Falke verliert

„Das war für den ganzen Amateurfußball, die Werte und das, wofür die FENIX Trophy steht, eine mega Sache!“

22. September 2021, 23:39 Uhr

Vor beeindruckender Kulisse lieferten der HFC Falke und die Prague Raptors ein Spektakel zum Auftakt der FENIX Trophy ab. Foto: Olaf Both

„Man fühlt sich immer noch wie der gleiche Mensch“, scherzte Dirk Hellmann nach seinem „Europacup-Debüt“ als Trainer. „Es ist gar nicht so viel anders als vorher“, war er nach dem Eröffnungsspiel der FENIX Trophy zu Späßen aufgelegt – und das, obwohl sein HFC Falke gegen die Prague Raptors mit 0:2 unterlegen war (alle Highlights im LIVE-Ticker). Aber: „Bei diesem Turnier geht es um viel mehr und um viel größere Sachen. Das, was hier heute los war und das gesamte Spiel an sich, war für den ganzen Amateurfußball, für die Werte und für das, wofür die FENIX Trophy steht, eine mega Sache!“

Der passt genau! Dem Ball zum 0:1 kann Falke-Fänger Marco Wendt nur hinterherschauen. Foto: Olaf Both

Vor 462 Besuchern im Wolfgang-Meyer-Stadion an der Hagenbeckstraße bekamen beide Mannschaften das, was ihnen nach den 90 Minuten gebührte: Szenenapplaus von den Rängen. „Als Fußballer will man immer gewinnen – ganz egal, ob es sich um ein Freundschaftsspiel oder eine Partie vor 20 Zuschauern handelt. Natürlich ärgert man sich, aber am Ende ist alles zweitrangig“, war das Ergebnis letzten Endes doch nur Nebensache. „Wir wussten ja nicht so richtig, was uns erwartet“, rätselten Hellmann und sein Funktionsteam im Vorfeld über die Stärke des Gegners, der in Tschechien ebenfalls in der siebten Spielklasse unterwegs ist – wie auch der HFC in der Hansestadt.

"Eine sehr gute Mannschaft - das kann man nicht anders sagen"

Jubel beim Torschützen Prince Owusu (re.), Frust bei Andreas Bartel (li.) und seinen Falken. Foto: Olaf Both

Die Erkenntnis nach der Begegnung: „Man muss schon sagen, dass war über 70 Minuten ein sehr hohes Pressing, extrem laufintensiv – eine wirklich sehr gute Mannschaft. Das kann man nicht anders sagen“, zog Hellmann anerkennend seinen Hut. Während man seinem Team die Anspannung angemerkt habe. „Die ganzen Rahmenbedingungen nehmen den einen oder anderen Spieler ja schon mit, weil sie das das erste Mal erlebt haben. In der Liga war die Brust zuletzt sehr breit und wir haben viel Selbstsicherheit ausgestrahlt.“

Ein Aspekt, der auch in der Halbzeitpause eine Rolle gespielt habe, wie Hellmann verriet: „Wir haben angesprochen, dass wir ein bisschen mutiger sein wollen.“ Aber: „Heute hat das Fortune im letzten Drittel gefehlt, dass der Pass mal ankommt, der Ball nicht verspringt oder wir zu einem sauberen Abschluss kommen.“

"Make friends not millionaires"

Bereits am Dienstagabend nahm Falke-Präsident Timo Oehlenschläger die Prague Raptors mit einer kleinen Delegation in Empfang. Am Mittwochvormittag folgte eine kleine Erkundungstour durch Hamburg, ehe es mit der Bahn zum „Ground“ an der Hagenbeckstraße ging. Um 19:04 Uhr hatte das lange Warten schließlich ein Ende. Der Anpfiff zum Eröffnungsspiel in der FENIX Trophy zwischen dem HFC Falke und den äußerst sympathischen Gästen aus Tschechien ertönte – doch zuvor verdeutlichen beide Teams beim Betreten des Platzes auf einem Banner, worum es geht: Freunde machen und keine Millionäre!

