15.02.2019

Ein dreifacher Donnerhall: „Bohne schießt! Bohne schießt! Bohne schießt!“

Niendorf trotzt dem Druck - Osdorf wacht zu spät auf

Nach dem Motto „Dort geht’s lang“ versucht der emsige Ilyas Afsin (Mi.) dem Freistoß-Schützen und Ex-Profi Daniel Brückner taktische Anweisungen weiterzugeben. Foto: Kormanjos

Als dem Niendorfer TSV wenige Augenblicke vor der Pause (alle Highlights im LIVE-Ticker) ein viel versprechender Freistoß zugesprochen wurde, legte Co-Trainer Jörg Steinbach sein ganzes Volumen in seine ohnehin schon einem Reibeisen gleichende Stimme: "Bohne schießt! Bohne schießt! Bohne schießt!", hallte es über den ganzen Platz - nachdem die Versuche zuvor von Lennard Speck nicht den gewünschten Erfolg brachten. Zunächst schien es fast so, als wäre der dreifache Donnerhall Steinbachs unerhört geblieben. Denn erst legte sich Ilyas Afsin den Ball im rechten Halbfeld der Osdorfer Hälfte zurecht, ehe doch der von Steinbach vehement geforderte Daniel Brückner zur Tat schritt...

Der Ex-Profi schlug das Spielgerät scharf auf den ersten Pfosten, wo Adam Benn und Tim Jobmann zum Kopfball hochstiegen. Der Niendorfer Kapitän schob sich vor seinen Widersacher und schädelte ins kurze Eck ein (43.)! Während der Jubel bei den "Sachsenweglern" groß war, dachte Steinbach schon wieder weiter und mahnte seine Mannen im Überschwang der Freude zu "noch mehr" auf und legte nach: "Jetzt noch konzentrierter!" Chefcoach Ali Farhadi meinte anschließend mit einem leichten Schmunzeln: "Ich bin ja froh, dass er so ein lautes Organ hat", und führte aus: "Jörg ist ein Fachmann, was das angeht - und letztlich macht ihn das aus, dass er solche Sachen sieht. Er ist für uns in Niendorf ein Riesenfreund." Und jemand, der die Mannschaft stets und zu jeder Phase des Spiels lautstark nach vorne peitschte - oftmals zu vehement, aber offenbar mit Erfolg. "Es war von Beginn an richtig gut geführt von uns", sah Farhadi, der hinterher zugab, dass "der Druck schon groß war", einen lange Zeit dominanten NTSV. "Wir haben das gut umgesetzt, in der ersten Halbzeit sehr diszipliniert und aus einer guten Ordnung heraus gespielt", so Farhadi. "Wir kommen dann auch gut aus der Halbzeit raus, müssen eigentlich das zweite und das dritte Tor machen.“

Spranger verkürzt - TuS-Chancenwucher in der Schlussphase

Am Blomkamp ging es zwischen beiden Teams richtig zur Sache. Foto: Kormanjos

Zumindest Treffer Nummer zwei sollte den Gästen gelingen, als der bärenstarke Tim Philipp Krüger den Ball im Spiel hielt und Lennart Merkle die folgende Hereingabe von Malte Wilhelm in die Maschen köpfte (61.). Und was war mit Osdorf? Bis zur 70. Minute nicht viel. Doch dann: Mit Sprangers Schuss, den Brückner - mit der Hand? - von der Linie kratzte (72.), startete das Wiehle-Ensemble einen famosen Schlussspurt. Der Anschlusstreffer von Felix Spranger, der mit seinem 23-Meter-Versuch den gar nicht erst reagierenden Marcel Kindler ganz alt aussehen ließ (83.), leitete ein Chancenwucher der Extraklasse ein. Die wohl größte Gelegenheit auf das 2:2 ließ der freistehende, zurzeit aber in einer kleinen Formkrise befindliche, Jeremy Wachter, der an Kindler scheiterte, liegen (90. +2). "Ich bin der Letzte, der jetzt auf ihn draufhaut. Er hat schon so viele wichtige und entscheidende Tore für uns geschossen. Solche Phasen hat jeder mal", verteidigte Wiehle seinen eigentlichen Knipser, kündigte aber dennoch ein Gespräch mit diesem an.

„Ein richtig gutes Fußballspiel von beiden Seiten“

TuS-„Ikone“ Torben Krause (re.) brachte nach seiner Einwechselung nochmal Belebung ins Offensivspiel. Foto: Kormanjos

Auf die Frage, warum sein Team den Platz als Verlierer verlassen habe, entgegnete der TuS-Trainer derweil: "Weil man ehrlich sein und sagen muss, dass Niendorf die ersten 70 Minuten besser war als wir." Eine sehr ehrliche Einschätzung von Wiehle, der aber auch konstatierte: "Die letzten 20 Minuten hätte das Ding noch komplett kippen können und da rede ich nicht von einem 2:2, sondern das hätte sogar noch für einen Sieg reichen können." Sein Gegenüber betonte unterdessen, dass es "richtig schwer ist, gegen diese Mannschaft zu spielen", aber: "Schlussendlich sind wir klar als verdienter Sieger vom Platz gegangen, weil wir mehr investiert haben", so Farhadi. "Sicher war Osdorf nochmal kurz dran, zumindest einen Punkt hier zu behalten, als wir es ein bisschen schleifen lassen und uns so ein wenig deren Spiel angepasst haben. So war es im Endeffekt nochmal spannend, aber ein alles in allem richtig gutes Fußballspiel von beiden Seiten." Ein Spiel, das für TuS-Kapitän Bennet Krause zur Halbzeit bereits beendet war. "Marvin, hast du gesehen?! Der Vierer hat Gelb!", instruierte Steinbach seinen "Sechser" Marvin Karow - natürlich mit ordentlich Dampf hinterm Kessel. Spielentscheidend sollte das am Ende aber nicht mehr sein...

Autor: Dennis Kormanjos

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