15.04.2019

Eine mögliche Schwalbe und doppelte Sorgen: War wirklich alles gut, Mann?

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

An dieser Stelle greifen wir regelmäßig die Themen des Hamburger Fußballs aus der Woche und vom Wochenende auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es dabei um die Rolle des HEBC im Abstiegskampf in der Oberliga, die Geschehnisse beim Oberliga-Match zwischen dem Meiendorfer SV und dem FC Teutonia 05 sowie das Abschneiden von Inter 2000 im Kampf um den Klassenerhalt in der Landesliga Hansa.

Es gibt Dinge, die stehen über allem. Oder sollten es zumindest. Ehrlichkeit zum Beispiel. Und damit sind wir mitten drin im Geschehen der Oberliga, genauer gesagt im Geschehen der Partie zwischen dem Meiendorfer SV und dem FC Teutonia 05, bei der die Gäste durch einen äußerst zweifelhaften Elfmeter mit 1:0 in Führung gingen. Schiedsrichter Martin Pfefferkorn (SC Urania) wollte den Strafstoß nach einem angeblichen Vergehen an Nick Gutmann zunächst nicht geben, tat das dann aber nach Intervention seines Assistenten und einer Befragung Gutmanns schließlich doch noch.

Ehrlich währt am längsten – das wird auch Gutmann wissen

Teutonias Nick Gutmann (vo.) im Zweikampf mit seinem Meiendorfer Widersacher Paul-Luca Herrdum. Foto: KBS-Picture.de

Jener Gutmann sagte dem Unparteiischen, er sei von Paul-Luca Herrdum, seinem Gegenspieler, getroffen worden und der Elfmeter damit berechtigt. Ein Umstand, den die Meiendorfer wiederum ganz anders sahen. Dass sich daran hitzige Diskussionen entzündeten und es auch noch eine Verbal-Schlacht zwischen den Trainern Baris Saglam (MSV) und Sören Titze (T05) gab – es war irgendwie absehbar. In der Folge ging es bei den Diskussionen auch um einen Zwischenruf von Teutonias Co-Trainer Matthias Reincke, man solle sich „nicht besabbeln lassen.“ Teutonias Sicht der Dinge: Reinckes Intention sei die gewesen, die Teutonen sollten sich vom MSV nicht provozieren lassen. Meiendorfs Meinung: Gutman sollte zu einer vermeintlichen Falschaussage verleitet werden und sich von keinem überzeugen lassen, zu sagen, dass er nicht berührt worden sei.

Ob Gutmann letztlich nun getroffen wurde oder, so wie eben die meisten sagen, nicht – das wird er selbst am besten wissen. Sein Coach Sören Titze jedenfalls sagte, er glaube seinem Spieler das, was dieser gesagt habe. Wie sollte es auch anders sein. Titze wäre schön blöd, sich mit einer anderslautenden Aussage den Unmut eines Spielers aus dem eigenen Kader zuzuziehen, eine Baustelle zu eröffnen und damit das Unternehmen Regionalliga zu gefährden. Die generelle Frage aber, die im Raum stehen bleibt: Muss man für den Erfolg lügen? Ein klares Nein! Hätte Gutmann gesagt, dass es war kein Foul und so den Elfer verhindert, hätte ein jeder gesagt: Das war gut, Mann! So aber bleibt ein gewisser Beigeschmack. Ist der Druck, hochgehen zu müssen, an der „Kreuze“ so hoch, dass man es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt? Nun, das bleibt eine Vermutung. Definitiv beweisen kann die vermeintliche Schwalbe keiner. Den „VAR“ (Video Assistant Referee) gibt es in der Oberliga schließlich nicht – und selbst der ist im Profifußball bisweilen nicht fehlerfrei…

Die Mischung macht’s – oder eben nicht

Manager Korcan Topbas (li.) und Trainer Sercan Topbas stehen mit Inter 2000 vorm Abstieg aus der Landes- in die Bezirksliga. Foto: Bode

Was es demnächst auch nicht mehr geben könnte, ist die Bezeichnung „Oberligist“ im Einklang mit dem Namen HEBC. Gegen den SC Condor zeigte sich das Team von Trainer Jörn Großkopf nicht von seiner besten Seite – wieder mal. Die Worte, die der Coach nach der Niederlage gegen die „Raubvögel“, die im Kampf um den Klassenerhalt auf einmal wieder die berühmte Morgenluft wittern, nutzte, gleichen denen, die Großkopf auch schon nach der Niederlage gegen Wedel auspackte, Wedel, Condor – es fällt auf, dass der HEBC ausgerechnet wiederholt gegen die direkte Konkurrenz Federn ließ. Aber wo liegen die Ursachen dafür, dass die Eimsbütteler inzwischen richtig tief im Sumpf des Abstiegs stecken? Man darf sicher die Trainerfrage stellen, wirkte Großkopf doch bei einigen Stationen seiner Laufbahn (wie Kasel, Uerdingen und Eichede) nur kurz und wenig erfolgreich, gleichwohl darf man eines bei der Analyse nicht unter den Teppich kehren: das enorme Verletzungspech, dass die Equipe von Reinmüller heimsuchte. Hier könnte man locker 15 Akteure auszählen, die im Laufe der Spielzeit fehlten… Die Mischung macht’s also, wenn*s um die Suche nach Gründen geht.

Was derweil Inter 2000 fehlt, liegt auf der Hand: Training, Disziplin und ein echter Coach. Die Ziele waren hoch, als der Club aus der Bezirksliga Süd in die Landesliga Hansa aufstieg. Allein die Namen des Trainerduos Erhan Albayrak und Eren Sen waren klangvoll, gleiches gilt für die Verstärkungen, die man im Sommer holte. Nun wissen wir aber alle, dass Namen allein noch keinen Erfolg garantieren. Albayrak und Sen waren schnell wieder weg, aus Mangel an Alternativen stieg nach dem Aus von Nachfolger Erdal Katik dann erneut Sercan Topbas ein, der das Team einst zum Aufstieg brachte. Das hatte er geschafft, ohne dass die Mannschaft wirklich trainierte. Nun: In der Bezirksliga mag das mit Klasse-Kickern eine Saison lang gut gehen, die Landesliga aber ist ein anderes Pflaster. Schön spielen allein reicht nicht, wenn die Basis und nebenbei auch, wie selbst Manager Korcan Topbas sagt, die Disziplin fehlt. Die Quittung bekommt Inter 2000 jetzt. Im schlimmsten Fall mit dem Abstieg. 

Jan Knötzsch 

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