Testspiel

Ein junger Bär erlegt die "Tauben"

25. Juli 2021, 17:30 Uhr

Altonas Andre Wallenborn (Mi.) spielt den Ball an Lion Mandelkau (li.) vorbei. Foto: Kormanjos

Der Bär erlegt die „Tauben“ - so oder so ähnlich könnte man den Testkick zwischen dem USC Paloma und dem Altonaer Fussball-Club kurz und knapp zusammenfassen. Mit einem Doppelpack sorgte AFC-Youngster Niklas Bär für einen 2:0-Sieg des Regional- beim klassentieferen Oberligisten (LIVE-Ticker zum Nachlesen). Nichtsdestotrotz konnten beide Parteien nach Schlusspfiff zufrieden mit ihrer Mannschaft sein…

AFC-Coach Andreas Bergmann instruiert seine Mannschaft während der Trinkpause. Foto: Kormanjos

Der AFC mit viel Ballbesitz und dem Versuch, den Gegner bei den hohen Temperaturen müde zu spielen. Ein Pfostentreffer von Kevin Krottke vor der Trinkpause (15.), eine Doppelchance durch Peer Mahncke, dessen Abschluss Thor-Arne Höfs glänzend parierte, und Andre Wallenborn nach der Wiederaufnahme des Spiels (36.). Letztgenannter war es auch, der seinen linken Fuß beim Führungstreffer im Spiel hatte: Wallenborns Freistoß-Chip aus dem Halbfeld wurde von USC-Kapitän Max Krause aus der Gefahrenzone geköpft - allerdings landete das Spielgerät genau bei Youngster Niklas Bär. Dieser zog aus leicht halblinker Position nach innen und nagelte das Leder aus 20 Metern in den rechten Knick (41.) - ein Traumtor! „Den hat er natürlich super getroffen“, schwärmte auch sein Trainer Andreas Bergmann - und führte aus: „Niklas ist generell ein spannender Spieler. Wenn man ihn manchmal beobachtet, wirkt es vielleicht so, als wäre er von der Körperhaltung nicht ganz auf dem Platz. Aber er ist sehr präsent und hat schon mehrfach angedeutet, dass er einen super Schuss hat. Und dann ist es natürlich umso schöner, wenn sich die Jungs für ihre Arbeit belohnen und eine Bestätigung dafür bekommen.“


USC-Coach Nitsch hat gemeinsame Vergangenheit mit Doppeltorschütze Bär

Ähnlich spektakulär war der Abschluss des 18-Jährigen beim 2:0 für die „Bergmänner“ - dieses Mal musste der vom ETV aus der A-Jugend an die „AJK“ gewechselte Jungspund das Runde aber auch im Eckigen unterbringen. Dem Treffer ging eine Balleroberung von Tom Burmeister und ein Schussversuch von Djavid Abdullatif voraus. Höfs wehrte den Ball nach vorne ab, wo Bär parat stand und die Kugel aus wenigen Metern mit vollem Risiko in den rechten Winkel manövrierte (48.). Mit seinem Doppelpack entschied Niklas Bär die Partie an der Brucknerstraße - und gegen seinen Ex-Trainer Marius Nitsch, der den Altonaer aus Zeiten vom Stützpunkt noch bestens kennt. Dass Nitsch’ Palomaten am Ende ohne Torerfolg blieben, lag auch an der spektakulären Parade des ehemaligen USC-Keepers Frederick Lorenzen gegen Jassin Zabihi (82.).

"Zu Beginn etwas zu ehrfürchtig und nicht so mutig"

Mit seinem Doppelpack avancierte Niklas Bär zum AFC-Matchwinner. Foto: KBS-Picture.de

Das Fazit des neuen „Tauben“-Dompteurs fiel im Anschluss - trotz der 0:2-Pleite gegen den klassenhöheren Kontrahenten - recht positiv aus: „Ich fand uns sehr bissig, leidenschaftlich und intensiv. Wir haben uns vorgenommen, das Spiel im Mittelfeld-Pressing sehr kompakt anzugehen und Altona wenig Räume zu bieten. Sie hatten in der Anfangsphase zwar viel Ballbesitz, aber wenig zwingenden Aktionen. Wir wollten es schon provozieren, dass der Gegner aus der Innenverteidigung heraus viele lange Bälle spielt. Das hat ganz gut geklappt, es fehlte uns nur die Ruhe im eigenen Ballbesitz. Da waren die Bälle zu schnell weg.“ Sein Team sei zu Beginn „etwas zu ehrfürchtig und nicht so mutig, wie wir uns das vorgestellt haben“, gewesen, befand Nitsch. „Dennoch haben wir nicht viel zugelassen und der Plan ist - bis auf das Gegentor kurz vor der Halbzeit - aufgegangen.“ Nach der Pause habe man sich vorgenommen, „etwas mutiger zu sein und in Phasen auch im Angriffspressing Anzulaufen. Nehmen wir das schnelle 0:2 mal raus, als wir ohne Not einen Ball ins Zentrum spielen, hatten wir auch viel bessere Ballbesitzphasen und hätten uns mit einem Tor belohnen müssen. Nichtsdestotrotz war es ein super Test für uns, der viel Spaß gemacht und einige lehrreiche Erkenntnisse gebracht hat.“

"Es kann nicht sein, dass der Gegner mehr will als wir"

Paloma-Trainer Marius Nitsch (re.) gibt Lennard Wallner Anweisungen von außen. Foto: Kormanjos

Sein Gegenüber verriet hinterher, was er seinen Mannen vor dem Spiel mit auf den Weg gab: „Ich habe den Jungs gesagt, dass es nicht sein kann, dass der Gegner im Kopf mehr will als wir, sondern dass man daran arbeitet, eine gewisse Präsenz zu haben. Das haben wir richtig gut gemacht, wenig zugelassen und das Spiel angenommen. Deshalb bin ich unterm Strich auch wirklich zufrieden, wenngleich wir natürlich noch an vielen Dingen basteln können“, resümierte Bergmann - und lobte auch den Gegner, mit dem er sich während der 90 Minuten das eine oder andere verbale Scharmützel lieferte: „Sie haben das gut gemacht, wollten sich immer zeigen und waren auch körperlich sehr präsent, so dass unsere jungen Spieler auf dem Gebiet auch erste Erfahrungen sammeln konnten“, ist sich der einstige Bundesliga-Coach sicher. Und obwohl sein Team bereits am Samstag bei ähnlichen Temperaturen spielte und auf einige Akteure verzichten musste, konstatierte er in der 62. Spielminute mit einem Augenzwinkern: „Wir haben Phasen, wo es nach Fußball aussieht!“

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