Oberliga

„Einer der besten Trainer dieser Liga“ bleibt: Kocadal macht als HEBC-Coach weiter!

24. Januar 2023, 11:20 Uhr

Klarheit am Reinmüller: Özden Kocadal (Mi.) gibt auch in der Saison 2023/24 die Richtung beim HEBC vor. Foto: noveski.com

„Für uns ist natürlich wichtig, dass dieser Weg, den wir eingeschlagen haben, fortgesetzt wird - und zwar mit dem Trainer, von dem wir von Fuß- bis Haarspitze absolut überzeugt sind“, macht Stilianos „Speedy“ Vamvakidis keinen Hehl daraus, dass er „aus HEBC-Sicht nicht glücklicher sein könnte“. Der Grund für die Freude: Der Liga-Manager der Eimsbütteler kann den Verbleib von Chefcoach Özden Kocadal für die Saison 2023/24 vermelden! „Wir haben mit ‚Özzi‘ einen exzellenten Fachmann, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, was wir seit inzwischen fast vier Jahren sehen. Sowohl er als auch wir haben ganz klar gesagt, dass wir diese Entwicklung noch nicht als beendet ansehen. Deshalb freue ich mich einfach, dass der Weg und die Entwicklung weitergehen“, so Vamvakidis.

"Ich könnte aus HEBC-Sicht nicht glücklicher sein", freut sich Liga-Manager Stilianos "Speedy" Vamvakidis über den Verbleib seines Cheftrainers. Foto: noveski.com

Im Sommer 2019 hat Kocadal das Traineramt bei „seinem“ HEBC übernommen, die „Veilchen“ in einer überragenden Saison ins Hamburger Oberhaus zurückgeführt und dort gehalten. Das soll auch so bleiben. Wenngleich Vamvakidis voller Stolz betont: „Der Verbleib ist ligenunabhängig! Das zeigt ganz klar, dass wir uns nicht über irgendwelche Tabellenplätze oder Ligen identifizieren, sondern darüber, wie wir etwas voranbringen wollen“, ist Vamvakidis „überzeugt davon, dass wir einen der besten Trainer in dieser Liga haben“, schwärmt der 50-Jährige von Kocadal. „Dass wir so gut sind, wie wir sind, hat einerseits mit den Jungs zu tun, aber eben auch damit, dass man sieht, wie die Trainer die Spieler entwickeln und aus den Jungs wirkliche Oberliga-Spieler machen, die Woche für Woche konstant abliefern. Er macht die Jungs und die Mannschaft besser.“

Eine wahre Lobeshymne von „Speedy“ auf seinen Cheftrainer. Wir haben uns mit Kocadal über seine Verlängerung, Gerüchte um einen Abschied, Gedankenumschwünge und Ziele mit seinen Reinmüller-Rackerern unterhalten…

FussiFreunde: „Özzi“, zunächst einmal Glückwunsch zur Vertragsverlängerung beim HEBC! Eine reine „Formsache“ war es Gerüchten zu Folge ja nicht. Kläre uns doch mal auf...

Özden Kocadal: „Erst einmal wundert es mich, dass es dahingehend Gerüchte gab (lacht). Tatsächlich gab es Überlegungen. Da war ich auch ganz offen mit dem Verein. Es ging aber in keinster Weise in die Richtung, dass ich damit geliebäugelt habe, etwas anderes zu machen, sondern war eher aus der Hinsicht, dass der Trainerjob in der Oberliga mittlerweile doch ganz schön viel Zeit und Nerven frisst - zumindest dann, wenn man ihn so ausführen möchte, wie wir es gerade machen. Ich habe zwei kleine Kinder und einen Full-Time-Job. Gleiches gilt für meine Frau. Von daher stellt man sich die Fragen: Wozu und wofür macht man das Ganze? Denn: Wenn man HEBC-Mitglied ist, dann muss man eine krasse Resilienz gegenüber Widerstände, die einen in jeglicher Hinsicht erwarten, aufbauen. Sei es, dass man finanziell mit vielen Vereinen nicht mithalten kann oder auch vereinsinterne Geschichten. All das sind Sachen, die mich dazu bewogen haben, nachzudenken.“

Letztlich ist die Entscheidung aber für ein Weitermachen beim HEBC gefallen. Warum?

Machte sich ausgiebig Gedanken übers Weitermachen - und entschied sich für einen Verbleib: "Özzi" Kocadal setzt seine Arbeit am Reinmüller fort. Foto: noveski.com

Kocadal: „Im Endeffekt war es so, dass sowohl von zu Hause die Ansage kam, dass wir das schaffen, da es mein Traum ist und mir Spaß macht, als auch die Tatsache, dass wir hier etwas aufgebaut haben und ich die Gefahr gesehen habe, dass es eventuell zerbrechen hätte können. Und so wollen wir uns nicht voneinander verabschieden. Das tue ich meinem Verein natürlich nicht an. Hinzu kommt der Fakt, dass mir der ganze Verein - das Umfeld, das Management, die Spieler - extrem viel geben. Ganz viel Liebe, Lob und Unterstützung. Ich habe es auch der Mannschaft gesagt, dass ich mich an ganz wenige Momente erinnern kann, wo wir nicht 100 Prozent abgeliefert haben. Und so lange das der Fall ist, kann man nicht einfach sagen: Es geht nicht weiter - auch wenn man hier und da mal an seine Grenzen kommt. Aber Bodenständigkeit hat mir in meinem Leben immer gutgetan und ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass ich so viel Unterstützung habe. Es gibt aber auch noch weitere Aspekte…“

Die da wären?

