13.04.2019

„Den Arsch aufgerissen“: 45 Minuten nichts, dann erhalten Hoffmann & Co die Hoffnung

Inter vergisst das Torschießen, Düneberg gibt nach der Pause Gas und sieht

Glückwunsch: Dünebergs Trainer Dennis Tornieporth (li.) klatscht Kevin Hoffmann ab. Foto: Knötzsch

Als Kevin Hoffmann im Auswärtsspiel des Düneberger SV bei Inter 2000 (Hier gibt’s das Match zum Nachlesen im Live-Ticker) nach 78 Minuten zur Seitenlinie schritt, um fortan beim DSV für Michel Siepelt Platz zu machen, hatte sein Trainer eine besondere Frage. „Muss ich dir jetzt jedes Mal in der Pause den Arsch aufreißen?“, sagte Dennis Tornieporth in die Richtung seines Spielers und grinste, ehe er und Hoffmann schließlich abklatschten. Ja, Hoffmann und seine Teamkollegen im Dress der Gäste hatten sich vor den gerade mal 48 Zuschauern an der Snitgerreihe tatsächlich im zumindest sprichwörtlichen Sinne den Allerwertesten aufgerissen – und so nach einer schwachen ersten Hälfte verhindert, dass es einen weiteren Rückschlag im Abstiegskampf gab.

Denn nachdem der ausgewechselte Hoffmann die restlichen zwölf regulären sowie drei Nachspiel-Minuten auf der Bank von draußen miterlebt hatte, da durften er und „Tornie“ sich nach dem Abpfiff von Referee Falah Abed Saad (VfL 93) ein weiteres Mal in den Armen liegen und einen 4:1-Erfolg in der Fremde (Tore: Tolga Cosgun, Dennis Utecht. Kevin Hoffmann, Jannik Wöhl) bejubeln, während Inters Bülent Imanci, kurz vor Schluss Torschütze des Ehrentreffers für die Gastgeber, vehement diskutierend hinter dem Spielleiter hertrottete und nicht mehr zu beruhigen war. Am Ende wollte Imanci dem Unparteiischen sogar bis in die Kabine folgen…

Topbas: „Das war ein Spiegelbild unserer letzten Auftritte“

Bereit für den Zweikampf: Dünebergs Nasser El Osman nimmt DIego Ballester Martinez (li.) ins Visier. Foto: Knötzsch

Dennis Tornieporth stand da noch auf dem Kunstrasen und erklärte erst einmal, wie er Kevin Hoffmann zur Pause in Schuss bekommen hatte. Und nicht nur ihn. „Ich habe Kevin gefragt, wo er herkommt. Aus der Oberliga, von Concordia. Und dann habe ich ihn gefragt, ob er in diese Liga irgendwann vielleicht nochmal hinwill. Er hat das bejaht“, so Dünebergs Coach, „daraufhin habe ich ihm gesagt, dass er dann auch in der Landesliga erst einmal Leistung zeigen müsse.“ Und auch den Rest seines kickenden Personals „stichelte“ Tornieporth auf besondere Art und Weise. „Ich habe dieses Mal in der Halbzeitpause nicht so viel gesagt, sondern die Mannschaft reden lassen und ganz bewusst einige der Jungs nach vorne gestellt, sie die Analyse und Ansprache führen lassen. Das haben sie gut gemacht. Und wir haben die richtigen Schlüsse daraus gezogen.“

Und so bot sich nach Wiederbeginn ein ganz anderes Bild als das, was sich vor der Pause in die Köpfe eingebrannt hatte. Im ersten Durchgang spielte eigentlich nur eine Mannschaft – die trug rosafarbene Trikots und hörte auf den Namen Inter 2000. Angriff um Angriff brachte die Mannschaft von Coach Sercan Topbas ins Rollen, was sie aber nicht fertigbrachte, war, den Ball auch im Tor zu versenken. „Wir haben fünf hundertprozentige Chancen, müssen zur Pause 2:0 oder 3:0 oder sogar höher führen“, sagte Inters Manager Korcan Topbas nach dem Spiel, ahnte aber schon irgendwann während der Partie, als ein Versuch aus kurzer Distanz nicht den Weg ins Ziel fand: „Wenn dieser Ball nicht reingeht, dann geht hier für uns keiner mehr rein.“ Nun, ganz so sollte es letztlich – siehe Imancis Treffer aus der 79. Minute – nicht sein. Das aber half Inter wenig.

Tornieporth: „Wenn wir noch neun Punkte holen, sind wir weiter in der Landesliga“

Inters Tufan Asan nmmt, beobachtet vom Düneberger Jannik Wöhl (Zweiter v. li.) auf dem Flügel Tempo auf. Foto: Knötzsch

„Wir müssen gewinnen – unbedingt“, hatte Korcan Topbas schon vor dem Spiel festgestellt, dass dem Aufsteiger im Kampf um den Klassenerhalt eigentlich nur ein „Dreier“ weiterhelfen würde. Die Ansätze waren – auch ohne die gesperrten Habib Zagre und Osman Celik – da. Aber eben nur Ansätze. „Uns hat vorne ein Stürmer wie Ilias Jawan Shir gefehlt, der nach seiner langen Verletzungspause noch nicht ganz so weit ist. Bei Murat Bayram, der vorne drin gespielt hat, hat man gemerkt, dass er auch lange nicht dabei war und ihm die Spielpraxis fehlt“, so der Inter-Manager, der mit Blick auf die neuerliche Niederlage zu Protokoll gab: „Das war ein Spiegelbild unserer letzten Auftritte: Wir machen das Spiel, der Gegner die Tore und dann gehen die Köpfe runter.“ Wiederholt keine Punkte – im schlimmsten Fall bedeutet das für Inter am Ende den Abstieg. „Vielleicht war’s das jetzt schon, aber noch haben wir fünf Spiele“, übt sich Topbas in Optimismus, sagt aber auch: „Wenn wir am Ende wirklich runter gehen, dann wäre der Wiederaufstieg unser Ziel.“

Eine Entscheidung, wen es am Ende „im Vierkampf zwischen Berne, Rahlstedt, Inter und uns erwischt, fällt erst im Mai“, ist sich derweil Dennis Tornieport noch immer sicher. „Jetzt sind wir erst einmal vom Abstiegsplatz weggekrabbelt. Wir haben noch fünf Spiele, das heißt: Es sind noch 15 Punkte zu vergeben. Wenn wir jetzt noch neun davon holen, sind wir sicher in der nächsten Saison weiter in der Landesliga dabei. Vor dem Spiel gegen Inter haben wir gesagt: Wir wollen von den da noch möglichen 18 Punkten zehn bis zwölf holen. Die ersten drei haben wir, das ist eine gute Geschichte für den Endspurt“, so „Tornie“, der nach dem Match zusammenfasste: „In der ersten Hälfte haben wir 25 Minuten lang nicht stattgefunden. Aufgrund der zweiten Halbzeit ist der Sieg verdient, aber vielleicht zu hoch ausgefallen. Wir können uns bei Inters Nicht-Zielstrebigkeit und unserem Keeper bedanken, dass wir zur Pause nicht hinten lagen. Einige hat in den ersten 45 Minuten der Druck vielleicht gelähmt, weil sie nicht so gut damit umgehen können wie andere.“ 

Jan Knötzsch

Kommentieren