Landesliga Hansa

Ein „geiles Spiel“ mündet in „mega Kompliment“: Ahrensburg wird zu Altengammes Schweden-Schock

24. Oktober 2020, 19:04 Uhr

Kein Durchkommen: Altengammes Philip Alpen (MI.) zieht gegen Erik Bielesch (li.) und Malte Kohlsaat den Kürzeren. Foto: Knötzsch

Viel hätte, übertrieben gesagt, nicht mehr gefehlt, und Philipp Mohrs Gesicht hätte vielleicht eine ähnliche Farbe angenommen, wie das rote Leibchen, das der Ligaobmann des SV Altengamme über der blauen Trainingsjacke trug. Jedenfalls hätte man dies an der Lautstärke von „Flippo“, wie Mohr beim Landelsigisten vom Gammer Weg genannt wird, in der zweiten Hälfte der Partie gegen den Ahrensburger TSV vermuten können. Denn der 22-Jährige war zu diesem Zeitpunkt alles andere als „amused“ über die Darbietungen der eigenen Schützlinge. „Wie kann man die immer wiederbeleben...“, entfuhr es Mohr wütend beim Blick auf das Spielfeld, wo der SVA sich im zweiten Durchgang tatsächlich als „Lebensretter“ für den ATSV entpuppte, so dass dieser am Ende ein 4:4 erreichte – und das nach einem zwischenteztlichen 1:3 und 2:4-Rückstand 

„Dieses Unentschieden fühlt sich wie ein Sieg an“, frohlockte entsprechend auch ATSV-Trainer Matthias Nagel im Anschluss an die Begegnung, als ihn seine Spieler im Kreis umringten und bezeichnete das Match am Gammer Weg anschließend als „geiles Spiel“. Ein Umstand, den Jan Krey so natürlich nicht mitgehen wollte. „Das war vogelwild“, erklärte der Coach des SVA. „Am Ende können wir froh sein, dass wir einen Punkt hier behalten. Obwohl wir selbst den aus meiner Sicht nicht verdient haben. Das ist absolut enttäuschend“, ging Krey mit seinen Schützlingen hart ins Gericht. Verständlich hatten diese doch „eine vernünftige erste Halbzeit“ gespielt, wie der Übungsleiter der Hausherren befand, „wir führen zur Pause mit 3:1 und haben aus meiner Sicht alles im Griff.“

Wütender Mohr: „Wie kann man die immer wiederbeleben...?“

Flugphase: Altengammes Lasse Voigt (li.) visiert das Leder an. Thorben Schünzel kommt zu spät. Foto: Knötzsch

Aber so ein Fußballspiel hat, die alte Weisheit lässt grüßen, eben nicht nur 45, sondern insgesamt 90 Minuten – und der zweite Teil des Kicks vor den 150 Zuschauern auf dem Rasen am Gammer Weg dürfte auf Seiten der Hausherren nun wahrlich keinem gefallen haben. Da hatte der SVA vor dem Seitenwechsel eigentlich nahezu alles richtig gemacht, war durch Jonas Buck in Führung gegangen, hatte Lukas Heitmanns Ausgleich (16.) mit dem 2:1 durch Buck (26.) und dem 3:1 durch Lasse Voigt (32.) beantwortet und wusste anschließend nach Wiederbeginn sogar das 2:3 durch Marc Misselhorns Knaller aus 30 Metern (48.) mit dem 4:2 von Max Böttcher zu kontern – doch von da an ging's bergab, wie Jan Krey nach dem Spiel umumwunden feststellte: „Das 2:3 war schon absolut blind von uns, aber wir antworten mit dem 4:2 gut. Danach sagt man eigentlich: Wir haben das Momentum auf unserer Seite – aber wir kriegen es tatsächlich hin, mit dem geschossenen Tor zum 4:2 hin, das Spiel komplett abzugeben. Das war eine ganz ganz schlechte Leistung von uns ab diesem Zeitpunkt.“  

Krey: „Selbst den einen Punkt haben wir aus meiner Sicht nicht verdient“

Trostspender: Matthias Nagel (re.) mit Jonas Buck, den der ATSV-Trainer als besten Altengammer auf dem Feld würdigte. Foto: Knötzsch

Und die mündete schließlich in zwei weiteren Treffern für den ATSV: Erst traf Marco Vogler zum 3:4 (58.), dann köpfte Bennet Gollin zum 4:4 (72.) ein. Und hätte Schiedsrichter Sandro Birkenhof dazwischen in der 63. Minute so wie schon vor der Pause (nach 28 Minuten hatte Dominik Scheu Heitmann gelegt und Alexandros Tatsis den Elfmeter an den Pfosten geschossen) auf Strafstoß entschieden, nachdem Finn-Gerrit Ahrend in der Altengammer Box zu Boden ging – wer weiß, wie die Partie dann am Ende ausgegangen wäre!? Apropos Ahrend: Der hatte in der 79. Minute tatsächlich sogar noch den fünften Treffer für die Ahrensburger auf dem Fuß gehabt, war aber an SVA-Keeper Nick Kiesling gescheitert. „Ich bin wahrscheinlich glücklicher als mein Trainerkollege, auch wenn wir hinten raus das fünfte Tor machen können, wenn wir das Ding besser ausspielen“, vermutete Matthias Nagel im Anschluss an die Begegnung treffend, wusste aber auch; „In der ersten Halbzeit waren wir ein bisschen schlecht sortiert. Altengamme hat uns immer wieder mit langen Bällen überspielt und hatte mit Jonas Buck zudem den Spieler des Spiels, der immerhin zwei Tore selbst gemacht, eins vorbereitet und eins mit eingeleitet hat.“

Nagel: „Das war ein bisschen vogelwild, aber wir mussten in der zweiten Hälfte auch vogelwild sein“

Alles unter Kontrolle: Der Ahrensburger Bennet Gollin (re.) kann vor Jonas Buck klären, links Erik Bielesch. Foto: knötzsch

Aus Ahrensburger Sicht, so Nagel weiter, habe „nach dem verschossenen Elfer und dem 1:3 alles gegen uns gesprochen. Da denkst du auch schon mal: Was ist das für ein scheiß Tag? Aber wir hatten in der Kabine das Gefühl: Da geht noch was! Ich habe witziger Weise in der Pause gesagt: Denkt mal an Deutschland, Die haben gegen Schweden auch mal 4:0 geführt und am Ende 4:4 gespielt. Das jetzt bei uns genau dieses Ergebnis rauskommt, ist schon geil.“ Ein wenig, so der ATSV-Übungsleiter, habe seine Elf „von dem Fehler vor dem 2:3 profitiert, wo Misselhorn den Ball im Eck versenken kann. Dann kriegst du das 2:4 und denkst dir: Scheiße, schon wieder ein Nackenchlag. Aber wir sind weiter gegangen. Ein mega Kompliment an meine Mannschaft, Die Jungs haben gezeigt, dass sie Landesliga können. Wir haben schließlich nicht gegen irgendwen gespielt. Ich sehe Altengamme in der Abrechnung zusammen mit dem ASV Hamburg und dem SC Condor weit vorne. Wir haben uns gegen eine solche Mannschaft gut präsentiert und einen Punkt geholt.“ Vielleicht, so Nagel weiter, „war das ein bisschen vogelwild, aber wir mussten in der zweiten Hälfte auch vogelwild sein. Was willst du ein 1:3 verwalten? Insofern bin ich mega stolz auf die Truppe. Wir haben jetzt als Aufsteiger sieben Punkte, damit sind wir sehr sehr glücklich.“

Jan Knötzsch 

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