23.03.2019

Das „schlechteste Spiel in diesem Jahr“ langt Bramfeld zum Sprung an die Spitze

Coach Henning nach Sieg bei Inter: „Jeder sollte an seine Leistungsgrenze gehen – das hat definitiv keiner geschafft“

Glanzlos, aber glücklich: Die BSV-Spieler dürfen angetrieben von Las Lüdemann (im Kreis) den Sieg bei Inter feiern. Foto: Both

Lars Lüdemann drehte noch einmal so richtig auf. Vorher, im Spiel des Bramfelder SV bei Inter 2000 (Hier gibt’s den Live-Ticker der Partie zum Nachlesen), war für „Lüde“ nach 74 Minuten Schluss. Dann nahmen ihn Carsten Henning und Mirko Schulz, die beiden Trainer des BSV, vom Platz. Da lautete der Spielstand 1:1. Als Lüdemann nach dem Spiel im Kreis seiner Teamkollegen stand und sich anschickte, den abschließenden Jubelgesang zu intonieren, konnte er das mit einem Sieg im Rücken tun: 4:1 hieß es am Ende – entsprechend losgelöst leitete „Lüde“ den letzten Akt auf dem Kunstrasenplatz an der Snitgerreihe ein. Er begann seinen Verbal-Auftritt dabei mit etwas, was nach den 90 Minuten im Duell des Titelaspiranten BSV gegen den Abstiegskandidaten Inter nicht von der Hand zu weisen war. 

„Ich weiß, die erste Halbzeit war scheiße“, leitete Lüdemann seinen Auftritt ein und traf damit den immer wieder so gern genommenen sprichwörtlichen Nagel auf den ebenso berühmten Kopf. Zwar drückten es Schulz und Henning nach dem Spiel nicht unbedingt mit jenem Wortschatz aus, den „Lüde“ gewählt hatte, doch die Meinung, die die beiden hatten, wurde ebenso klar. „Unterm Strich war das ganz schwach“, sagte Schulz und Henning ging sogar noch einen Schritt weiter: „Es war überhaupt kein gutes Spiel, Das war das schlechteste Spiel, das wir in diesem Jahr gezeigt haben.“ Ihm sei klar gewesen, „was auf uns zukommt und dass sich Inter nicht noch einmal so abschlachten lässt, wie am vergangenen Sonntag gegen Billstedt (dort verlor der Aufsteiger mit 0:14, Anm. d. Red.)“, so Henning weiter, „genau das war unter der Woche auch das Thema. Aber dass wir uns so abkrampfen, ohne Fußball zu spielen und jeder auf dem Platz nur für sich unterwegs ist, ist bezeichnend.“

BSV profitiert von HUFC-Ausrutscher – Schulz: „Wir sind noch lange nicht Titelfavorit“

Den Gegner im Blick: Bramfelds Marcel Perz (re.) beobachtet Inters Osman Celik, der den Ball führt. Foto: Both

Ebenso bezeichnend aus Sicht des BSV-Übungsleiters: Dass sein Team mit 0:1 in Rückstand geriet. Das geschah nach 34 Minuten, als Habib Zagre im Anschluss an eine Ecke von Bülent Imanci richtig stand und das Glück hatte, dass BSV-„Goalie“ Thorben Rehnert zu zaghaft zu Werke ging und auch seine Vorderleute zu sehr zögerten. Immerhin: Noch vor der Pause glich Bramfeld in Person von Christian Westphal aus (45.). „In der zweiten Halbzeit war unser Spiel ein bisschen besser, aber nicht viel“, beschied Carsten Henning nach der Begegnung. Entsprechend dauerte es auch bis weit in den zweiten Durchgang hinein, ehe der BSV für die Entscheidung sorgen konnte: Kevin Mellmann besorgte nach 82 Minuten das 2:1, dann traf Milos Ljubisavljevic zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit zum 3:1 und bereitete schließlich das 4:1 durch Robin Polzin (90.+2) vor. „Wir haben die Tore am Ende nur gemacht, weil Inter körperlich fertig war“, bilanzierte Henning, dem nicht verborgen geblieben war, dass sein Team sich schwer getan hatte. Die übliche „wir stehen oben und unterschätzen den Gegner, der unten steht“-Nummer?

„Ja, das ist eine Möglichkeit. Aber es ist keine Ausrede. Jeder sollte an seine Leistungsgrenze gehen. Das hat definitiv keiner geschafft“, gab Henning offen zu. Dennoch: Durch den Sieg bei Inter 2000 und Hamm Uniteds Niederlage gegen Buxtehude ist Bramfeld nun Tabellenführer. Ein Fingerzeig in Sachen Titelkampf? „Wir haben noch sieben Spiele. Wenn wir Erster bleiben wollen, dann müssen wir die anderen Siele gewinnen – da kommen wir nicht drum herum. Heute sind uns nur drei Punkte gegeben worden. Die nehmen wir mit“, will Henning von derlei Gedanken (noch) nichts wissen. „Das Spiel heute war der erwartete Charaktertest. Wir haben das vorher klar angesprochen. Leider ist es eine Schwäche des Menschen, dass man, wenn man selbstzufrieden ist und den Gegner unterschätzt, keine 100 Prozent abrufen kann. Genau das ist uns passiert. Dennoch haben wir drei Punkte geholt. Wir haben auch schon mal mit guten Spielen weniger geholt“, resümierte Trainerkollege Mirko Schulz und stellte  fest: „Das Spiel in Buxtehude ist so ausgegangen, wie wir uns das gewünscht haben. Deswegen sind wir aber noch lange nicht Titelfavorit. Wir haben noch sieben Spiele. Wenn wir die alle gewinnen, dann sind wir Meister.“

Jan Knötzsch  

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