07.03.2019

Ein ganz besonderes Versprechen: „Ich will den Wunsch für meinen Bruder erfüllen“

Im Porträt: Manasse Fiounoke – der „Kicker des Monats Februar“

Seit dieser Saison trägt Manasse Fionouke, der aus der Niendorfer A-Jugend kam, das Vicky-Trikot. Foto: KBS-Picture.de

Die FussiFreunde-User hatten die Wahl – und sie haben sich entschieden. Recht deutlich sogar: Mit 179 Stimmen wurde Manasse Fionouke vom SC Victoria zum „Kicker des Monats Februar“ gewählt. Wir haben uns mit dem 19-Jährigen, der seit Beginn der Saison für den Club von der Hoheluft spielt, über diese Wahl sowie seine bisherige Fußballer-Karriere und seine Ziele für die Zukunft unterhalten. Herausgekommen ist ein angenehmes Gespräch mit einem bodenständigen Typen, den sie beim SCV besonders schätzen, wie eine Szene vom vergangenen Freitag verrät.

Es war kalt an diesem Abend am Bekkamp nach den sonnigen Tagen zuvor. Das Auswärtsspiel der Gäste gegen Concordia lief bereits einige Zeit, als Vickys Präsident Ronald Lotz zwischen den Trainerbänken neben seinem Vorgänger Hellmuth Korte und weiteren Zuschauern auftauchte. Irgendwann interessierte sich Lotz für die Resultate von den anderen Plätzen und ließ sich von seinen Nebenleuten unterrichten. Unter anderem darüber, wie es bei der Partie zwischen dem TuS Osdorf und Altona 93 stand. Als die Sprache auf Osdorfs Torschützen Jeremy Wachter kam und Lotz von jemandem gefragt wurde, ob der „Bomber vom Blomkamp“ denn auch gegen Vicky getroffen haben, verneinte Lotz und erklärte, Wachter habe ja gegen „Mana“ gespielt. Der Vicky-Boss meinte niemand geringeren als Manasse Fionouke. Und er garnierte die Info für seinen Nebenmann mit folgendem Satz: „An dem kommt keiner so schnell vorbei.“

„Es macht einen stärker und motiviert, mit solchen Jungs zu konkurrieren“

In dieser Saison stand Fionouke (vo.) für den SC Victoria in bislang 21 Oberliga-Spielen auf dem Platz. Foto: KBS-Picture.de

Fionouke selbst stand an besagtem Freitag gegen Concordia nicht auf dem Platz. In jenem Osdorf-Spiel, das Lotz erwähnte, hatte Fionouke einen Schlag aufs Sprunggelenk bekommen. Für einen Einsatz bei Cordi reichte es letztlich nicht. Als Zuschauer war „Mana“, wie sie ihn nennen, aber trotzdem dabei – und sogar schon eine knappe Stunde vor Spielbeginn am Bekkamp vor Ort. Ein Ausfall, den Vicky gegen die Mannschaft von Trainer Frank Pieper-von Valtier auffangen und das Spiel mit 3:0 gewinnen konnte. Sonst aber ist Fionouke aus der Equipe des derzeitigen Tabellendritten irgendwie nicht mehr wegzudenken. Insgesamt 21 Mal stand er in der laufenden Spielzeit für den SCV auf dem Platz – eine beeindruckende Bilanz für einen 19-Jährigen, der aus der A-Jugend kommt und seine erste Herrensaison spielt. Ein Umstand, der auch Fionouke selbst überrascht? „Ich habe vor der Saison nichts gesagt, sondern von Anfang an mein Potenzial abgerufen und gezeigt. Letztlich hab ich mich durchgesetzt und kann sagen: Jetzt bin ich da, es weht ein neuer Wind“, konstatiert „Mana“, der in der Defensive der Victorianer namhafte Mitbewerber wie Felix Schuhmann, Yannick Siemsen oder Yannick Petzschke hat.

