Oberliga

Er kam, sah - und traf: „Troches“ Traum-Debüt für die „Rothosen“

15. Februar 2020, 02:44 Uhr

Konnte sein Glück selbst kaum fassen: Piotr Trochowski (re.) erzielte nach seiner Einwechslung den 3:1-Siegtreffer für den HSV III. Foto: KBS-Picture.de

Der Abpfiff am Blomkamp war erst wenige Sekunden alt, da flachsten HSV III-Coach Christian Rahn und sein neuer "Star-Zugang" Piotr Trochowski bereits eifrig um die Wette. Wenige Augenblicke später versammelte sich eine ganze Pressescharr um den einstigen 35-fachen Nationalspieler herum. Für Rahn ein Grund, prompt ins Geschehen einzugreifen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, den Bodyguard für "Troche" zu spielen und diesen von der "Meute" fernzuhalten. Doch dann war er da, der Moment, indem Piotr Trochowski nach seinem Oberliga-Debüt Rede und Antwort stand. Nicht nur, weil er seine ersten 19 Spielminuten in Hamburgs höchster Amateurliga absolvierte, sondern auch, weil er diesen mit einem 20-Meter-Strahl zum 3:1-Sieg beim TuS Osdorf den Stempel aufdrückte (alle Highlights im LIVE-Ticker)!

"Troche", rief Christian Rahn seinen hoch dekorierten Neuzugang knapp 20 Minuten vor dem Ende lautstark herbei. Kurz darauf war es schließlich so weit: Piotr Trochowski feierte sein Oberliga-Debüt.


Piotr Trochowski (re.) in der Schlussphase im Duell mit Mehmet Eren. Foto: KBS-Picture.de

Als die Nachspielzeit bereits angebrochen war, kam der Ball über den überragenden Dominik Jordan zu Marcell Jansen. Der ebenfalls kurz zuvor in die Partie gekommene HSV-Präsident wurde beim Schussversuch geblockt. Aber die Kugel fiel ausgerechnet Trochowski vor die Füße. Knappe 20 Meter Torentfernung, einmal hochschauen, Maß nehmen - und rein mit dem Spielgerät ins Glück (90.+ 1). Welch ein Traum-Einstand für den ehemaligen Bayern- und HSV-Profi, der mit seinem Strahl den 3:1-Sieg unter Dach und Fach brachte! "Das kann ich ja", witzelte er anschließend, "das habe ich 20 Jahre lang gemacht. Der eine oder andere Ball, der mir vor die Füße fällt, den mache ich noch rein", so der 35-Jährige, der zugab, dass "der Oberschenkel hinten direkt zugemacht" hat. "Man merkt, dass man nicht mehr der Jüngste ist. Aber jetzt habe ich ein bisschen länger Pause und kuriere mich erstmal aus", pustete "Troche" einmal durch. Seine Bilanz: "Ich bin relativ gut reingekommen, hab' ein Tor erzielt, wir haben gewonnen - das war ein guter Einstand."

„Mehr gibt der Körper einfach nicht her“

Der Jubel bei „Troche“ (2. v. li.) und seinen Teamkollegen war riesengroß. Foto: KBS-Picture.de

Dabei mussten die 570 Zuschauer am Blomkamp lange auf die beiden "Rothosen-Promis" warten. Bis dahin entwickelte sich jedoch schon von Beginn an ein munterer Schlagabtausch, den Osdorf mit dem Führungstreffer eröffnete. Nico Kukuk luchste Michele Morrone den Ball und und spielte einen Traumpass auf Daniel Tönges, der eiskalt vollstreckte (30.). Doch die Gäste drehten das Spiel. Nicht zuletzt dank Dominik Jordan. Den Ausgleich, den Robin Schmidt per Eigentor besorgte, bereitete er mit einer scharfen Flanke mustergültig vor (33.). Genauso wie das 2:1 seiner "Rothosen" durch Sepehr Nikroo, als er Felix Spranger einen Knoten in die Beine spielte (54.). Und dann kam "Troche", der gegen dezimierte Osdorfer - Coach Philipp Obloch sah bereits nach 36 Minuten wegen wiederholten Reklamierens die Ampelkarte, ehe Robin Schmidt mit einer ausgekugelten Schulter das Spiel nicht als Aktiver beenden konnte, als der TuS das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte (83.) - eine Bilderburch-Premiere feierte. "Es war abgemacht, dass ich zum Schluss reinkomme. Mehr gibt der Körper einfach nicht her. Das ist einfach so - und merkt man auch", gestand er - und entgegnete auf die Frage, wann es denn für 90 Minuten reichen könnte: "Darüber mache ich mir keine Gedanken, ich gucke von Tag zu Tag." Schließlich hat er eine lange Leidenszeit hinter sich. Eine, in der er auch den Bezug zum Amateurfußball mehr und mehr für sich aufsaugte. "Ich musste mich ja irgendwie fit machen nach meinen vielen Verletzungen in den letzten Jahren. Das habe ich dann zumeist auf dem Kunstrasen bei Vicky gemacht, weil das bei mir um die Ecke ist. Deswegen kenne ich die Gegebenheiten. Ich bin in Hamburg aufgewachsen, habe auch auf Grand gespielt."

„Wenn die Knie halten, will ich das noch ein bisschen länger machen“

Nach Spielschluss fachsimpelte Trochowski (Mi.) noch mit Teamkollege Marcell Jansen (re.) über den Triumph. Foto: KBS-Picture.de

Es sei schön, "zurückzukommen - auch in den Amateurfußball. Das macht Spaß. Meine Brüder haben hier auch gespielt. Von daher schließt sich ein Kreis." Für ihn sei es "wie so ein Freitagskick mit Freunden auf Kunstrasen" gewesen, so Trochowski, der vor seinem ersten Einsatz kaum Nervosität verspührte: "Meine Karriere ist ja schon zu Ende. Ich genieße jetzt einfach jede Minute, die ich noch spielen kann. Vor allem, wenn ich schmerzfrei bin und die Knie halten, dann macht es einfach Spaß - und es ist besser, als um die Alster zu laufen." Wenn die Knie halten, dann will der Ex-Nationalspieler "das auch noch ein bisschen länger machen". Nun sei es aber an der Zeit, seinen Jungs eine Pizza und das eine oder andere Kaltgetränk auszugeben. "Jetzt darf man das ja", scherzte Trochowski.

Das komplette Interview mit Piotr Trochowski im Video:

Autor: Dennis Kormanjos

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