13.10.2018

Dank 95-Meter-Telepathie: „Lewi“ hat noch einen Moment im Schuh!

ETV-Joker sticht zum späten Sieg im Verfolgerduell bei Poppenbüttel

Jubelnde Eimsbütteler! Youngster Daniel Rechni (2. v. re.) feiert mit seinen Teamkollegen das zwischenzeitliche 1:0. Foto: Gettschat

„Komischerweise“, so Thorsten Beyer, habe er sich die Frage nach der Enttäuschung im Falle eines Nicht-Sieges „nur ganz kurz gestellt“, um sie dann ohne großes Zögern postwendend zu den Akten zu legen. Denn: „Ich habe mir gleich gesagt: ‚Die Antwort brauchst du nicht.‘ Ich habe noch auf die eine Situation gehofft.“ Die eine Situation, an der auch der Trainer des Eimsbütteler TV nicht ganz unbeteiligt war (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen). Neun Minuten vor Ultimo wechselte Beyer den gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrten Ayke Yesiltac ein. 240 Sekunden später dankte der es ihm mit dem finalen Punch...

„Als ‚Lewi‘ den Ball bekommen hat, dachte ich mir noch: ‚Du hast letzte Woche vier Stück gemacht – du hast doch noch diesen einen Moment im Schuh.‘ Scheinbar hat es auf die Entfernung von 95 Metern telepathisch gewirkt“, unterstrich der von Beyer angesprochene Lewis-Marten Gerszke die hellseherischen Fähigkeiten seines Übungsleiters, als er fünf Zeigerumdrehungen vor Ultimo noch einmal alle Kräfte bündelte, zu einer starken Einzelaktion ansetzte und dem in der Mitte freistehenden Ayke Yesiltac das 3:2 auf dem Silbertablett servierte. Und so musste sich Beyer die Frage nach dem „hätte, wäre, wenn“ nur theoretisch stellen. „Klar wäre das super, super bitter und für uns eine gefühlte Niederlage gewesen. Von daher hat der Fußball mit diesem Tor einfach auch ein Stück weit Gerechtigkeit erfüllt“, befand er.

„Vielleicht war der Respekt zu groß“

Jasper Hölscher (li.) zeigte eine bärenstarke Leistung. Foto: Gettschat

Denn im ersten Durchgang brachte der 18-jährige Youngster Daniel Rechni – nach starker Vorarbeit des herausragenden Jasper Hölscher – den ETV nicht nur mit seinem allerersten Herrentor in Front (28.), sondern läutete damit auch eine Phase ein, in der sein Team dem Verfolger aber mal so richtig die Grenzen aufzeigte. „Wir haben überhaupt nicht stattgefunden“, konstatierte auch Poppenbüttel-Trainer Yorck Männich hinterher – und ging auf Ursachenforschung: „Vielleicht war der Respekt doch ein bisschen zu groß.“ Hinzu kam, dass wir wieder einige personelle Umstellungen zu verkraften hatten.“ Unter anderem den frühen Ausfall von Routinier Maik Fischer. „Das war ein kleiner Schock für die Mannschaft, wovon wir uns nicht richtig erholt haben“, meinte Männich. „Der ETV hat das aber auch gut gemacht, muss eigentlich 2:0 oder 3:0 führen.“ Doch Hölscher scheiterte gleich zweimal an Jan Haerting (33., 37.), ehe Jon Pauli den Ball im Nachsetzen aus kürzester Entfernung an die Unterkante der Latte beförderte. Und so kam es, wie es kommen musste…

„Das unnötige 1:2 hat uns erstmal jede Menge Wind aus den Segeln genommen“

18 Jahre jung - und schon doppelt erfolgreich: ETV-Youngster Daniel Rechni (li.) trumpfte an der „Bülte“ besonders auf. Foto: Gettschat

Samuel Olayisoye und Simon Mensah waren sich nach einem langen Ball uneins, Yoel Männich nutzte das Tohuwabohu und erzielte aus dem totalen Nichts den Ausgleich (45.). „Das tat schon richtig weh“, gestand Beyer. „Zu diesem Zeitpunkt musst du schon 3:0 führen“, traf er den Nagel auf den Kopf. Keine einfache Situation. „In der Halbzeit wusste man nicht, ob die Jungs vor Enttäuschung schnappen oder weil ihnen bei dem Wetter einfach die Luft weggeblieben ist“, so Beyer, der jedoch schnell zur Erkenntnis kam: „Sie haben es angenommen!“ Während die Hausherren den Ball bereits im Aus wähnten, schaltete Hölscher einmal mehr blitzschnell und ermöglichte Rechni dessen zweiten Treffer an diesem Tag (48.). „Es ist umso ärgerlicher, dass wir nach dem Luckypunch mit dem Pausenpfiff dann so aus der Halbzeit kommen und gleich wieder mit so einer unnötigen Abwehraktion das 1:2 zulassen“, ärgerte sich Männich. „Das hat uns erstmal wieder jede Menge Wind aus den Segeln genommen.“ Dennoch: „Ich fand uns in der zweiten Halbzeit insgesamt mutiger.“

Männich: „Wenn wir nicht so zügig auf den zweiten Ball zulaufen, machen wir das 3:2“

Verstecken musste sich Daniel Rechni nach seinem Doppelpack wahrlich nicht. Foto: Gettschat

Derweil agierte der ETV nach dem erneuten Führungstreffer zu passiv. „Die zweite Halbzeit war nicht mehr so dominant, aber das ist bei dem Wetter auch kein Wunder – nachdem wir in der ersten Hälfte viele Sachen richtig gemacht und das gespielt haben, was man bei dem Wetter spielen muss. Wir sind früh drauf gegangen, haben das Spiel in des Gegners Hälfte verlagert, und einen hohen Aufwand betrieben“, so Beyer, dessen Schützlinge nach einem von Jan Erdmann butterweich ins Zentrum geschlagenen Freistoß und dem darauffolgenden Kopfball von Maximilian Ehle das 2:2 kassierten (68.). Sollte die Partie nun kippen? Beinahe wäre das der Fall gewesen! „Wenn wir nicht ganz so zügig auf den zweiten Ball zulaufen, dann machen wir den rein und es steht 3:2. Heute war alles drin, leider haben wir den Kürzeren gezogen“, sprach Männich auf jene Szene an, die sich unmittelbar vor dem entscheidenden Yesiltac-Tor abspielte. Einen Distanzschuss von Hannes Steckel faustete Robert Block nach vorne weg, Yoel Männich bekam beim Abpraller aus wenigen Metern allerdings nicht mehr genügend Druck hinter den Ball. „Deshalb war es schon bitter, am Ende noch zu verlieren“, resümierte SCP-Coach Männich. 


Sein Gegenüber freute sich über einen „schönen Tag“ – und verriet: „Ich fahre gleich noch für zwei Tage an die Ostsee und werde dort auf den heutigen Sieg ein Bad nehmen bei 14 Grad Wasser-Temperatur.“ Von dem kurz zuvor errungenen 6:0-Sieg des großen Konkurrenten HFC Falke über den SC Sperber hätte Beyer zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis. „Ich weiß nicht mal, wie das ausgegangen ist, damit hat sich keiner beschäftigt und es spielt auch keine Rolle. Falke ist fünf Punkte weg und spielt zurzeit noch in einer anderen Liga.“

Autor: Dennis Kormanjos

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