Der Prince von Prag mit einem Traumtor

Das vorentscheidende 0:2! Die physisch starken Gäste aus Tschechien machten im zweiten Abschnitt mit dem zweiten Treffer alles klar. Foto: Olaf Both

Auch auf dem Platz ging es überaus freundschaftlich zu. Rein sportlich drückten die Mannen aus Prag dem Spiel früh ihren Stempel auf und waren klar überlegen. Das Highlight setzte Prince Owusu in der 24. Minute, als er den Ball traumhaft schön aus 21 Metern linker Position in den rechten Giebel setzte! HFC-Keeper Marco Wendt machte sich lang, flog aber vergeblich. Owusu feierte sein Traumtor mit der Ronaldo-Jubelpose und erntete sogar Beifall vom Falke-Anhang. Der Hamburger Bezirksligist hatte lange nur wenig entgegen- und konnte sich nicht entscheidend in Szene setzen. Wenn mal was ging, dann über „Flügelflitzer“ Elija Sinemus, der in Minute 76 die größte und bis dahin einzige echte Torchance auf dem Fuß hatte. Nach toller Vorarbeit von Niclas Schlafke zielte er jedoch am langen Eck vorbei, in der Mitte verpasste noch Hendrik Ebbecke.

Prag setzt nach, Falke versiebt Hochkaräter

Die Stimmung an der Hagenbeckstraße war prächtig. Foto: Olaf Both

Zu diesem Zeitpunkt hieß es aber schon 0:2 aus HFC-Sicht: Philipp Hinze blieb nach einem Fehlpass verletzt liegen, Falke bekam den Ball nicht geklärt, Prag nutzte dies mit einem strammen Abschluss aus 15 Metern ins linke obere Eck (68.). Benjamin Baarz, Kapitän der Falken, machte seinen Unmut deutlich und spendete zunächst höhnischen Beifall, da die Gäste den Ball nicht ins Aus spielten – trotz aller Freundschaft. Baarz war es auch, der mit einem eigentlich harmlos anmutenden Freistoß die dickste Möglichkeit der „Hellmänner“ initiierte. Der Schlussmann der Raptors konnte das Leder nicht festhalten, aber Nikolas Schemmerling konnte im Nachsetzen aus allerkürzester Entfernung kein Kapital daraus schlagen (85.). „Das passte irgendwie“, resümierte Hellmann – und sprach von einem „verdienten Sieg“.

"Das war heimlich die Mannschaft von Slavia Prag"

Trotz der Niederlage feierte die Mannschaft des HFC Falke nach Schlusspfiff noch ausgiebig mit den Fans. Foto: Olaf Both

Dem stets lautstarken Anhang der Falken machte dies nichts aus. Sie nutzen den FENIX Trophy-Auftakt, um 90 Minuten für eine unglaubliche Atmosphäre zu sorgen („Scheiß auf Erste Liga, FENIX Trophy-Sieger, HFC“). Gleiches galt für die mitgereisten Fans aus Prag und die kleinere Fangruppe aus Dithmarschen, wo ein Akteur der Raptors studiert. Mit 2:0 behielten die Mannen aus Prag die Oberhand. Und obwohl das Resultat schlussendlich eher eine untergeordnete Rolle spielte, befand Falkes Liga-Obmann Nils Kuntze-Braack – angesichts der Physis und der Qualität der Gäste – mit einem dicken Augenzwinkern: „Ich bin ja auch der Meinung, dass sie heimlich die Mannschaft von Slavia Prag hierhergeschickt haben.“ Tatsächlich reiste die Elf aus der tschechischen Landeshauptstadt mit 16 Spielern aus 16 verschiedenen Nationen an. Ein Zeichen für Integration – und für die FENIX Trophy.


Vielen Dank an Olaf Both für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial! HIER gibt's die komplette Galerie zum Spiel!

Falke-Kapitän Benjamin Baarz nach dem Spiel im Interview und mit einem Plädoyer für ein gemeinsames Europa

HFC-Präsident Timo Oehlenschläger im Interview über den Empfang der Raptors, die Partie und die FENIX Trophy an sich

Die Mannschaften werden nach dem Spiel von den Fans gefeiert

Der Falke-Anhang feiert die Mannschaft

Autor: Dennis Kormanjos

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