04.11.2018

Ein unGLEICHes Duell: Luis lässt’s krachen!

Reaktivierter Torwart und „überragender“ Gleich lassen Lokstedt jubeln

Die Lokstedter Erfolgsformel: Trainer Anto Josipovic (Mi.) mit seinem Vierfach-Schützen Luis Gleich (li.) und „Elferkiller“ Hayko Kalaycioglu. Foto: Kormanjos

„Soll ich? Darf ich?“, entgegnete Anto Josipovic mit einem verschmitzten Lächeln auf die Frage nach der Leistung von Luis Gleich. „Überragend!“, fasste er die Darbietung seines Vierfach-Schützen schließlich in einem Wort treffend zusammen (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Es war nicht nur so, dass er viele Bälle haben wollte, sondern auch wirklich etwas draus gemacht hat. Er war heute extrem produktiv“, lobte Lokstedts „Erfolgsmacher“ seinen „Zauberfuß“, der „in dieser Saison die Verantwortung fürs Team übernommen hat und gerade wieder in aufsteigender Form ist“, so Josipovic. Aufsteigende Form? Na dann blüht der Konkurrenz in den kommenden Wochen ja so einiges…

Schanze-Coach Mattes Sandhop (li.) war mächtig bedient. Foto: Kormanjos

Schon vor Beginn des Gastspiels der Eintracht beim SC Sternschanze überraschte Josipovic mit einer Personalie: Da ihn seine etatmäßigen Torhüter nicht zur Verfügung standen, reaktivierte er Hayko Kalaycioglu. Der mittlerweile 33-Jährige hütete schon beim SC Victoria, Concordia, FC St. Pauli II, Altona 93 oder auch BU das Gehäuse. „Ich kenne Hayko, seitdem wir Acht sind“, verriet Josipovic, der mit Kalaycioglu zusammen bei Vicky und Cordi spielte. „Er ist ein Riesen-Torwart und hat ein Riesen-Talent, hatte nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er in der Türkei Profi geworden. In den letzten Jahren hat er sich auf seinen Beruf konzentriert und mit dem Fußball aufgehört. Aber wir sind immer in Kontakt geblieben.“ Und der etwas stämmiger gewordene Kalaycioglu zeigte, dass er nichts verlernt hat. „Man sieht einfach: Talent ist Talent – das verlernt man nicht. Er ist nicht nur ein guter Torwart, sondern versteht Fußball.“ Nicht umsonst wird der zuletzt vor über vier Jahren bei Nikola Tesla tätige Kalaycioglu auch „Zizou“ – in Anlehnung an Zinedine Zidane – genannt, „weil er immer mitspielen will“, so Josipovic. Seine Berufung ist es aber, Tore zu verhindern. So auch in der 85. Minute, als er den fast schon bemitleidenswerten, weil haushoch unterlegenen, „Schanzern“ den Ehrentreffer verwehrte, als er einen Strafstoß von SCS-Torjäger Nils Sörensen glänzend parierte. „Der Sieg geht auch ein bisschen mit auf seine Kappe. Er hat eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt und das sehr stark gemacht“, befand Josipovic.

„Wir waren von Anfang an bissig und haben fast jeden Zweikampf gewonnen“

Der Rest war die große Show des Luis Gleich! Josipovic: „Er ist unser wertvollster Fußballer, leider zu oft angeschlagen, weil er oft gefoult und nur einig geschützt wird von den Schiedsrichtern. Aber das ist im Amateurfußball so.“ An diesem Sonntagmittag ließ sich der 26-Jährige jedoch von nichts und niemandem stoppen. Im Gegenteil. Es wirkte fast so, als würde Sternschanze vor den Künsten Gleichs in Ehrfurcht erstarren. Bei den ersten drei Gegentoren gab Außenverteidiger Thomas Zieciak eine mehr als nur unglückliche Figur ab. Erster Nutznießer war Mario Beslic nach einem Johansen-Freistoß (22.). Dann profitierte Gleich von den Aussetzern Zieciaks (30., 43.), ehe er unmittelbar nach Wiederanpfiff einen kapitalen Bock von Matthis Dauelsberg bestrafte, was SCS-Coach Mattes Sandhop auf die Palme brachte (47.). Der Schlusspunkt war ein wahrer Geniestreich von Gleich, der den Ball aus 22 Metern mit der Innenseite in den rechten Winkel streichelte (72.). „Wir sind richtig gut ins Spiel reingekommen, wollten immer den Ball haben, waren von Anfang an griffig, immer einen Schritt schneller, bissig in den Zweikämpfen – und haben fast jeden gewonnen“, konnte Josipovic, der bei Eiseskälte zu Beginn im T-Shirt an der Seitenlinie stand, nur „sehr zufrieden“ mit dem Auftreten seiner Jungs sein.

„Das haben wir uns in den letzten Spielen wieder erarbeitet“

Foto: Kormanjos

Ganz im Gegensatz zu den Gastgebern. Co-Trainer Ulrich Brüning konstatierte ernüchtert: „Wir legen ihnen die Tore ja quasi selber auf. Da war die Körpersprache schon früh nicht mehr da, kein Glaube und auch kein Leben mehr auf dem Platz. Dann konnten sie das ganz locker runterspielen – und das gegen einen Tabellen-Nachbarn. Das kann’s natürlich nicht sein und da sind wir auch ein bisschen perplex im Moment.“ Der Wille habe „die falschen Entscheidungen getroffen“, so Brüning. „Man muss auch mal erkennen, wenn der Gegner so einen Druck macht und man selbst keinen so guten Tag hat, dass man die Dinge dann klar löst.“ Jene Klarheit legten die Lokstedter an den Tag und feierten den dritten Sieg in Folge. „Man hat mich mal gefragt: Was ist, wenn ihr die Euphorie nach dem Aufstieg verliert? Wir haben gut angefangen und hatten dann ein kleines Tief, indem es nicht so lief – auch wenn wir da spielerisch nicht so schlecht waren, nur die Erfolgsmomente und dieses letzte Quäntchen haben gefehlt“, urteilte Josipovic. Die Folge: Harte Arbeit. „Der Turnaround war das Spiel gegen Eidelstedt, wo wir uns durch das Ergebnis wieder Selbstvertrauen geholt haben. Die letzten zwei Spiele waren auf einem richtig guten Niveau, so dass wir uns das jetzt wieder erarbeitet haben.“

Autor: Dennis Kormanjos

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