Eine passende Lösung, eine unpassende Kommunikation und eine Idee, die passen könnte

Abpfiff – die FussiFreunde-Kolumne

27. November 2018, 16:20 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

Ab sofort greifen wir an dieser Stelle unter dem Titel „Abpfiff“ in unserer Kolumne wieder die Geschehnisse des Wochenendes und die wichtigsten Themen der vorangegangenen Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um das Ende der Trainertätigkeit von Jean-Pierre Richter beim SC Victoria, seinen Wechsel auf die Bank der TuS Dassendorf im Sommer 2019 und die Frage nach möglichen Richter-Nachfolgern bei Vicky ab dem Winter. 

Man kann von der TuS Dassendorf ja halten, was man möchte. Man kann den Club verteufeln, weil er partout nicht in die Regionalliga hoch will. Man kann den dank „Mäzen“ Michael Funk finanzstarken Verein aus dem Herzogtum Lauenburg als den FC Bayern München der Oberliga Hamburg bezeichnen. Was man den Dassendorfern aber nicht vorwerfen kann, ist, dass sie ihre Hausaufgaben nicht machen. Im Gegenteil: Besser als die TuS kann man es eigentlich nicht machen, wenn es um die Suche nach einem Nachfolger des zum Saisonende scheidenden Elard Ostermann geht. Hatte man mit Ostermann einen Trainer an den Wendelweg gelotst, der „von oben“ kam – sprich aus der Regionalliga, wo er vor einer Pause und vorm Engagement bei der TuS beim Lüneburger SK tätig war –, hat man nun wieder einen Kandidaten mit „Stallgeruch“ geholt. Einen, der die Oberliga wie aus dem „Eff-Eff“ kennt. Und: Man hat sich mit Jean-Pierre Richter einfach auch mal den vermutlich besten Coach gegriffen, der auf dem Markt war. 

Wieder aufgewärmt: Warum soll's nicht wie beim Eintopf jetzt noch besser schmecken?

Tschüss Vicky, hallo Dassendorf: Jean-Pierre Richter hat ab 1. Juli 2017 eine neue Aufgabe. Foto: KBS-Picture.de

Dass Richter erst im wiederholten Anlauf den Weg zur TuS findet – der Verein war in den letzten Jahren immer mal wieder „dran“, aber letztlich fand man bislang nicht zueinander – tut der Verpflichtung keinerlei Abbruch. Nein, das Ganze ist, wie Sportchef Jan Schönteich schon am Wochenende befand, eine Sache, die stimmig ist. Außerdem: Auch bei Eintöpfen sagt man ja, dass sie umso besser schmecken, je öfter sie aufgewärmt werden. Warum soll das nicht auch für die Konstellation „Dassendorf und Richter“ gelten? Ein Club mit Ambitionen, Titel zu holen, holt sich einen Trainer, der sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat, außer dem Titel „Trainer des Jahres“ auch endlich mal Titel zu holen, die ihm in seiner Vita noch fehlen – das passt. Und mal ehrlich: Man hätte der TuS auch schon verschlossene Augen attestieren müssen, wenn man in dem Moment, wo klar war, dass Richter für den Sommer auf dem Markt ist, die Gespräche nicht wieder aufgegriffen, intensiviert und schließlich finalisiert hätte. Dass die TuS in eine ähnlich missliche Lage wie bei Ostermann, der aufgrund seines Lehrgangs zum Fußball-Lehrer unter der Woche nicht zur Verfügung stand und steht, ist – zumindest vorerst – ausgeschlossen.

Richter ist die Lösung mit Langzeitcharakter, die die TuS haben wollte. So logisch es erscheint, so sehr darf man aber auch gespannt sein, wie Richter beim Abo-Meister der Oberliga funktionieren wird. Bislang war es bei seinen Stationen in Süderelbe und beim SC Victoria so, dass er sich sich einen Kader nach eigenem gut Dünken en Detail zusammenstellen durfte. Es ist ja bekannt, dass „Jonny“ diverse junge Spieler vom FCS zum SCV holte und auch darüber hinaus einen so guten Ruf genießt, dass etliche hochveranlagte Kicker förmlich danach gierten, unter ihm zu kicken. In Dassendorf, so viel ist klar, kann sich Richter in einem ganz anderen Regal an Spielern bedienen – das Geld ist ja da. Dass er ähnlich viele „Ehemalige“ wie bei Vicky um sich scharen wird, stellte Sportchef Schönteich schon einmal in Abrede. Sicher, zwei oder drei Vicky-Kicker werden am Ende den Weg zu „Dasse“ finden. Aber es wird spannend sein, zu beobachten, wie „Jonny“ den Rest auf seine Linie trimmt, wen er sonst noch so holt und wie der junge Coach mit gestandenen Akteuren oder Ex-Profis, wie sie nun mal im TuS-Kader stehen, klarkommt.                        

Dass Richter auf dem Markt war, ist logisch und ein Rätsel zugleich

TuS-Sportchef Jan Schönteich darf sich freuen: Er hat die vermutlich beste Lösung für Dassendorf gefunden. Foto: KBS-Picture.de

Dass, respektive warum, Richter überhaupt auf dem Markt war, ist ein Rätsel und eine logische Sache zugleich. Eigentlich muss froh sein, wer einen solchen Coach in seinen Reihen weiß. Eigentlich. Und trotzdem hat es der SC Victoria nicht verstanden, den – neben Sasels Danny Zankl – immer wieder als Hamburgs größtes Trainertalent bezeichneten Mann zu halten. Nein, viel schlimmer: Er hat es geschafft, Richter zu vergraulen. Fakt ist: Vickys „Boss“ Ronald Lotz hatte Richter von allen (!) Aufgaben beim SCV entbunden – nicht nur vom hauptamtlichen Posten als Fußball-Abteilungsleiter, sondern auch von denen als Manager und Trainer. Nur einem Agreement zwischen Lotz und Richter war es zu versanken, dass „Jonny“ trotzdem bis zum Winter weitermachen wollte – um die von ihm aufgebaute und geliebte Mannschaft nicht im Stich zu lassen. Das ehrt ihn. Trotzdem: Spätestens seit jener Kündigung war klar, dass die Zusammenarbeit Lotz/Richter unter zumindest aber keinem einfachen Stern mehr stand – die lobenden Worte Lotz' vor dem letzten Heimspiel Richters gegen den Niendorfer TSV am vergangenen Freitag hin oder her.

Und noch etwas darf man dem SCV ankreiden: dass man in der Personalie Richter – erst hinter verschlossenen Türen, dann auch öffentlich – leider ziemlich rumgeeiert hat. Die Kommunikation nach außen war von Anfang an nicht glücklich und – am Tag, bevor der Verein die Trennung zum Winter dann endlich mal bestätigte – auch nicht gerade das berühmte Gelbe vom Ei. Nun ist ein Vorsitzender oder Präsident eines Clubs zwar in keinster Weise verpflichtet, der Presse Auskunft zu erteilen, dass man aber versuchte, auch als längst alles klar war, einem klaren Statement (vorerst) noch weiter zu entkommen – es mutete in der Außendarstellung zumindest unglücklich an, um es nett zu formulieren. Sicher ist jetzt: Der nächste Schuss auf dem Trainerposten beim SCV muss sitzen. Es braucht einen Mann mit Qualität – am besten der eines „JPR, wenn Vicky weiterhin ein „Big Player“ sein, zumindest aber auf dem Weg zurück zu diesem Status Quo bleiben will. 

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