Landesliga

„Der Weg, den wir gegangen sind, ist der absolut richtige und einzige der Sinn macht“

SVNA-Trainer Daniel Andrade-Granados im Interview

13. August 2019, 16:00 Uhr

Ist sich des bescheidenen Starts bewusst: SVNA-Coach Daniel Andrade-Granados. Foto: Bode

Am ersten Spieltag unterlag der SV Nettelnburg-Allermöhe 1:3 beim Oststeinbeker SV. Auch gegen den zweiten Aufsteiger, den ASV Hamburg, war der SVNA am zweiten Spieltag chancenlos und verlor mit 1:6. Am vergangenen Freitag kreuzte die Mannschaft von Trainer Daniel Andrade-Granados mit dem FC Voran Ohe die Klingen – und  verpasste beim 3:4 erneut den ersten Sieg. Wir haben mit dem Coach der Equipe vom Henriette-Herz-Ring über die Rückschläge zu Beginn der neuen Spielzeit und die Aussichten für den Rest der Saison gesprochen.

Daniel, null Punkte aus drei Spielen – was entgegnest du denen, die das angesichts der Platzierung des SVNA aus der Vorsaison bereits als einen Fehlstart bezeichnen?

Daniel Andrade-Granados: Immer, wenn mal null Punkte aus drei Spielen holt, ist das ein suboptimaler Start. Also ist es definitiv auch ein Fehlstart. Wir haben uns ganz sicher nicht zum Ziel gesetzt, dass wir aus den ersten drei, vier oder fünf Spielen nicht einen einzigen Punkt holen würden. 

Betreiben wir mal Ursachenforschung: Woran liegt es, dass deine Mannschaft bisher so schlecht aus dem Startblock gekommen ist?

Andrade-Granados: Das ist relativ leicht erklärbar. Wir haben uns in allen Spielen gut und ordentlich verkauft – wenn wir das Spiel gegen den ASV Hamburg mal außen vorlassen. Da hat die schwere Verletzung, die sich unser Keeper Kai Erschens in der Partie zugezogen hat (Patellasehnenriss, Anm. D. Red.), einen Nebel des Grauens über das Spiel gelegt. In dieser Begegnung haben wir einfach nicht performt. In allem anderen Partien war es so, dass uns die Gegner nicht dermaßen deutlich überlegen waren. 

Kannst du das näher erläutern?

Noah Pawlikowski (re.) feierte mit 17 Jahren sein Debüt - und wird hier von Trainer Andrade-Granados nach dem Platzverweis im Pokalspiel gegen Cordi getröstet. Foto: Bode

Andrade-Granados: Nehmen wir mal das Spiel gegen Ohe: Wir hatten keinen berauschenden Kader zusammen, obwohl unser Kader insgesamt eigentlich sehr groß ist. Wir haben im dritten Spiel wieder mal die Aufstellung geändert – nicht weil wir wollten, sondern weil wir mussten. Wir haben im Moment einfach nicht die Möglichkeit, die vermeintlich erfahrenen Spieler so einzusetzen, wie wir uns das gedacht oder erhofft hatten, weil wir vergleichsweise viele Verletzte haben. Trotzdem haben wir in Ohe eine herausragende erste Halbzeit gespielt und erst nach einer unnötigen Roten Karte für uns das Spiel unnötig hergeschenkt. Hinzu kommt, dass wir durch einen Torwartfehler das 2:2 kassiert haben. Unser Problem ist derzeit, dass wir viele Geschenke verteilen. Wenn man Geschenke macht, muss man auch einkalkulieren, dass sie angenommen werden. Bei uns ist es so, dass das zu einem erschreckend großen Prozentsatz passiert. Wir machen zum Beispiel in der Rückwärtsbewegung kapitale Fehler, die zu Gegentoren führen. Hinzu kommt, dass wir bislang nicht in der Lage waren, zu Kontinuität und einem Rhythmus zu finden. Man beginnt immer wieder bei Null, die Entwicklung wird durch sowas um Wochen verlängert. 

In der vergangenen Saison kritisiertest du, dass Talent allein in deiner Mannschaft nicht reichen würde, sondern auch Basis-Tugenden wie „laufen, kämpfen und beißen“ beherzigt werden müssen. Inwiefern hat das Team diese in den ersten Spielen vermissen lassen?

Andrade-Granados: Man muss das differenziert betrachten. Wir haben uns ja irgendwann dazu entschieden, die Mannschaft grundlegend zu verändern. Und das mit dem Wissen, das sich etwas Neues entwickeln wird. Ich will eigentlich nicht die alte mit der neuen Saison vergleichen. Das ist allein schon schwierig, weil wir eben große Veränderungen vorgenommen haben. Wenn wir von den Basis-Tugenden sprechen, dann ist es so, dass wir auch in diesem Bereich noch nicht so weit sind, wie wir wollten. Wie auch, wenn du nie aus dem Vollen schöpfen kannst!? Wir sind auf dem Weg dahin. Wir hatten auch in der letzten Saison akute Probleme damit und sind trotzdem Vierter geworden. 

