Der „Spitzen-Derby-Dreier“ geht an die Griegstraße: Altonas „Mädchen“ machen's männlich

„T05“ unterliegt AFC mit 0:2 und ärgert sich über „Ampelkarte“ kurz vor der Pause

11. November 2018, 18:28 Uhr

Der Sieg ist in trockenen Tüchern: Die AFC-Spieler bejubeln den Treffer zum 2:0 durch Andy Aktoeng-Bonsrah nach Vorlage von Niklas Siebert. Selbst Keeper Tobias Grubba (li.) ist herangeeilt. Foto: KBS-Picture.de

Die Kampfansage kam am Abend vorher. Im sozialen Netzwerk „Instagram“. „Derbytime mit dem Mädels vom Altonaer Fußball-Club. Morgen, 14.30 Uhr an der Kreuze“, hatte Georgios Cholevas da gepostet. Ein Umstand, der von den Kickern des AFC vorm Match beim FC Teutonia (Hier gibt’s den Live-Ticker zum Spiel) natürlich nicht verborgen blieb – und die Kicker von der Griegstraße nochmal einen Tick mehr motivierte. Jedenfalls ließen sich Hischem Metidji und Eudel Monteiro nach dem Schlusspfiff die Chance nicht nehmen, die Ansage von Teutonias Defensivmann zu retournieren, als sie auf dem Kunstrasen an der „Kreuze“ mit einem 2:0-Erfolg im Rücken der Presse Rede und Antwort standen.

„Das fühlt sich schon ganz schön männlich an“, ordnete Metidji den Sieg ein und grinste: „Die Mädels vom AFC haben heute richtig Gas gegeben. Deswegen haben wir verdient gewonnen.“ Dass dem so war, lag auch an Metidji. Und an Monteiro. Es lief bereits die 72. Minute des bis dahin torlosen Spiels, als der AFC eine Ecke zugesprochen bekam, die Metidji hereinbrachte. Der Abnehmer am zweiten Pfosten: Monteiro, der zum 1:0 für die Gäste einköpfte und jubelnd abdrehte. „Das haben wir schon im Training abgestimmt, dass der Ball auf den zweiten Pfosten kommt und er ihn einnickt“, lachte Metidji und analysierte: „Es war ein hektisches Spiel, ein Derby mit wenig Torraumszenen. Im Großen und Ganzen aber ein gutes Spiel.“ In der ersten Hälfte habe der AFC Teutonia „gut im Griff gehabt“, pflichtete Torschütze Monteiro bei.

Titze: „Ich habe null Linie beim Schiri gesehen – man wusste nie, was kommt“

Schiedsrichter Lasse Holst (li.) stellt Teutonias Niklas Holz (Nummer drei) eine Minute vor der Pause vom Platz. Foto: KBS-Picture.de

„Wir hätten schon vor der Pause das eine oder andere Tor machen können, aber das hat nicht geklappt. Wir hatten gute Chancen, aber der finale Ball kam nicht an oder wir haben nicht gut abgeschlossen“, bilanzierte Monteiro weiter. „Dass Teutonia sich in der zweiten Halbzeit hinten reinstellt, war klar. Ebenso wie die Tatsache, dass es damit für uns automatisch sehr schwer werden würde“, befand Altonas Nummer 21 und erklärte mit Blick aufs eigene Erfolgserlebnis: „Dass wir das Derby gewonnen haben, steht auf jeden Fall an erster Stelle, Natürlich freut es mich, dass ich mit einem Tor helfen konnte. Mehr geht nicht. Ich bin glücklich. Der Ball von Hischem kam gut auf den zweiten Pfosten, den muss man dann einfach rein machen.“

Warum es so klar war, dass sich der gestern von der TuS Dassendorf entthronte Tabellenführer in den zweiten 45 Minuten eher defensiv verhalten würde? Nun, dafür gehört der Blick auf die 44. Minute gerichtet: Niklas Holz wurde aus Nahdistanz angeschossen, weil er vorm Ball stand. Schiedsrichter Lasse Holst (FC Türkiye) hatte ihm im. Match bereits „Gelb“ gezeigt. „Schon da war ich not amused“, gab Teutonia-Trainer Sören Titze nach der Begegnung zu Protokoll, „wenn er einen Freistoß gibt und keine Karte, dann kann ich damit leben.“ Doch die Szene sollte noch weitergehen – und der Ärgers Titzes sich multiplizieren. Denn: Holz wurde von AFC-Spieler Abdullah Yilmaz geschubst, letztlich standen sich beide Kopf an Kopf gegenüber.

Algan: „Wir hätten zur Halbzeit führen müssen, dann wird die Geschichte ruhiger“

Hischem Metidji (li., hier gegen Maximilian Fischer) bereitete Altonas 1:0 durch Eudel Monteiro vor. Foto: KBS-Picture.de

Die Konsequenz lässt sich erahnen: Referee zückte zwei Mal „Gelb“ – macht beim bereits verwarnten Holz die „Ampelkarte“. „Die Szene würde ich mir gerne nochmal im Video angucken. Der Schiri will offenbar ein Zeichen setzen, aber er hat eigentlich gar nichts gesehen, weil er in die andere Richtung stand. Er müsste hinten Augen haben. Aber er hat einfach nicht aufgepasst. Ich habe null Linie bei ihm gesehen. Man wusste nie, was kommt. Die Szene in der 44. Minute ist natürlich eine spielentscheidende Situation. Wenn du die zweite Hälfte zu zehnt spielst, ist das nicht so geil“, resümierte Titze, der seiner Elf attestierte, sie sei „in der ersten Hälfte nicht griffig genug“ gewesen, noch vor der Pressekonferenz und ergänzte auf selbiger: „Es fehlte uns da die Leidenschaft für so ein Derby. Wenn wir Pech haben, können wir uns über ein 0:1 zur Pause nicht beschweren.“

„Teutonia hat eine sehr attraktive Mannschaft, die uns das Leben schwer gemacht hat. Wir hätten zur Halbzeit führen müssen, dann wird die Geschichte ruhiger. In der zweiten Hälfte haben wir zwar zwei Tore geschossen, aber unser Überzahlspiel war schlecht ausgespielt. Da muss man diverse Dinge anders machen“, konstatierte AFC-Trainer Berkann Algan, dessen Elf kurz vor Schluss Luis Hacker durch „Gelb-Rot“ verlor (84.) und durch Andy Akoteng-Bonsrah (90.+4) das 2:0 nachlegte. Blieb noch die Frage nach dem Muntermacher mit der „Mädchen-Aussage“. „Sinnvoll war das sicher nicht, eher eine kleine Dummheit. Mehr nicht“, sagte Berkan Algan, während Sören Titze feststellte: „Für mich ist entscheidend, ob der Spieler seine Leistung bringt und nicht, ob er was postet. Sowas interessiert mich nicht die Bohne. Das hat nichts mit Fußball zu tun. Draußen auf dem Platz wird entschieden, nicht im Internet.“

Jan Knötzsch 

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