24.02.2019

„Den hab ich verkackt“: Gürsans Glücksritter „crashen“ dank Gruhne Richters Premiere

Torwartfehler führt zum 1:0-Erfolg des FC Süderelbe bei der TuS Dassendorf

Antreten zum Beglückwünschen: Süderelbes Torschütze Marcel Rodrigues (Zweiter v. re.) wird von seinen Teamkollegen gefeiert. Foto: Winter

Am Ende blühte der Flachs – zumindest beim Gast. Als Jan Schönteich kurz vor Beginn der Pressekonferenz versuchte, Matthias Nehls einen Flaschenöffner über eine größere Entfernung auf dem Tisch zuzuschieben und dies misslang, konterte Süderelbes Manager die Bemühungen von Dassendorfs Sportchef neckisch. „Das sah aus wie eure Pässe auf dem Platz, die nicht ankamen“, raunt Nehls Richtung Schönteich, ehe letzterer nach dem Match der TuS gegen den FCS (Hier gibt’s die Partie im Live-Ticker zum Nachlesen) schließlich die Runde mit den beiden Trainern eröffnete und  – so gar nicht zu guter Laune aufgelegt – einleitend von „der gefühlten Heimniederlage Nummer 37“ für die Gastgeber sprach. 

Nun, ganz so schlimm stellt sich die Bilanz der „Wendelwegler“ zwar nicht da, doch die Stimmung nach der Partie vor den 163 Zuschauern war im Keller. Zumindest aber „bedrückt“, wie Dassensorfs neuer Co-Trainer Markus Walek (wir berichteten) nach der knappen 0:1-Niederlage gegen ausgerechnet seinen Ex-Club noch auf dem Feld festgestellt hatte. Und auch Jean-Pierre Richter stieß Minuten später ins gleiche Horn. „Ich glaube, das ist meine erste Niederlage gegen Süderelbe“, erklärte „JPR“ nach dem Kräftemessen gegen die Kiesbarg-Kicker, bei denen er bekanntlich jahrelang gewirkt hatte, und konstatierte anschließend freimütig: „Das habe ich mir persönlich anders vorgestellt. Ich glaube, das gilt auch für die Mannschaft und den Verein. Ich bin sehr frustriert. Wir haben wenig bis keine Fehler gegen den ball gemacht. Süderelbe hat nicht viele Chancen herausgespielt oder gute Lösungen in Ballbesitz gefunden. Deswegen haben wir vieles richtig gemacht. Im Umkehrschluss haben wir in eigenem Ballbesitz falsche Entscheidungen getroffen. Und wir haben den Gegner dazu eingeladen, ein Tor zu erzielen.“

Gürsan: „In der zweiten Halbzeit hat unser Spiel nach vorne nicht mehr stattgefunden“

Erfolgreich abgefangen: Süderelbes Keeper Yalcin Ceylani (re.) nimmt den Ball auf, während Martin Sobczyk (Zweiter v. li.) Dassendorfs Marcel von Walsleben-Schied auf Abstand hält. Foto: Winter

Genau dies sollte am Ende der entscheidende Punkt sein: die Szene aus der 16. Minute. In jener wurde der Ball lang nach vorn auf FCS-Stürmer Edison Sa Borges Dju geschlagen, der zwar nicht an den Ball kam, weil Amando Aust die Kugel abschirmte. Doch Sa Borges Dju lieg Christian Gruhne dennoch. Der „Dasse“-Schlussmann wollte die Kugel mit dem Fuß auf einen Teamkollegen weiterleiten – doch das Unterfangen ging schief. Stattdessen spielte er den Ball in die Füße von Marcel Rodrigues, der ihn annahm, einen Widersacher aussteigen ließ und schließlich zum 1:0 ins Netz vollendete. „Ich hab' gedacht, Gruhne chippt den Ball über mich rüber. Ich war in der Rückwärtsbewegung fast schon im Hinfallen. Dass der Ball dann genau in meinen Fuß kommt, ist natürlich glücklich. Eigentlich wollte ich sofort schießen, habe dann aber aus dem Augenwinkel gesehen, dass da noch einer kommt. Es war ein bisschen Glück dabei, aber ich denke: So schlecht hab' ich das nicht gemacht“, schilderte der einzige Torschütze des Tages später das „goldene Tor“ aus seiner Sicht.