Verstecken, so viel Selbstvertrauen hat Fionouke mit an die Hoheluft gebracht, will er sich hinter seinen Teamkollegen nicht. Im Gegenteil: Er zieht den Nutzen daraus, mit derart gestandenen Oberliga-Kickern trainieren und zusammenspielen zu können. „Es macht einen stärker und motiviert, mit solchen Jungs zu konkurrieren. Man will immer mehr machen und noch mehr aus sich rausholen“, verrät Fionouke, der nach eigener Aussage „nicht damit gerechnet“ hat, dass er bei der „Kicker des Monates“-Wahl „überhaupt dabei sein würde. Aber ich bin stolz darauf, dass meine Leistung so gewürdigt wird und ich am Ende auch noch gewonnen habe. Ich möchte mich bei allen Freunden, die mich unterstützt und gewählt haben, bedanken. Ich bin sehr froh darüber“, ergänzt der Mann mit der Nummer 20 und erklärt mit Blick auf Vicky im Allgemeinen: „Wir haben durch die neuen Trainer einen Ruck bekommen, jetzt geht es wieder Vollgas nach oben.“

„Mein Ziel ist es, in der nächsten Saison in der Regionalliga zu spielen“

Der Ball liegt im Netz, der Jubel-Lauf folgt: Gegen den TuS Osdorf erzielte Fionouke (Zweiter v. re.) sein erstes Oberliga-Tor. Foto: Bode

Über die Zusammenarbeit mit dem Duo Fabian Boll/Marius Ebbers spricht Fionouke in den höchsten Tönen. „Sie bringen uns allen viel bei. Ich bin wahnsinnig stolz, von den beiden viel zu lernen“, erklärt er, vergisst aber auch nicht Jean-Pierre Richter, der ihn an die Hoheluft holte: „Ich bedanke mich bei ihm und bin sehr glücklich, dass er an mich geglaubt hat“, so der 19-Jährige, der zuvor in der A-Jugend des Niendorfer TSV kickte. Warum er nicht am Sachsenweg die ersten Oberliga-Schritte macht, sondern den Umweg über Vicky wählte? „Niendorf hat mich nicht rechtzeitig angesprochen. Ich wollte eigentlich in die Regionalliga, aber das kam zu spät. In Niendorf konnte man mir nicht garantieren, dass ich immer in der Oberliga-Mannschaft mittrainieren kann. Also habe ich mich entschieden, woanders hinzugehen“, erklärt der Innenverteidiger und liefert damit auch gleich das nächste Stichwort: Regionalliga – ist Vicky also nur eine Durchgangsstation? „Ich möchte gerne den nächsten Step machen, deswegen ist es mein Ziel, nächste Saison in der Regionalliga zu spielen“, bekräftigt Fionouke und erklärt dann: „Ich sehe es so: Ich gucke, wie es sich entwickelt und wie weit man es nach oben schafft. Für mich ist immer nur die Frage, wie viel Kraft und Potenzial habe ich, um den nächsten Schritt weiterzugehen.“

Auf jeden Fall, so „Mana“ wünsche er sich „dass es für mich noch höher gehen soll. Aber da kommt es natürlich auch immer darauf an, welche Mannschaft Interesse hat.“ Dass es Fionouke so weit wie möglich nach oben zieht, hat nicht nur sportliche Gründe. Da ist auch noch etwas anderes, was den jungen und sympathischen Abwerhrmann antreibt: „Bei mir geht’s um eine familiäre Situation. Ich haben meinen Bruder verloren mit 13 Jahren. Er ist durch einen Fußball-Unfall verstorben. Davor haben wir uns ein Versprechen gegeben, dass wir beide Profis werden. Diesen Wunsch will ich für meinen Bruder erfüllen“, sagt Fionouke, „deswegen war es auch so emotional, als ich das Tor gegen Osdorf geschossen habe und zum Trainer gerannt bin. Ich habe versucht, keine Träne fallen zu lassen. Aber es hat mich mitgenommen in dem Moment.“ Überhaupt: Die Familie hat für Fionouke eine große Bedeutung. Und so zählt er nicht nur Richter und seinen Ex-Niendorfer Jugend-Trainer Andreas Prohn auf, als es darum geht, wem er für die Entwicklungsschritte in seiner Karriere dankbar ist, sondern eben auch die Familie und seine Freundin Jenny: „Sie unterstützen mich alle, wo sie nur können“, freut sich Fionouke darüber, dass er aus diesem Zusammenhalt Kraft ziehen kann. Kraft, die ihm dabei helfen soll, im Idealfall das Versprechen an seinen Bruder einzulösen...

Jan Knötzsch 

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