06.04.2019

„Ein interessantes Landesligaspiel in ein falsches Licht gerückt“

Kurz vor der Eskalation: HSV III vs. Lokstedt artet aus

Kurz vor Schluss ging es vor dem HSV III-Fanblock hoch her und kam zu Ausschreitungen. Foto: Kormanjos

Jendrik Bauer brachte es auf den Punkt: „Das sind einfach unschöne Szenen, die nicht zum Fußball gehören und die ein interessantes Landesligaspiel in ein falsches Licht gerückt haben!“ Gemeint hatte der „Matchwinner“ des HSV III, der nach seiner Einwechselung mit zwei Treffern und einer weiteren Torbeteiligung maßgeblichen Anteil am 3:1-Sieg (HIER gibt’s alles zum Spiel) seiner „Rothosen“ gegen Eintracht Lokstedt hatte, das, was sich in der Schlussminute auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Norderstedt abspielte. Die Partie zwischen dem Hammonia-Primus und dem Gast aus Lokstedt stand unmittelbar vor der Eskalation und sogar vor dem Abbruch… 

Nachdem Eintracht-Akteur Mohamed Ali einen Ball aus den Zuschauerrängen der Hausherren unsanft an die Brust geworfen und dabei, laut Aussagen der Gäste, noch einen Spruch unter der Gürtellinie gedrückt bekam, warf er die Kugel mit Schmackes zurück in Richtung des HSV III-Anhängers. Daraufhin kam es zu einer Rudelbildung, in der Fäuste und Bierbecher aus dem Block der „Rothosen“ flogen, sämtliche Lokstedter Spieler zusammenkamen, sich wehrten und auch beidseitig verbale Entgleisungen damit einhergingen. Als sich die Situation etwas beruhigte, der HSV III die eigenen „Fans“ vorzeitig von der Anlage verbannte und Referee Lasse Holst nicht nur Ali für dessen Wurf in Richtung Zuschauer die Rote Karte zeigte, sondern wenige Augenblicke später auch noch Ante Beslic aufgrund einer vermeintlichen Schiri-Beleidigung sowie Ersatzspieler Ferhan Aksoy (angebliches Spucken) den roten Karton aufdrückte - zuvor flog bereits Ersin Cavus mit Gelb-Rot (69.) -, versuchte EL-Coach Anto Josipovic die Situation zu beruhigen: „Wir spielen das zu Ende“, rief er seinen Mannen mehrfach zu. Referee Holst ließ die Begegnung nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten und anschließender Stadion-Durchsage über die Lautsprecher, dass beim nächsten Vorfall der Abbruch droht, fortsetzen und zu Ende spielen.

„Wenn die das meinen, haben sie das Problem nicht erkannt und fördern es“

„Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird. Lokstedt hat das wirklich gut gemacht“, erkannte HSV III-Coach Marcus Rabenhorst die sportliche Leistung des Gegners an – aber: „Ich muss ganz ehrlich sagen, und ich habe auch schon eine Menge mitgemacht im Fußball, aber eine so unfaire Mannschaft habe ich lange nicht mehr erlebt. Punkt.“ Eine Aussage, die Josipovic so nicht stehen lassen wollte und konnte. „Eigentlich wollte ich das gar nicht kommentieren. Aber wenn ich so etwas hören muss, nachdem kein einziger Ordner zugegen war, Zuschauer auf meine Spieler losgehen, wir trotzdem weiterspielen und ich meine Jungs dazu auffordere, das Spiel zu Ende zu bringen, damit es keinen Abbruch gibt, und die uns dafür kritisieren, dann spricht das nicht gerade für den Charakter“, so Josipovic, der anfügte: „Wenn die meinen, dass das für all das, was nach der 90. Minute passiert ist, ausschlaggebend war, und die sich nicht darum kümmern, dann erkennen sie noch immer nicht das Problem des Ganzen uns fördern es auch noch. Das muss man so deutlich sagen.“ Der Übungsleiter der Eintracht echauffierte sich insbesondere darüber, dass „Leute auf unsere Spieler einprügeln und kein einziger Ordner da war“.