Du fordertest im gleichen Atemzug im FussiFreunde-Sonderheft, das es genau dafür in der Truppe mannschaftsdienliche Spieler geben müsse. Hat sich unter dahingehend vielleicht sogar unter den Zugängen jemand dafür gefunden?

Andrade-Granados: Das kann man anhand der Aufstellungen sehen. Wir haben da sicher Jungs, die sich reinhauen und das in der Summe sehr ordentlich machen – wenn ich da zum Beispiel einen Dennis Öztürk sehe, der schon in der vergangenen Saison gegen Hamm United sein erstes Spiel in der Landesliga und dabei auch gleich sein erstes Tor gemacht hat. Noah Pawlikowski, der wie Öztürk aus der A-Jugend-Oberliga kommt, hat mit 17 Jahren im Pokalspiel gegen Concordia sein Debüt bei uns gegeben. Traurigerweise hat er dabei auch gleich seinen ersten Platzverweis kassiert. Man sieht, dass die Jungs wollen und sich bemühen. Aber da kann man nach drei Spielen noch nicht abschließend etwas sagen, ob es einer gepackt hat oder nicht. 

Ihr habt, so wie du schon erwähntest, vor dem Start der Serie den großen Umbruch gewagt und in der Mehrzahl junge Talente geholt. Weshalb ist das trotz der anfänglichen Probleme der richtige Weg?

Das verletzungsbedingte Fehlen von Keeper Kai Erschens trifft den Hansa-Landesligisten hart. Foto: Bode

Andrade-Granados: Wenn es um die Entwicklung einer Mannschaft geht, muss man sich irgendwann die Karten legen: Wo soll und kann die Reise hingehen? Der Weg, den wir gegangen sind, ist der absolut richtige und einzige der Sinn macht. Warum? Der SVNA war gefühlt über Jahrzehnte ein Verein, der immer in der Bezirksliga war, zwischendrin mal in die Landesliga gefallen ist und dann wieder abgestiegen ist. Der letzte Landesliga-Aufstieg unter Andreas Ferentinos als Trainer ist mit einem Kader gelungen, in dem junge Spieler standen, die zu 80 oder 85 Prozent eine SVNA-Vergangenheit hatten. Diese Truppe hat in der Bezirksliga angefangen, wir tun das in der Landesliga – aber letztlich ist es der gleiche Weg, den wir gehen. Wir wollen im Verein eine Durchlässigkeit aus der Jugend in den Herrenbereich schaffen und den Jungs damit eine Option geben. Wenn Spieler uns verlassen, um in der A-Jugend-Bundes- oder Regionalliga zu spielen, dann ist das okay, aber wir wollen dahin kommen, dass, wenn sie weggegangen sind, der SVNA dann eine Überlegung wert ist, wenn diese Spieler den Schritt aus der A-Jugend in den Herrenbereich machen. Das untermauern wir gerade. Und dabei kräht kein Hahn danach, auf welchem Tabellenplatz wir nach drei Spielen stehen. Darum geht es nicht. 

Dennoch: Wird die Saison mit einem weitaus unerfahreneren Team als in der Vorsaison vielleicht doch schwerer als gedacht?

Andrade-Granados: Wie eingangs in der Frage schon erwähnt: Man muss eine Ursachen-Analyse betreiben. Und dabei kommt heraus: Wir können derzeit den Weg nicht so gehen, wie wir uns das vorgestellt haben, weil wir eben noch nicht ein einziges Mal 20 fitte Spieler zur Verfügung hatten. Im Moment ist das ein verzerrtes Bild. Ungeachtet dessen bin ich mir bewusst darüber, dass der Start wirklich bescheiden ist. Je länger es so weiterläuft, desto schwierige wird es. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch sagen: Bei einem Fußballer ist es egal, ob er 18 oder 38 Jahre alt ist. Wenn er sich nach so einem schwachen Start nicht reinhängt, hat er auf dem Feld nichts zu suchen. 

Am kommenden Wochenende trifft der SVNA auf den SV Altengamme. Warum gelingt euch ausgerechnet gegen deinen Ex-Club die Trendwende?

Andrade-Granados: (lacht) Es ist erfreulich, dass die FussiFreunde uns da eine Möglichkeit zur Trendwende voraussagen. Ich glaube, für uns ist es so: Wir sind in einer komfortablen Situation. Weil Altengamme ein Heimspiel am Gammer Weg hat und das Spiel auf Rasen stattfindet, sind sie der Favorit. Wir werden leider auch am nächsten Wochenende wieder kadertechnische Probleme haben. Vielleicht wird das Ergebnis am Ende nicht für uns sprechen, aber dieses Spiel wird uns auf unserem Weg, den wir beschreiten, helfen. Ob das letztlich gleichbedeutend mit der Trendwende ist, müssen wir abwarten. 

Interview: Jan Knötzsch

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