Oberliga

„Dasse“-Duo knackt Niendorf: „Eine Qualität wie Maggio und Schied – das ist eben was ganz anderes“

08. März 2020, 17:54 Uhr

Wohl dem, der diese beiden in seinen Reihen hatt: Mattia Maggio (li.) und Marcel von Walsleben-Schied entschieden das Spiel in Niendorf zugunsten der TuS Dassendorf. Foto: Bode

Bei Jean-Pierre Richter kann es schon mal vorkommen, dass am Frühstückstisch Fußball das beherrschende Thema ist. Und so berichtete der Coach der TuS Dassendorf nach dem Auswärtsspiel des Tabellenführers beim Niendorfer TSV, schon weit vorm Anpfiff des Spiels bei der erste Mahlzeit des Tages mit seiner Freundin Annika die Paarung am Sachsenweg im Kopf gehabt zu haben: „Hier habe ich nie so richtig gut ausgesehen mit meinen Teams“, habe er morgens gesagt,  konstatierte „Jonny“ nach dem Kick vor 124 Zuschauern am Sachsenweg und fügte hinzu: Weder als Trainer mit dem FC Süderelbe, noch als Spieler. Ich glaube, als ich für Buxtehude gespielt habe, musste ich hier sogar mal runter.“ Diesmal allerdings dürfte Richter den Nachmittag in Niendorf in guter Erinnerung behalten: Seine Mannschaft setzte sich mit 2:1 durch und vergrößerte Dank des eigenen „Dreiers“ und des Patzers von Verfolger FC Teutonia 05 gegen den USC Paloma (0:2) den Vorsprung an der Tabellenspitze auf nun neun Zähler.

Dabei hätte es auch anders laufen können. Das wusste auch „JPR“ und dachte in seiner Analyse nach dem Spiel an eine Szene kurz vor der Pause. „Da hält Christian Gruhne gegen Dario Streubier, der aus sieben Metern abzieht, überragend“, sagte Richter und erklärte: „Anfangs hatten viel viel Raum und waren oft am Ball, aber von Minute zu Minute haben bei uns dann die Spannung und die Genauigkeit nachgelassen. Man kann sagen, dass wir Niendorf sehr abgeholt haben. Die waren drauf und dran, den Führungstreffer zu machen. Wir sind mit viel Demut in die Pause gegangen.“ Und in selbiger „haben wir den Jungs nochmal gesagt, was da auf dem Silbertablett liegt“, gab der TuS-Trainer mit Blick auf die mittägliche Niederlage von Teutonia zu Protokoll. Eine Niederlage, von der seine Jungs am besten gar nichts hätten mitkriegen sollen, wie Richter verriet.

Richter: „Wir haben nach der Pause gezeigt, dass wir diesen Sieg mehr wollten“

Dario Streubier (re., hier im Duell mit Len Strömer) hatte vor der Pause die Führung für Niendorf auf dem Fuß. Foto: Bode

„Wir haben als Trainerteam dafür gesorgt, dass die Mannschaft das Ergebnis nicht erfährt. Wir wollten den Jungs nichts sagen, weil wir Niendorf auch so schlagen wollten. Ich wusste, dass es auch einen Spannungsverlust bedeuten kann, wenn die Spieler frühzeitig davon wissen. Es ist dann natürlich unglücklich, wenn nach dem Aufwärmen alle in die Kabine kommen und davon reden, dass Teutonia 0:2 verloren hat. Da ging mein Plan nicht so auf. Aber ob es jetzt daran lag, dass wir in den ersten 60 Minuten so gespielt haben....“, sinnierte „JPR“ . Denn man musste das Spiel am Sachsenweg tatsächlich in mehreren Teilen betrachten: Da war die erste Hälfte, in der Niendorf besser spielte. Da war die Phase ab der 60. Minute, in der Dassendorf durch Mattia Maggio (63., Vorlage Finn Thomas) und Marcel von Walsleben-Schied (71., Vorlage Maggio) doppelt traf. Und da war eine Phase, von der Richter später sagen sollte: „Da dürfen wir hinten raus den Gegner nicht noch einmal reinlassen. Es war fahrig von uns, dass wir nach einem Ballverlust in einer Eins-gegen-Eins-Situation Niendorf wieder mit ins Spiel aufnehmen.“

