27.04.2019

Dem Ziel sehr nahe: Jordan und Jansen gleich Jubel!

Nach Kantersieg: „Kindheitserinnerung“ auf dem „Schoner“, Titeltraum im Kopf

Hatten allen Grund zum Jubeln: Marcell Jansen (li.) und Dominik Jordan. Das Duo schoss den SC Sternschanze fast im Alleingang ab. Foto: Küch

Im ersten Moment war die Angst groß – auch bei Dominik Jordan selbst. Kurz nachdem er den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 5:0 rausholte (alle Highlights im LIVE-Ticker), knickte er derart unglücklich weg, dass er – hinter dem Tor liegend – länger behandelt werden musste. „Ich habe mich ein bisschen vertreten“, erklärte er hinterher. Was zunächst relativ harmlos klingt, ließ im ersten Augenblick jedoch das Schlimmste befürchten. Denn: „Es war das Bein, wo ich meinen Kreuzbandriss hatte. Deshalb war da anfangs auch ein bisschen Angst mit dabei, weil‘s auch oben in Richtung Knie reingezogen hat“, so Jordan, der nach dem Spiel aber schon wieder lächeln konnte und guter Dinge war: „Es hat ein bisschen zugemacht, ist aber wohl nur etwas Muskuläres. Nächste Woche sollte nicht gefährdet sein.“

Wie wichtig Dominik Jordan für seinen Hamburger SV III ist, stellte er in den 60 Minuten vor seiner verletzungsbedingten Auswechslung einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Im ersten Durchgang schnürte der „Flügelflitzer“ gegen einen völlig überforderten SC Sternschanze einen Dreierpack (6., 30., 33.), eröffnete den Torreigen mit einem direkten Freistoß durch die wie ein Schweizer Käse löchrige SCS-Mauer und bereitete schließlich auch noch das fünfte Tor der „Rothosen“ vor, als er von Mark Holtmeier zu Fall gebracht wurde und Sepehr Nikroo den fälligen Strafstoß sicher verwandelte (57.). „Wer die Tore macht, ist mir vollkommen Wurst. Hätte ich kein Tor gemacht und wir hätten 6:0 gewonnen, wäre auch alles gut“, gab er sich im Nachgang als absoluter Teamplayer. Doch auch beim sechsten Treffer hatte Jordan, inzwischen auf der Bank sitzend, einen zumindest kleinen Anteil. Immer wieder rief er rein: „In die Torwartecke, die ist komplett offen!“ Und tatsächlich hatte Schanze-Fänger Maximilian Karp sein Eck komplett offen gelassen, was auch Nikroo bemerkte – und einen 17-Meter-Freistoß aus halblinker Position mit viel Übersicht flach ins Torwarteck schoss (79.). 6:0!

Jordans „Kindheitserinnerung“ auf Schienbeinschonern verewigt

Die ersten Befürchtungen haben sich nicht bestätigt und so konnte Dominik Jordan (mi.) hinterher glücklicherweise schon wieder Entwarnung geben. Foto: Küch

Bei Jordan waren sämtliche Sorgen über die Schwere der Verletzung längst verflogen. Stattdessen wurde auf der Ersatzbank nun geflachst. „Seitdem ich die trage, knipse ich immer“, scherzte er in Richtung Ersatzkeeper Youssef Mountassir, als dieser die außergewöhnlichen Schienbeinschoner des Dreifach-Schützen entdeckte. Darauf zu sehen: Tsubasa Ozora, Zeichentrick-Held aus dem japanischen Fußball-Manga „Captain Tsubasa“. „Eine Kindheitserinnerung“, klärte Jordan auf – und verriet, dass die Schienbeinschoner ein Geschenk und „Glücksbringer von meinen Eltern sind. Die habe ich nach meiner Kreuzbandverletzung bekommen, um den Ansporn zu haben, schnell wieder fit zu werden.“ Der 24-Jährige kämpfte sich zurück und ist beim HSV III nun eine kaum wegzudenkende Größe im Spiel. Auch Christian Rahn, der zusammen mit Marcus Rabenhorst das Trainerduo bildet, weiß um die Bedeutung Jordans: „Er hat die letzten Jahre dauerhaft Regionalliga gespielt und belohnt sich aktuell für den Aufwand, den er betreibt. Wir wissen natürlich um seine Qualität. Er ist ein super Typ und wir sind froh, dass wir ihn im Herbst für unsere Truppe gewinnen konnten.“ Nun steht man gemeinsam kurz vor dem Oberliga-Aufstieg.

