30.05.2018

„Der Wahnsinn!“ – Schümann lässt Heidgraben beben

Last-Minute-Treffer zum 2:1 gegen Hemdingen-Bilsen entscheidet Meisterschaft

In Hemdingen spielte sich der pure Fußball-Wahnsinn ab: Erst kassiert Heidgraben in der 90. den Ausgleich, dann kontert Philippe Schümann (li.) diesen mit dem 2:1 zum Aufstieg. Foto: AUS.TV

So dramatisch wie in der Kreisliga 8 war die Meisterschaftsentscheidung wohl nirgendwo anders! Am letzten Spieltag trafen mit Tabellenführer Hemdingen-Bilsen und Verfolger Heidgraben die beiden Titelanwärter im direkten Duell aufeinander – und es ging um alles! Hemdingen-Bilsen hatte vor dem Spiel zwei Punkte Vorsprung. Ein Remis hätte also gereicht, um oben zu bleiben. Am Ende einer Partie, die alles hatte - Platzverweis, Aluminium-Treffer und zwei Tore in der Nachspielzeit inklusive – waren es dann aber die Heidgrabener, die jubelten.

„Die Leistung macht mich unglaublich stolz! Das, was die Spieler in diesem Spiel und auch in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben, ist fantastisch. Das Jahr 2018, in dem wir nur ein Spiel verloren haben, ist überragend!“, war Heidgrabens Trainer Ove Hinrichsen voll des Lobes nach dem Erfolg seiner Mannschaft. „Wir haben zwölf der letzten 13 Spiele gewonnen. Damit haben sich die Spieler diesen Aufstieg wirklich verdient. Das letzte Spiel war jetzt natürlich eine echte Achterbahnfahrt!“

Kinastowski: „Bitterer geht es nicht!“

„Tormaschine“ Philippe Schümann brachte Heidgraben in der 16. Minute in Führung. Helge Lohmann glich in der Nachspielzeit aus (90.+1), ehe erneut Schümann vor sage und schreibe über 600 (!) Zuschauern doch noch den Siegtreffer für die Heidgrabener erzielte (90.+3). Das ist die nüchterne Statistik, durch die Heidgraben mit 61 Zählern schließlich einen Punkt vor Hemdingen-Bilsen steht und damit aufsteigt. Doch zur Geschichte des Spiels gehört noch einiges mehr. So kassierte Heidgraben bereits nach 49 Minuten einen Platzverweis, stemmte sich in der Folge nach Kräften gegen die Offensivbemühungen der Gastgeber. Hemdingen-Bilsen agierte überlegen, verpasste es aber, die sich bietenden Chancen zu nutzen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit ein Feuerwerk an Chancen vergeben. Wir haben auch Pech gehabt: Zweimal haben wir den Innenpfosten getroffen“, erklärte Hemdingen-Bilsens Trainer Patrick Kinastowski und fand deutliche Worte: „Es hat am Sonntag nicht die bessere Mannschaft gewonnen!“

Aber trotz der vielen vergebenen Chancen war Hemdingen-Bilsen in der Nachspielzeit ja doch zum Ausgleich gekommen. Die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg waren greifbar nah, bis Schümann dem Kinastowski-Team mit seinem zweiten Treffer die Meisterschaft noch entriss. Es sei schwer eine Erklärung dafür zu finden, warum man nach dem vermeintlich erlösenden 1:1 noch ein Gegentor kassierte, so Kinastowski: „Bitterer geht es nicht! Da waren alle schon am Jubeln. Wir haben eine junge Mannschaft, aber daran liegt es nicht. Du bist gerade noch in der Aufstiegs-Euphorie und passt hinten nicht mehr auf. Es ist dann auch einfach Pech dabei!“
Bereits in den vergangenen Wochen hatte Hemdingen-Bilsen immer wieder Federn gelassen, weshalb Heidgraben überhaupt heranrücken konnte. „Dieses letzte Spiel passt leider ins Bild der Rückrunde. Wir müssen jetzt erstmal abschalten. Es geht auf Saisonabschlussfahrt nach Dänemark. Ich habe die Sommerpause um eine Woche verlängert, damit das Team den Kopf freikriegen kann. Wir bleiben fast komplett zusammen. Mal sehen, was in der nächsten Saison in Richtung Aufsteg möglich ist“, erklärt Kinastowski.

Hinrichsen: „Die Moral dieser Mannschaft ist der Wahnsinn!“

Für Heidgraben geht es dagegen in der Bezirksliga weiter: „Das Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt!“, erklärt Trainer Hinrichsen und führt zum Sieg gegen Hemdingen-Bilsen weiter aus: „Mit den beiden Schüssen, die an den Innenpfosten und von da nicht ins Tor gehen, haben wir mächtig Glück gehabt. Aber die Jungs haben alles gegeben. Nach dem Ausgleich habe ich gedacht, dass der Fußballgott so ungerecht nicht sein kann. Und so war es dann auch. Normalerweise ist das der Tod, wenn du in der Nachspielzeit dieses Gegentor kassierst. Aber die Moral dieser Mannschaft ist der Wahnsinn! Da ist Wille und Glaube immer da. Das Team war stehend k.o. und hat es trotzdem versucht und sich mit dem Sieg belohnt. Ich brauchte erstmal einen Moment, um zu realisieren, dass wir es geschafft haben!“ Entscheidenden Anteil daran hatte auch Doppeltorschütze Philippe Schümann: „Philippe ist sehr wichtig für uns. Er hat 42 Saisontore erzielt. Aber es braucht auch jemanden, der ihm die Bälle zuspielt. Das ist eine Mannschaftsleistung.“ Fühlt man bei einer so knappen Entscheidung mit dem Verlierer mit? Hinrichsen beschreibt: „Ich bin direkt nach dem Abpfiff zu Patrick Kinastowski gegangen und habe ihm gesagt, dass es mir leid tut und ich es ihm und seiner Mannschaft auch gegönnt hätte. Allerdings hätten wir vor zwei Jahren gegen Hemdingen-Bilsen einen Punkt zum Aufstieg gebraucht und haben verloren. Daran haben wir uns schon auch erinnert.“

Autor: Josa Schnell

Kommentieren

Mehr zum Thema

Aufstellungen

TuS Hemdingen-Bilsen

Noch keine Aufstellung angelegt. (werde jetzt Teammanager dieser Mannschaft)

Heidgrabener SV

Noch keine Aufstellung angelegt.