Oberliga

Ein wenig HUFC-Wut? „Eine Hälfte geil, dann nicht gut“ – Buchholz erst „auf der Straße“, dann besser

Hamm United und „08“ teilen sich beim 1:1 die Punktausbeute

15. November 2019, 23:55 Uhr

Kopfballduell: Hamms Matthias Cholevas (li.) und der Buchholzer Marc Eisenberg kämpfen um den Ball. Foto: Bode

Sie kennen sich schon ewig lange. Kein Wunder, schließlich war Sidnei Marschall vor seiner Zeit als Trainer bei Hamm United auch schon als Spieler tätig. Und so wusste „Jassi“ Huremovic nach dem Abpfiff des Spiels des HUFC gegen den TSV Buchholz 08 (Hier gibt’s die Highlights im Live-Ticker) genau, wie es um die Gefühlslage des HUFC-Coaches bestellt war. „Ich habe zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen, aber ich bin nicht der Fachmann. So, wie es gelaufen ist, bin ich mit dem Unentschieden zufrieden. Buchholz hat sich den Punkt redlich verdient. Aber so, wie ich unseren Trainer kenne, kocht er gerade innerlich und hat einen dicken Hals, dass ich so etwas sage“, grinste der Liga-Manager der „Geächteten“. 

Dass Huremovic mit seiner Aussagen allerdings so falsch gar nicht lag, bekam der HUFC-Manager nebst Coach Marschall dann von Rüdiger Meyer bestätigt. „Ich habe das ähnlich gesehen“, sagte der Interimstrainer der Buchholzer in Richtung Huremovic und erklärte: „Wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen und hatten Glück, dass nur ein Gegentor gefallen ist. Die Möglichkeiten für Hamm, noch öfter zu treffen, waren da. Besonders vor den Freistößen hatte ich ein bisschen Angst, aber es lief alles glücklich für uns.“ Richtig, mit einer Ausnahme – allerdings nicht nach einem ruhenden Ball, sondern aus dem Spiel heraus. Gemeint ist jene Szene aus der 43. Minute, als Jan Landau die Kugel mit Tempo nach einem Ballgewinn auf Florian Klein weiterleitete, dieser das Spielgerät am herausstürzenden Lennart Brückner vorbei legte, den „Goalie“ der Buchholzer überlief und das Leder dann schließlich einschob. Ein Treffer zum immer wieder gern und oft zitierten psychologisch ungünstigen Zeitpunkt – zumindest auch Sicht der Gäste. Aber Rüdiger Meyer sollte ja noch (s)ein Ass im Ärmel haben.

Meyer: „Wir können und werden uns langsam aus dem Keller rausarbeiten“

Lohnenswerte Einwechselung: Jakob Schulz (li), der hier Hamms Marcel Schwarck unter Druck setzt, bereitete den Buchholzer Ausgleichstreffer vor. Foto: Bode

„In der Halbzeit haben wir dann einen Wechsel vorgenommen, der sich sehr positiv ausgewirkt hat. Jakob Schulz hat merklich für Unruhe im zentralen Bereich gesorgt“, sagte der Interimstrainer der „Buchholz-Boys“ und durfte sich in der Tat für seinn Tausch selbst loben: Besagter Schulz nämlich trat nach 51 Minuten als Vorlagengeber für Teamkollege Jonas Fritz in Erscheinung, der das Spielgerät an HUFC-Torhüter Samuel Graudenz vorbei zum 1:1-Ausgleich in die Maschen schoss. Und der TSV sollte an diesem Abend noch ein weiteres Mal treffen. Nach 75 Minuten legte Marc Eisenberg für Milaim Buzhala auf, doch den wähnte das Schiri-Gespann um Referee Lasse Holst (FC Türkiye) beim Abschluss im Abseits und verwehrte dem Treffer die Anerkennung. „Das kann ich nicht nachvollziehen, für mich war das kein Abseits. Das war sehr unglücklich für uns, wir hätten gerne drei Punkte mitgenommen“, beschied Meyer und ergänzte: „Mit dem Auftritt in der zweiten Halbzeit können wir zufrieden sein. Den Punkt haben wir uns verdient. Wir können und werden uns langsam aus dem Keller rausarbeiten.“ Nur das, was seine Schützlinge zu Beginn geboten hatten, schmeckte Meyer nicht: „Meine Jungs waren mit dem Kopf noch ein bisschen auf der Straße und nicht auf dem Platz, einige sind erst kurz vor dem Anpfiff eingetroffen.“

Marschall: „Wir brauchen immer zu viele Chancen, bis wir einen Treffer erzielen“

Achtung, Hintermann: HUFC-Kicker Alessandro Schirosi (re.) ist vor TSV-Torschütze Jonas Fritz am Ball. Foto: Bode

Und Sidnei Marschall? Nun, der kochte innerlich zwar nicht, aber eine gewisse Enttäuschung, vielleicht auch eine Prise Wut war beim HUFC-Coach schon vorhanden. „Ich verstehe diese zweite Hälfte nicht“, hatte „Sid“ schon während das Spiel noch lief, draußen an der Linie kritisiert. Jetzt, nach dem Match, stellte er fest: „Wenn man das Spiel in seiner Gesamtheit sieht, ist ein Punkt gerecht und verdient. Aber in der ersten Halbzeit können wir den Sack zumachen. Wir müssen 2:0 oder 3:0 führen. Dann passiert hier nichts mehr. Zur Halbzeit habe ich noch gewarnt, aber meine Mannschaft ist ein Phänomen: Wir spielen immer eine geile Halbzeit und eine nicht so gute Halbzeit.“ Daraus, so Marschall weiter, „müssen wir lernen und auch mal 90 Minuten gut spielen.“ Dass misslang diesmal eben: „Wir machen einen Fehler und der wird gnadenlos bestraft. Buchholz spielt ein Mal den Ball durch den Sechzehner und sofort fällt das Tor. Wir hatten fünf oder sechs solcher Szenen in der ersten Hälfte, brauchen aber immer zu viele Chancen, bis wir einen Treffer erzielen. Das muss ich meiner Mannschaft vorwerfen. Da müssen wir konzentrierter sein“, resümierte der United-Übungsleiter und fügte hinzu: „Und wir müssen auch mal Zweikämpfe gewinnen. Das wird in der Oberliga halt bestraft.“ Im Endeffekt aber, so Marschalls Schlussfazit, „spielen wir bisher eine ganz ordentliche Saison. Wir haben bis jetzt 21 Punkte. Wenn wir die auch in der Rückrunde nochmal holen, haben wir am Ende 42. Unser Ziel bleibt ganz klar der Klassenerhalt.“

Jan Knötzsch

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