Auch Jansen trifft: „Wenn er Zeit hat, ist er immer gern gesehen“

Daran hatte am Freitagabend auch Marcell Jansen seinen Anteil. Der HSV-Präsident, der im Hinspiel noch per Freistoß das entscheidende und gleichzeitig auch sein erstes Tor im Dress der „Dritten“ erzielte, stand in der Startelf, holte den Freistoß vor dem 1:0 heraus, hatten einen satten Pfostenschuss zu verzeichnen (12.), war auch am zweiten Jordan-Tor direkt beteiligt und erzielte das 3:0 nach mustergültiger Vorlage von Christopher Rieder höchstselbst (33.), ehe er zur Halbzeit ausgewechselt wurde, da er noch zum Geburtstag seines Vaters musste. „Er macht unheimlich viele Bälle fest, bewegt sich sehr clever und spielt super Bälle. Die Bundesliga-Erfahrung merkt man ihm an. Er weiß einfach, wo er stehen muss, hat einen super linken Fuß und hilft uns mit der Erfahrung natürlich enorm“, sang Jordan ein wahres Loblied auf seinen Teamkollegen – und fügte mit einem Schmunzeln an: „Wenn er Zeit hat, ist er hier bei uns immer gern gesehen.“

„Das ist unser Ziel - und das kann man jetzt auch offen aussprechen“

Das zwischenzeitliche 3:0 durch Marcell Jansen, der Maximilian Karp (li.) in dieser Szene keine Chance ließ. Foto: Küch

Während die „Schanzer“ in den 90 Minuten zwei Abschlüsse durch Manoli Chionidis (25.) und den ansonsten blassen Hammonia-Top-Torjäger Nils Sörensen (49.) zu verzeichnen hatten, ließ der Primus – teilweise im Schongang spielend, was vor allem Jerry Sampaney ein ums andere Mal sauer aufstieß – noch reihenweise Chancen ungenutzt. „Das 1:0 hat uns nicht so wirklich in die Karten gespielt. Bis zum 2:0 war das kein gutes Spiel von uns“, konstatierte Rahn. Dennoch: Durch den Kantersieg ist man dem Ziel von der Meisterschaft ein großes Stückchen näher gekommen. Auch Dominik Jordan glaubt fest an den Oberliga-Aufstieg: „Ich bin mir sehr sicher!“, ehe er auf Nachfrage zu den Gründen ausführte: „Wir geben im Training Woche für Woche Gas, lassen keinen Zentimeter nach, spielen überzeugend, gradlinig nach vorne und versuchen, jedes Spiel so gut wie möglich zu bestreiten. Wir haben jetzt Druck aufgebaut, Paloma hat Sonntag ein sehr schweres Spiel vor der Brust“, und ist gegen den nach der Winterpause in allen sechs spielen siegreichen FC Union Tornesch zum Siegen verdammt.

Auch Sepehr Nikroo (mi.) durfte einen Doppelpack feiern. Foto: Küch

„Für die ist es ein Endspiel. Sollten sie Punkte lassen, wird es für sie ganz schwer. Aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen und auf uns gucken. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann sind wir vor dem letzten Spieltag sicher durch. Das ist jetzt unser Ziel – und das kann man auch so offen aussprechen“, machte Jordan keinen Hehl aus den Ambitionen. „Wir haben zu Beginn der Rückrunde gesagt, dass wir versuchen wollen, jedes Spiel zu gewinnen – das haben wir bisher getan. Diesen Weg wollen wir so weitergehen. Ob wir nachher mit einem Punkt oder mit acht Zählern Vorsprung aufsteigen, das ist egal. Wir sind auf einem richtig guten Weg“, wusste auch Rahn zu berichten – und fügte abschließend an: „Das war der zehnte Sieg in Folge. Das sagt ja auch schon eine Menge aus. Wir sind super zufrieden mit der Entwicklung – und wenn’s denn so weit ist, freuen wir uns.“

Autor: Dennis Kormanjos

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