Und „Unglücksrabe“ Gruhne, der den Glücksrittern von Gästetrainer Timucin Gürsan den Sieg ermöglichte und Neu-Coach Richter den Einstand versaute? „Ich wollte den Ball über den Spieler chippen, der mich anläuft. Das gelingt mir sonst eigentlich immer. Diesmal hab ich es verkackt. Das ist schade. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, führt das meistens zum Gegentor – das ist scheiße“, redete der Keeper gar nicht erst um den heißen Brei herum und ärgerte sich. „Ich glaube, für den Trainer ist es egal, gegen wen er spielt. Wir wollten die drei Punkte holen. Das mein Fehler mit einer Niederlage bestraft wird und wir das Spiel mit den ganzen Chancen, die wir hatten, nicht mehr drehen konnten, ist bitter. Der Wille war auf jeden Fall da. Ich habe insgesamt zwei Torschüsse von Süderelbe gezählt: den, der rein geht und einen von Rodrigues, wo er mir den ball au den Bauch schießt. Mehr war da nicht, die haben sich eingeigelt“, befand Gruhne und brachte den – neben seinem kapitalen Bock – zweiten Grund für die TuS-Pleite auf den Punkt: „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt.“

Richter: „Dann schwimmen wir halt unter der Wasseroberfläche und beißen am Ende zu“

Schwerer Stand: Dassendorfs Pascal Nägele (re.) muss sich gegen Simon Keisef (li.) und Tim Baris Schulze behaupten. Foto: Winter

Ein Satz, der an diesem Nachmittag noch öfter fiel. Sowohl bei Coach Richter als auch bei seinem Assistenten Walek. Beide dürften dabei vor allem die Gelegenheit von Mattia Maggio (44.) und den Pfostentreffer Marcel von Walsleben-Schied (56.) vor Augen gehabt haben – die beiden größten Chancen der Gastgeber neben unzähligen abgeblockten Bällen. „Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn Dassendorf ein Tor macht. Wir hatten heute einfach ein bisschen mehr Glück“, musste aus Süderelbes Siegtorschütze Rodrigues bekennen und freute sich: „Am Ende hat uns selbst die Gelb-Rote Karte (gegen Vedat Düzgüner in der 87. Minute, Anm. d. Red.) keinen Strich mehr durch die Rechnung gemacht.“ Dass eben diese Rechnung aufging, schob auch Timucin Gürsan aufs Glück. „In der zweiten Halbzeit hat unser Spiel nach vorne nicht mehr stattgefunden. Auf der anderen Seite haben wir immer mal wieder einen Fuß dazwischen und den Pfosten auf unserer Seite. So viel Fortune brauchst du, um am Wendelweg drei Punkte zu entführen“, so Süderelbes Coach, der ergänzte: „Wir haben in der ersten Hälfte die eine Chance, die wir hatten, genutzt. Das ist überragende Effektivität.“ Ansonsten habe Dassendorf „die Muskeln spielen lassen. Wir wussten, dass sie in den zweiten 45 Minuten ein Feuerwerk starten. Wir wollten Druck von der Box nehmen, das ist uns nicht gelungen.“

In Jean-Pierre Richters Resümee hörte sich das so an: Seine Elf habe „am Ende des Tages im letzten Drittel viel falsch gemacht, sonst wäre das Spiel in andere bahnen gelenkt worden“, sagte Dassendorfs Trainer, „wenn wir ein Tor erzielt hätten, wäre der Respekt des Gegners so groß geworden, dass wir gewonnen hätten. Das war bis zur 95. Minute unser Plan.“ Mit Christian Gruhne wollte „JPR“ nicht allzu hart ins Gericht gehen. „Er hat unsere Rückendeckung. Wir werden nicht die Ursache für die Niederlage in einem Fehlpass suchen. Wir hätten einfach auch mehr als zwei Tore schießen sollen“, schrieb Richter dem „Unglücksraben“ des Spiels ins Stammbuch und richtete den Blick nach vorne. „Wir haben noch zwölf Spiele, das ist eine Menge. Wenn sich andere Gedanken machen, dass wir in der Tabelle weiter abrutschen, dann schwimmen wir halt unter der Wasseroberfläche und beißen am Ende zu. Entscheidend ist, was nach dem 34. Spieltag ist“, gab der TuS-Trainer zu Protokoll, während Markus Walek nach dem 0:1 gegen seinen alten Club seine Sicht der Dinge auf den Punkt brachte: „Dass ich mich ärgere und gerne gewonnen hätte, weiß jeder. Aber egal gegen wen: Alle Niederlagen sind ärgerlich. Süderelbe hat sehr glücklich das Tor geschossen, danach haben sie einfach nur gekämpft. Viel Fußball gespielt haben sie nicht mehr...“

Jan Knötzsch 

Kommentieren