„Es war kein einziger Ordner da“

Die Lokstedter waren mit diversen Entscheidungen nicht einverstanden. Foto: Kormanjos

Das hitzige Duell hatte aber schon zuvor die eine oder andere knifflige Situation zu bieten – allerdings auf dem Platz. „Es ist im Fußball immer so, wenn man oben ist, kriegt man diese Fifty-Fifty-Situationen zugesprochen“, ärgerte sich Josipovic vor allem über jene Szene, die sich in der 27. Spielminute ereignete, als Luis Gleich auf dem Weg zum Tor von Jerry Sampaney, der letzter Mann war, ausgebremst wurde. „Wenn das ein HSV-Spieler gewesen wäre, hätte er mindestens einen Freistoß zugesprochen bekommen. Es waren einige strittige Situationen, die gegen uns ausgelegt wurden. Das ist schade – denn beide Mannschaften wollten das nicht. Es wurde so ein bisschen befeuert. Die haben ihr Spiel gemacht, wir unser Spiel – und der Schiedsrichter hat sein Spiel gemacht“, befand Josipovic, der sein Team aber nicht gänzlich aus der Kritik nahm: „Ich habe meinen Jungs auch gesagt, dass ich 90 Minuten lang stolz auf sie war. Aber wie wir dann auf das, was vorgefallen ist, reagiert haben, das muss nicht sein – das darf nicht sein. Wir haben ein bestimmtes Auftreten und das gehört nicht dazu. Man fühlt sich bei uns eigentlich sicher und wohl, solche Sachen sind bei uns nie vorgekommen. Jetzt haben wir drei Rote Karten in einem Spiel – auch durch Provokationen und durch den Umstand, dass hier kein einziger Ordner war.“ Angesprochen auf die Schiedsrichter-Leistung, entgegnete der Lokstedt-Dompteur: „Er hatte keine klare Linie, hat strittige Situationen nicht richtig bewertet. Nichtsdestotrotz ist es auch schwierig für ihn. Denn er kriegt auch extremen Druck von außen. Die schreien bei jeder Situation auf ihn ein. Und wenn da 200 Leute gegen dich brüllen, dann musst du auch erstmal die Eier haben, eine Entscheidung gegen den großen Favoriten zu treffen.“ Aber: „Die wichtigen Szenen haben sie in meinen Augen nicht richtig beurteilt.“

„Das hat absolut nichts auf dem Sportplatz verloren“

Sein Gegenüber habe die Aktion in der Schlussminute „nicht gesehen“, wie er meinte, „nur in letzter Konsequenz, wie der Lokstedter Spieler den Ball in die Zuschauer wirft. Ich weiß nicht, was danach los war. Aber das gehört hier nicht her. Mal gucken, inwieweit man das die nächsten Tage aufarbeiten kann“, suchte Rabenhorst nach Lösungsansätzen. Seine Elf habe rein sportlich betrachtet in der zweiten Halbzeit „ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Wir waren viel zielstrebiger und hatten viel mehr Tempo im Spiel. Dadurch sind wir dann auch vermehrt zu Chancen gekommen, haben in der Konsequenz nachher auch verdient den Ausgleich gemacht und sind zurecht in Führung gegangen“, so Rabenhorst, ehe er auf Nachfrage, was der Erfolg in Sachen Meisterschaftskampf bedeuten würde, entgegnete: „Mit jedem Sieg kommt man dem ein Stückchen näher. Jetzt sind es acht Punkte und Paloma muss erstmal nachlegen. Aber wir wissen, dass wir noch ganz schwierige Gegner vor der Brust haben.“ In dieselbe Kerbe sprang Doppeltorschütze Bauer: „Es ist natürlich ein schönes Polster. Aber man darf sich darauf nicht ausruhen, das haben wir gerade heute wieder gesehen. Das Spiel stand auf des Messers Schneide und hätte genau so gut auch verloren gehen können. Von daher müssen wir einfach weiter unsere Hausaufgaben machen. Denn wir haben noch schwere Aufgaben vor der Brust, da haben wir noch lange nicht gewonnen. Dementsprechend wären wir gut beraten, uns längst noch nicht in Sicherheit zu wiegen, sondern weiter Gas zu geben. Dann denke ich, dass wir ein gutes Blatt in der Hand haben.“

Abschließend gestand er – angesprochen auf die tumultartigen Schlusssequenzen: „Natürlich hat man dann so eine gewisse Angst im Hinterkopf, weil es einfach eine unnötige Rudelbildung war. Wer da wie eingegriffen hat, vermag ich jetzt nicht zu beurteilen. Aber ich bin froh, dass der Schiedsrichter aus meiner Sicht richtig entschieden und weiterlaufen lassen hat. Trotzdem: Das hat absolut nichts auf dem Sportplatz verloren!“ Dem kann man sich nur anschließen…

Autor: Dennis Kormanjos

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