15.03.2019

Die „hungrigen Löwen“ beißen zu: HUFC nicht wie ein Spitzenreiter, VfL nach Sieg glück-„lic“

Lohbrügg bezwingt den Spitzenreiter deutlich mit 4:1

Die Erfolgsfaust geballt: VfL-Kapitän Anto Zivkovic (MItte) bereitete einen Treffer vor und erzielte ein Tor selbst. Foto: Bode

Obwohl auf der Uhr regulär noch fünf Minuten zu spielen waren, war sich Anto Zivkovic seiner Sache sicher. Während der Anhang des VfL Lohbrügge kurz vor dem Ende des Auswärtsspiels bei Hamm United (Hier gibt’s den Liveticker der Partie zum Nachlesen) von der Tribüne im Hammer Park lautstark „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandierte, schritt der VfL-Kapitän zur Auswechselung. Als er an der Seitenlinie angekommen war, klatschte Zivkovic mit Vedran Vidovic ab, der für ihn ins Spiel kam. Dann reckte Zivkovic beide Arme in den dunklen Himmel über Hamm und jubelte. Er sollte recht behalten: Am Ende nahm der VfL tatsächlich die drei Punkte mit nach Hause an den Binnenfeldredder. Und das sogar ziemlich deutlich.

Denn als Marcel Walter, der eine Viertelstunde vor Schluss für Ozan Gencel in die Begegnung gekommen war, in der ersten Minute der Nachspielzeit den Ball an HUFC-Schlussmann Maik Meyer-Wersinger vorbei im Netz versenkt hatte, war das der vierte Treffer des VfL an diesem Abend. Für die Gastgeber stand derweil nur ein einziger Torerfolg zu Buche. Den hatte Stephan Rahn nach 27 Minuten mit einem sehenswerten Freistoß mit dem linken Fuß ins rechte Eck erzielt, nachdem zuvor Alessandro Schirosi zu Fall gebracht worden war. Zu diesem Zeitpunkt lagen die „Geächteten“ allerdings schon mit 0:1 im Hintertreffen. Nach Duro Arlovic' Zuspiel hatte Zivkovic getroffen (11.). Elf Minuten später waren es die gleichen Beteiligten. Diesmal bediente Zivkovic allerdings Arlovic. Der traf aber nur die Unterseite der Latte. Doch Zivkovic und Arlovic probierten es nochmal. Diesmal wieder mit anderen Rollen: Vorarbeit Zivkovic, der zum Tor von Arlovic per Querpass auflegte – 2:1 für Lohbrügge nach 59 Minuten.

Marschall: „Die Art und Weise, wie wir verlieren, ist doof“

Zweikampf unter Freunden: Lohbrügges Danijel Suntic (li.) gegen seinen Ex-Mitspieler Alessandro Schirosi. Foto: Bode

Was folgte, war die Vorentscheidung – und mit ihr der Auftritt des Danijel Suntic. In den letzten beiden Partien hatte der Neuzugang des VfL noch wegen Krankheit gefehlt, diesmal stand er in der Startelf. Und „Sunti“ krönte seinen Auftritt gegen seinen Ex-Club tatsächlich mit einem Treffer. Nachdem Arlovic in der 77. Minute von links einen Freistoß in die HUFC-Box geschlagen hatte, stieg Lohbrügges Nummer elf hoch und köpfte den Ball aus rund zwölf Metern an „Goalie“ Meyer-Wersinger vorbei in die Maschen. Anschließend drehte Suntic jubelnd ab. Von Zurückhaltung, wie man es bei Treffern gegen den „Ex“ kennt, keine Spur. Warum? Das verriet Suntic nach dem Abpfiff. „Ich habe vor dem Spiel mit Schiro (gemeint ist Suntic' Ex-Mitspieler Alessandro Schirosi, Anm. d. Red.) ein Gespräch gehabt. Er hat mir ein, zwei Dinger gesagt. Zum Beispiel, dass er einen extra Torjubel auspackt, wenn er trifft“, erklärte der Neu-Lohbrügger.

