immer in die Mannschaft reingehört"

Ein Aspekt, der ihn dort hingebracht hat, wo er heute ist – und ein Weg, der mit 24 Jahren noch nicht abzusehen war. Bennet Krause, jetziger Kapitän des TuS Osdorf, habe ihn einst zum TuS Osdorf gelotst. Und auf einmal „stand ich da mit meinen 24 Jahren“, erinnert er sich. Genauso wie an die ersten Personen, die er in jener Zeit um Rat gefragt habe: Seweryn Malyk, Bert Ehm und Thomas Schrieber. Rat, der schneller gefragt war, als ihm damals vielleicht lieb war – denn: Kein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt hörte der damalige Chefcoach Sven Rasmus auf. Yavas musste handeln und installierte Piet Wiehle. Eine Erfolgsgeschichte, die siebeneinhalb Jahre lang anhielt und den Weg aus der Bezirksliga in die Hamburger Fußball-Beletage ermöglichte. Er habe in all den Jahren „immer die Mannschaft mit einbezogen und versucht, rauszuhören, was ihr eventuell guttun könnte“, erzählt Yavas, der sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen ließ.

"Absoluter Tiefpunkt": Verpasster Aufstieg mit Osdorf

Der verpasste Oberliga-Aufstieg im Jahr 2015 gegen Concordia war für Yavas der "Tiefpunkt" in seiner Zeit als TuS-Manager. Foto: KBS-Picture.de

Seinen „absoluten Tiefpunkt“ habe er im Mai 2015 erlebt. In der Relegation gegen Concordia ging es um den Aufstieg in die Oberliga. Das Hinspiel am heimischen Blomkamp gewann der TuS – und wollte im Rückspiel am Bekkamp alles klarmachen. Doch Cordi behielt „völlig verdient“, wie Yavas rückblickend gesteht, mit 3:0 die Oberhand und kehrte ins Oberhaus zurück. Sehr zum Leidwesen von Yavas und seinen Osdorfern. „Die Oberliga war in greifbarer Nähe. Aber dann haben wir es noch aus der Hand gegeben. Das war schon sehr bitter! Auch für mich selbst war es ein sehr bescheidener Moment. Man macht sich danach Tag und Nacht Gedanken.“ Nach kurzer Zeit des Trauerns wurde der Blick jedoch gleich wieder nach vorne gerichtet – und Yavas marschierte vorweg. Auch, weil er um die besondere Mentalität seines Teams wusste: „Jedes Mal, wenn wir einen Tiefschlag erlebt haben, sind wir stärker zurückgekommen.“

"Wir haben gefeiert, als würde es keinen Morgen mehr geben"

Faust geballt: Im Jahr 2016 gelang Yavas (Mi.) mit dem TuS Osdorf der Sprung in Hamburgs höchste Spielklasse. Archivfoto: noveski.com

So stark, dass im darauffolgenden Jahr als Meister der Landesliga Hammonia der Sprung in die höchste Hamburger Spielklasse zu Buche stand (HIER der Meisterschafts-Bericht). „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Das kann man so gar nicht in Worte fassen“, blickt er auf den Höhepunkt seiner bisherigen Zeit am Blomkamp zurück – und das, obwohl man die damalige Rückrunde aufgrund des Kunstrasenbaus auf der heimischen Anlage auf dem Grandplatz in Groß Flottbek bestreiten musste. „Ich habe gedacht, dass das Clubheim diese Feier nicht überleben wird.“ Und tatsächlich wurde das Erreichte ausgiebig zelebriert. „Wir haben gefeiert, als würde es keinen Morgen mehr geben.“ Selbst vier Tage später wären vereinzelte Spieler noch im Party-Modus unterwegs gewesen, verrät Yavas bei „Elbkick.tv“.

"Das wird es in meiner Zeit in Osdorf nicht geben"

Mit einem 4:0-Sieg im vorletzten Saisonspiel gegen SCALA machte der TuS Osdorf in der Saison 2015/16 die Meisterschaft in der Landesliga Hammonia perfekt. Archivfoto: noveski.com

Der krasse „Underdog“ war also im Konzert der Großen angekommen. Im Konzert derer, die zum Teil ganz anders wirtschaften und ganz andere Möglichkeiten besitzen. „Wir handhaben das ein bisschen anders, als vielleicht 90 Prozent aller Oberliga-Vereine. Wir gehen da einen komplett anderen Weg und ich bin froh, dass wir den beibehalten haben und nicht den Weg des Kommerzes gegangen sind. Das wäre gegen alles, was in Osdorf an Prinzipien herrscht“, stellt Yavas klar – und das, obwohl es zweimal die Möglichkeit gab, einen größeren Sponsor ins Boot zu holen. „Das wollen wir nicht – und das werde ich auch nicht zulassen, dass ein Großsponsor einsteigt, der dann irgendwelche Hierarchien ändert oder sich ins Tagesgeschäft einmischen will. Das wird es zumindest in meiner Zeit in Osdorf nicht geben.“ Klare Worte und ein klarer Weg, der ihn und den TuS Osdorf nach ganz oben gebracht haben – verbunden mit harter Arbeit. Ein Grund dafür, weshalb den Verein die aktuelle Krise „überhaupt nicht treffen“ würde.


Autor: Dennis Kormanjos

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