Die Gastgeber sagten in dieser Phase jedenfalls artig „Danke“ und belohnten sich durch den 1:2-Anschlusstreffer, den Marvin Karow nach einem Zuspiel von Dennis Thiessen erzielte. Letzterer profitierte bei seinem Assist davon, dass Dassendorfs Sven Möller die Kugel gegen ihn verloren hatte. „Hinten raus war es dann Ergebnisverwaltung. Für uns zählt am meisten, dass wir die drei Punkte geholt und ein ausgeglichenes Spiel gewonnen haben. Wir haben nach der Pause gezeigt, dass wir diesen Sieg mehr wollten als Niendorf. In der zweiten Hälfte haben wir uns vermehrt reingespielt und reingesarbeitet und ein tolles Tor zum 1:0 herausgespielt. Weil er trifft, und dann auch noch die Vorlage zum zweiten Tor gibt, ist Mattia Maggio der Matchwinner“, bilanzierte Jean-Pierre Richter und warf zum Abschluss seines Statements noch einmal einen gedanklichen Blick auf die Tabelle: „Vor ein paar Wochen hatten wir mal drei Punkte Vorsprung, jetzt sind es neun – und Teutonia hat auch noch BU (feierte einen 5:0-Sieg gegen den SC Victoria, Anm. d. Red.) im Rücken. Wir haben noch neun Aufgaben. Es liegt an uns.“

Farhadi: „Wir geben nie auf – das finde ich gut an der Truppe“

Gut gemacht: Finn Thomas (re., hier mit TuS-Kapitän Amando Aust) bereitete das 1:0 der Dassendorfer vor. Foto: Bode

Auf der anderen Seite stellte Ali Farhadi fest: „Wir haben uns vom Ergebnis her nicht belohnt, aber vom Fußballerischen und von der Leistung her war das, was wir gezeigt haben, gut.“ Es mache, so der Niendorfer Trainer weiter, „richtig Spaß – gerade, wenn du in solche Situationen kommst, wie wir, dass dir eine Handvoll an Spielern fehlt, die nicht ganz unwichtig sind. Sie waren nicht da und konnten uns nicht helfen. Was die Jungs, die gespielt haben, gezeigt haben, war richtig stark.“ Man müsse auch bedenken: „Wir haben gegen Dassendorf gespielt. Eine Mannschaft, die darauf ausgerichtet ist, Meister zu werden“, resümierte Farhadi und befand: „Man hat gemerkt, dass beide Mannschaften Respekt voreinander haben. Da wird sich zunächst abgetastet und dann guckst du mal. Wir hatten durch Dario Streubier gute Chancn, nutzen sie jedoch nicht. Aber das ist nicht schlimm. Wir sind auch aus der Pause wieder gut rausgekommen und dann ist es ein Ball, den wir in der Mitte schlecht spielen. Dann spielt Dassendorf den Ball über die Außenposition – da muss Lennart Merkle dran bleiben, dann kann Finn Thomas nicht flanken. Und in der Box sind wir anschließend nicht an den Jungs dran.“

Treffend zusammengefasst. Eine Einschätzung, die auch auf Farhadis Gesamtanalyse zutraf: „Eine Qualität wie Maggio und Schied – das ist eben was ganz anderes“, schrieb der Niendorfer Übungsleiter dem Kontrahenten und dessen beiden an diesem Nachmittag spielentscheidenden Offensivkräften ins Stammbuch, vergaß aber auch nicht, seine eigenen Schützlinge noch einmal zu loben: „Wir geben nie auf – das finde ich gut an der Truppe. Deswegen habe ich auch kein einziges Mal gewechselt. Ich habe gesehen, dass die Jungs auf dem Platz stark sind. Es roch nach einem Unentschieden, nachdem das 1:2 aus unserer Sicht fiel – und das wollte ich beibehalten. Mit einem Wechsel hast du vielleicht auch mal einen Bruch im Spiel. Und den brauchten wir nicht“, erläuterte Farhadi, der abschließend sagte: „Unterm Strich haben wir verloren. Das ist aber nicht so wild. Wir müssen weitermachen.“ Weitermachen und an sich glauben. Aspekte, von denen auf der anderen Seite auch Jean-Pierre Richter weiß, dass sie hilfeich sind – selbst dann, wenn man zuvor eigentlich keine guten Erinnerungen an einen Gegner hat(te). So wie „JPR“ an Niendorf...

Jan Knötzsch  

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