Landesliga Hansa

„Ein scheiß Spiel“ mit einem „Happyend“ - zumindest für den OSV!

05. November 2022, 18:15 Uhr

Abdul-Mumin Ziba (li.) geht ins Kopfballduell gegen Adrian Apau. Foto: Kormanjos

Grausamer und gruseliger als jede Halloween-Party oder jeder noch so schaurige Horrorstreifen: Die ersten 45 Minuten zwischen dem Meiendorfer SV und dem Oststeinbeker SV (alle Highlights im LIVE-Ticker) entsprachen nicht nur dem Tabellenstand beider Mannschaften, sondern unterboten das Niveau noch einmal bei weitem. Ein Samstagnachmittag, an dem sich der Herbst von seiner allerschönsten Seite zeigte - und der Landesliga-Kick beider Teams von seiner allerschlimmsten. Pleiten, Pech und Pannen, Unzulänglichkeiten, Ungereimtheiten und Unklarheiten an der B75!

Andi Ayim (Mi.) war einer von mehreren Oststeinbekern, die auf eine Vergangenheit beim MSV zurückblicken. Foto: Kormanjos

"Wir machen die die ganze Zeit unnötig stark", schimpfte Oststeinbeks Youness Sbou während einer Verletzungsunterbrechung kurz vor der Pause. Und damit wäre eigentlich auch schon alles zu diesem ersten Abschnitt, in dem Eren Eröksüz die größte Chance vergab, als er komplett freistehend an Risan Halicioglu scheiterte (37.), gesagt. Das fußballerische Niveau: Unterirdischer als unterirdisch!

Doch das änderte sich nach Wiederanpfiff, als urplötzlich das abgeschlagene Schlusslicht nach dem Nichtantritt in der Vorwoche bei Düneberg aufkam und gleich zweimal die Führung auf dem Fuß hatte. Keine 25 Sekunden nach Anpfiff war es Abdul-Mumin Ziba, der einen Kopfball-Querpass von Ali Chamas knapp am Kasten vorbei grätschte (46.), ehe Tyran Bravo Ortega am gänzlich verwaisten Gehäuse vorbei schoss (54.). "Wenn du es schaffst, lange die Null zu halten und dann im richtigen Moment mal in Führung gehen würdest, dann würde das die Mannschaft natürlich nochmal pushen und Extra-Kräfte freisetzen. So lief es wieder in die andere Richtung", haderte MSV-Coach Hakan Yavuz - und sprach damit bereits das an, was folgen sollte.

"Wir haben uns die Pause im falschen Moment gegönnt"

Die ersten 45 Minuten an der B75 boten ganz viel Stückwerk - und waren überaus niveauarm. Foto: Kormanjos

"Wir haben in der zweiten Halbzeit die Chancen, aber bei zwei fast identischen Standardsituationen geschlafen", monierte Yavuz, dass seine Elf bei zwei Ecken, die beide von Eröksüz scharf nach innen getreten wurden, pennte. Erst veredelte Jeff Pierre den durchhuschenden Ball innerhalb des "Fünfers" mit irgendeinem Körperteil unterhalb des Hosenbundes (68.). Dann nickte Youssef Sbou die Hereingabe am ersten Pfosten schulbuchmäßig ein (77.). "Natürlich ärgert mich das - vor allem, wenn man sieht, wie gut wir davor alles wegverteidigt haben. Aber da haben wir uns als verteidigende Mannschaft bei einer Standardsituation, wo man einfach nur diese drei Schritte mitgehen und Schulter an Schulter stehen muss, die Pause im falschen Moment gegönnt. Der Gegner war zur Stelle und hat das zweimal bestraft", so Yavuz.

"Prominenter" Unterstützer: "Rinik ist da - er will dich spielen sehen"

Erdal Katik ist nun seit gut drei Wochen neuer Cheftrainer beim Oststeinbeker SV: Foto: Kormanjos

Und hintenraus wurde es noch deutlicher, weil Eröksüz seinen "Assist-Hattrick" mit einem tollen Pass in die Schnittstelle perfekt machte und der ehemalige Meiendorfer Christian Ayim - spielte ebenso wie Youssef Sbou schon an der B75 - herrlich per Chip mit links vollstreckte (83.). Keine 60 Sekunden später setzte der eingewechselte Kevin Zschimmer, der zuvor schon das leere Tor verfehlte (72.), nach einer Stafette über Andi und Christian Ayim den Schlusspunkt (84.). Und erhielt dabei "prominente" Unterstützung. "Rinik ist da. Er will dich spielen sehen", sagte OSV-Co-Trainer Erdinc Örün, als er Zschimmer zur Bank rief - und meinte damit den Dassendorfer Rinik Carolus, der im zweiten Durchgang unter den Zuschauern weilte und bei Zschimmers vergebenem Tausendprozenter die Augen noch weit aufriss.

Katik: "Natürlich ist das in den Köpfen der Jungs drin"

Am Ende setzten sich die in Rot gekleideten Gäste vom Meessen nach torloser erster Halbzeit mit 4:0 beim Schlusslicht durch.

Obwohl es letztendlich wieder deutlich wurde, befand Yavuz, "dass heute auf jeden Fall etwas drin war". Er habe aber auch schon, wie er hinterher verriet, zu seinem Co-Trainer gesagt: "Wer heute das erste Tor macht, der hat schon mehr als die halbe Miete."

Über ganz weite Strecken habe sich seine Mannschaft "das Leben selbst schwer gemacht", konstatierte derweil der neue Oststeinbek-Trainer Erdal Katik, der nun seit gut drei Wochen das Ruder am Meessen innehat. "Aber ich habe meinen Jungs von vornherein gesagt, dass das ein ganz schweres Spiel wird." Der Grund: "Es ist natürlich in den Köpfen der Jungs drin, wenn sie auf die Ergebnisse und die Tabelle gucken. Zum Glück haben wir in der zweiten Halbzeit die Kurve bekommen", habe er "nur darauf gewartet, dass das erste Tor mal fällt", so Katik. Nach dem "Wie" fragt schob morgen keiner mehr. "Die drei Punkte zählen. Aber es war einfach ein scheiß Spiel!"

Autor: Dennis Kormanjos

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