So aber war es nicht Schirosi, sondern eben Sunic, der jubeln durfte. Doch trotz des Sieges und seines Treffers blieb der 26-Jährige nach dem Abpfiff zurückhaltend. „Ich freue mich für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Wir sind ein junges Team und ackern von Woche zu Woche“, konstatierte Suntic nach dem Erfolg an alter Wirkungsstätte, der den VfL als Tabellendritten hinter dem Bramfelder SV bis auf vier Zähler an Spitzenreiter United heranrücken ließ, und verriet mit Blick auf seinen „Kumpel“ Schirosi und das erste Pflichtspiel-Duell der beiden gegeneinander: „Ich bin ein Typ, der versucht, wenn er im Spiel ist, so etwas auszublenden. Natürlich weiß man, dass da gegenüber in der Mannschaft – abgesehen vom Freundschaftlichen – auch ein Klasse-Spieler steht. Es hat großen Spaß gemacht. Jedes mal wieder gerne.“ Zumindest letzteres dürfte Schirosi nach der Niederlage der Hausherren wohl nicht so schnell ohne Zögern unterschrieben haben...    

Schneppel: „Wir fühlen uns in der Verfolgerrolle wohl“

Jubel nach dem vorentscheidenden 3:1: VfL-Trainer Sven Schneppel (re.) springt dem ausgewechselten Ozan Gencel in die Arme. Foto: Bode

Auch sein Coach war nicht gerade bester Stimmung. „Die Art und Weise, wie wir verlieren, ist doof. Wir haben es Lohbrügge leicht gemacht. Die waren aggressiver. Ich hab' vorm Spiel gesagt: Es gewinnt nicht die bessere Mannschaft, sondern die, die am meisten kämpft – und das haben sie viel besser gemacht als wir. Wir haben überhaupt nicht gut gespielt. Und wenn man keinen Fußball spielt, verliert man“, bilanzierte Sidnei Marschall. „Beim ersten und zweiten Gegentor verlieren wir den Ball. Die Frage ist, ob es beim 1:2 Abseits war. Ich glaube ja – aber der Fehler geht schon vorher los. Danach haben wir die Köpfe hängen lassen, So präsentiert sich kein Tabellenführer. Wir haben verdient verloren“, sagte der HUFC-Übungsleiter und ergänzte: „Wir hatten bis jetzt acht Mal nicht verloren. Jetzt sind es noch acht Spiele. Es liegt nur an uns. Wenn wir die nicht verlieren, sind wir immer noch Erster. Aber wir müssen was tun. Bei einem Sieg hätte ich den Jungs einen Trainingstag frei gegeben, jetzt trainieren wir Montag, Mittwoch und Freitag. Das haben sie nicht anders verdient.“ Auf der anderen Seite war es um die Gefühlslage da eindeutig besser bestellt.

„Alles super. Klasse, wir freuen uns“, lautete Sven Schneppels kurze Zusammenfassung nach dem Spiel. Der Coach der Lohbrügger ging natürlich noch weiter ins Detail: „Wir sind mit 1:0 in Führung gegangen, obwohl Hamm den Ball laufengelassen hat. Wir waren passiv, aber das war gewollt. Trotzdem waren wir durch Konter immer wieder brandgefährlich, weil wir Geschwindigkeitsvorteile hatten. Solche Freistöße wie vorm 1:1 wollten wir vermeiden. Rahn ist ein Wahnsinns-Schütze. Das Remis zur Pause war leistungsgerecht, weil wir ein bisschen gewackelt haben. In der zweiten Hälfte waren wir zunächst zu passiv, aber mit dem 2:1 lief alles in unsere Richtung. Ich hab uns sehr sicher gesehen und wir hatten in den letzten 25 Minuten einen Konditionsvorteil“, analysierte Schneppel, der mit Trainerkollege Elvis Nikolic und seinem Team dank des „Dreiers“ nun enger auf Tuchfühlung zum HUFC gegangen ist, als zuvor. „Wir haben nicht viel gewonnen, außer den Abstand zu verkürzen. Aber wir sind weiter die hungrigen Löwen. Wir fühlen uns in der Verfolgerrolle wohl“, so Schneppel nach dem Sieg mit drei Treffern durch Torschützen mit einem „ic“ am Ende des Nachnamens. Glück„lic“, wer so viel Qualität hat... 

Jan Knötzsch    

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