Immer mit voller Leidenschaft und Inbrunst dabei - zudem fachlich überaus angesehen: HEBC-Coach Özden Kocadal. Foto: noveski.com

Kocadal: „Zwischenzeitlich, als der Gedanke mal kurz da war, eventuell nicht weiterzumachen, fühlte sich der Trainerjob wie ‚Extra-Arbeit‘ an. Und das ist ja eigentlich nicht der Sinn der Sache. Wir haben es aber als ganzes Team gut hinbekommen, nochmal einen Entwicklungsschritt zu gehen.“

Kannst du da ein konkretes Beispiel nennen?

Kocadal: „Nachdem wir im Sommer so einen krassen Umbruch hatten, uns viele Tore, Vorbereiter und ganz viel Erfahrung abhandengekommen ist, hat jeder damit gerechnet, dass es extrem schwer wird. Das ist auch nach wie vor der Fall. Aber wir haben einige Sachen im Aufbauspiel verändert und ein, zwei Aspekte mit reingebracht, die uns noch flexibler machen. So ist es uns gelungen, nach vorne mehr Gefahr auszustrahlen, sich Torchancen wirklich herauszuspielen und tatsächlich auch spielerisch in Aktion zu treten. Dieser Entwicklungsschritt darf nicht außer Acht gelassen werden. Wir haben den Umbruch aufgefangen. Und das zeigt mir, dass die Mannschaft immer noch fähig und gewillt ist, sich zu entwickeln. Denn ich hatte mir persönlich Gedanken darüber gemacht, welche Impulse ich der Mannschaft noch geben kann. Aber dadurch, dass es dazu gekommen ist, dass eben diese Impulse tatsächlich Früchte getragen haben, hat das bei mir nochmal einen Prozess in Gang gesetzt, der schussendlich mit dafür gesorgt hat, dass ich gesagt habe: Ich bleibe.“

Inwieweit ist es möglich, mit HEBC in der jüngeren Zukunft um etwas „mitzuspielen“ - auch ohne die großen finanziellen Möglichkeiten?

Im Sommer 2019 begann die Reise von Kocadal als Cheftrainer beim HEBC. Nun geht er in sein fünftes Jahr bei den Eimsbüttelern. Foto: noveski.com

Kocadal: „Ich sehe auf jeden Fall Wege, den Verein in dieser Liga zu etablieren. Ob es dann um etwas geht, was im positiven Sinne erstrebenswert ist, kann ich nicht sagen. Aber man muss sich auch damit anfreunden, dass das etwas wert ist für diesen Verein, in der Oberliga mitzumischen, und muss sich von diesem Gedanken an andere Dinge freimachen. Es bedeutet sowohl für den HEBC als auch für mich als Trainer etwas, sagen zu können: ‚Wir haben es geschafft, nicht abzusteigen.‘ Oder: ‚Wir haben den Verein in der Oberliga etabliert und es ist eine Entwicklung zu sehen.‘ Wenn man das schafft, freut mich sich auch ganz anders über jeden kleinen Entwicklungsschritt nach vorne.“

Nun bist du ja eine Person, die immer die Mannschaft in den Vordergrund stellt und vom „wir“ spricht. Aber was bedeutet es denn dir ganz persönlich, dass du dir als noch junger Trainer in so kurzer Zeit einen solchen Namen gemacht hast?

Kocadal: „Ich sehe mich einfach als festen Bestandteil dieses Vereins. Es wird niemals ein Trainer das Ganze alleine wuppen. Und aus meiner Sicht ist das immer noch ein ‚Players Game‘ - und das wird sich auch nicht ändern. Ich tue mich sehr schwer mit Lob und kann damit wirklich nicht gut umgehen. Aber ich bin den Leuten, die sagen, dass ich einen guten Job mache, natürlich sehr dankbar. Und ich bin mir darüber schon auch im Klaren, so ist es nicht. Aber es geht in diesem Verein nur, wenn wir alle zusammen an einem Strang ziehen. Und das muss ich wirklich hervorheben: Die Jungs geben Vollgas und lassen sich auf das, was wir mit ihnen vorhaben, ein. Wir sind da ein bisschen unkonventionell und auch unser Spiel, das System und die Struktur sind ein wenig kompliziert. Die Spieler werden von mir immer wieder überfordert. Das ist auch ein bisschen Absicht, aber wir wollen eine hohe Flexibilität reinbekommen. Trotzdem ist es nicht so einfach, Spieler unter mir zu sein.“

Autor: Dennis Kormanjos

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