Bezirksliga Ost

„Dass ich zu so einem guten Torjäger werde, hätte ich auch nicht gedacht“

13. Februar 2020, 14:50 Uhr

In 16 Bezirksliga-Spielen traf Martin Werner (li., hier beim Hallenturnier in Oststeinbek) für den Barsbütteler SV bislang 14 Mal. Foto: Bode

Etwas mehr als die Hälfte der Saison 2019/2020 ist in der Bezirksliga Ost rum. Der Barsbütteler SV hat in 18 Spielen 33 Punkte eingefahren und liegt damit als Fünfter nur zwei Zähler hinter dem Tabellenzweiten SV Börnsen. Wenn es allein nach den Zahlen geht, dann ist der Erfolg der Equipe vom Soltausredder mit einem Namen ganz eng verknüpft: Martin Werner. In 16 Einsätzen traf der 22-Jährige 14 Mal in Schwarze und liegt damit in der Torjägerliste hinter Mihai Bitez vom Spitzenreiter Ahrensburger TSV, dem Schwarzenbeker Marvin Möller und Fatig Gürel (HT 16) im vordersten Drittel. Wir haben uns mit dem Youngster über seine bisherige Karriere, die laufende Saison und die Ziele, die er und der BSV haben, unterhalten.

Zunächst einmal muss Martin Werner ein Geständnis ablegen. Nämlich das, dass er davon, wie gut es derzeit für ihn läuft, selbst ein bisschen überrascht ist. „Dass ich zu so einem guten Torjäger werde, hätte ich auch nicht gedacht“, gesteht er eingangs des Gesprächs, erklärt dann aber auch, was ihn so stark macht und den BSV auszeichnet. „Wir sind wie eine große Familie. Ich fühle mich hier richtig wohl. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft ist riesig“, macht der 22-Jährige keinen Hehl daraus, dass es zum einen der Wohlfühl-Faktor ist, der ihn beflügelt. Logisch. Denn: Wer keine Sorgen hat und sich gut fühlt, der kann sich aufs Kicken konzentrieren – und eben entsprechend performen. Aber da ist noch etwas, sagt Werner – und meint damit den rein (spiel-)taktischen Aspekt. „Ich kann auf der Position, die ich jetzt spiele, meine Stärken wie zum Beispiel meine Schnelligkeit besser ausspielen“, verrät er, dass er sich im offensiven Mittelfeld – oder gar im Sturm – weitaus besser aufgehoben fühlt, als im defensiven Mittelfeld. 

„Die erste Saison bei Cordi lief für mich hervorragend“

In seiner Cordi-Zeit kam der 22-Jährige in der ersten Saison unter Trainer Florian Gossow zu 17 Einsätzen in der Oberliga. Foto: Bode

Wie es ist, etwas weiter hinten zu spielen – auch das kennt Martin Werner. Aus seiner Zeit bei Concordia zum Beispiel. Denn der junge Mann, der jetzt in Barsbüttel so gut trifft, kann trotz seiner gerade mal 22 Jahre schon auf Erfahrungen beim Traditionsverein in Hamburgs Amateurfußball-Oberhaus zurück schauen. „Die erste Saison bei Cordi lief für mich hervorragend. Ich war verletzunsgfrei und habe meine Einsatzzeiten bekommen. Ich bin dem damaligen Trainer Florian Gossow, dankbar dafür, dass er mich damals geholt hat, mir die Oberliga zugetraut und mir die Chance gegeben hat, zu spielen“, blickt Werner zurück. 17 Oberliga-Einsätze im Premierenjahr sprechen eine deutliche Sprache, die das unterstreichen, was der 22-Jährige da sagt. Doch in der zweiten Saison beim Club vom Bekkamp lief es dann nicht mehr so. Nur sechs Mal durfte Werner in der Liga ran. „Ich hatte die Seuche, was Verletzungen angeht“, erinnert sich der jetzige Barsbütteler, der schon in der Jugend für den BSV spielte, im Nachwuchs des TuS Berne am Ball war und in Cordis Reserve auflief. „Im zweiten Jahr bei Cordi kam hinzu, dass dann ein neuer Trainer da war. Da habe ich kaum das Vertrauen gespürt. Er hat, weil die Situation es erfordert hat, einfach mehr auf die älteren Spieler gesetzt. So kam es dazu, dass sich die Wege dann getrennt haben“, erinnert sich Werner.

„Manchmal muss man zwei Schritte zurück machen, um vielleicht einen nach vorne zu machen“

Gefragter Mann: Das Telefon klingelt bei Martin Werner derzeit öfter, doch er fühlt sich beim BSV wohl. Foto: Bode

Für ihn ging es dann also zum BSV. Auf den ersten Blick ein Rückschritt für jemanden, der schon in der Oberliga aktiv war. Oder nicht? „Ich kam aus der ganzen Verletztenmisere, ich wollte einfach wieder spielen. Manchmal muss man zwei Schritte zurück machen, um in der Zukunft vielleicht einen nach vorne zu machen. Ich bin jetzt verletzungsfrei. Mit Zoran Nestorovic und Murat Gülec habe ich hier zwei Trainer, die ich schon aus meiner Jugendzeit in Barsbüttel kenne, die mir Vertrauen schenken und auf mich setzen. Zoran kenne ich schon, seit ich klein bin, er hat mich auch im letzten Jugendjahr trainiert. Und Murat war eigentlich auch immer da.“ Aber denkt man mit so einer Quote, wie Martin Werner sie hat, perspektivisch nicht doch nochmal an höhere Aufgaben? „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mich nicht mit der Oberliga beschäftige. Ich würde da gerne nochmal spielen und zeigen, dass ich das kann“, gibt er unumwunden zu und erzählt auch, dass „das Telefon im Moment schon öfter klingelt und sich interessierte Vereine melden.“ Aber: „Ich bin super zufrieden in Barsbüttel und sehe derzeit keinen Grund dafür, zu gehen“, weiß Werner, was er an seinem jetzigen Club hat. Und warum soll nicht auch der den nächsten Schritt machen? „Es ist schon so, dass wir in der Kabine mal über den zweiten Platz sprechen, aber wir sind jetzt hier nicht in einer Euphorie, dass wir aufsteigen müssen. Wir versuchen, so erfolgreich wie möglich zu spielen“, erklärt der 22-Jährige, ist sich aber auch sicher: „Ich glaube, dass wir die Qualität haben, auf Platz zwei landen zu können.“ Und das unter anderem eben, weil Martin Werner trifft, wie er will...

Jan Knötzsch

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