LOTTO-Pokal

Curslack-Blitztor und Cayir-Blackout: SVCN lässt die Muskeln spielen!

01. August 2021, 19:28 Uhr

Serhat Cayir (Mi.) verliert die Nerven. Für dieses Einsteigen von hinten gegen Florian Rogge sieht er Rot. Foto: Bode

Er wusste genau, was seiner Mannschaft bevorstehen würde. Und dennoch war der Respekt bei Curslack-Coach Christian Woike vor dem Erstrunden-Duell im LOTTO-Pokal beim klassentieferen ASV Hamburg riesengroß. Einerseits, weil Woike – wie auch der Kontrahent – auf einige Leistungsträger verzichten musste. Und andererseits, weil sich der ASV in den letzten Jahren zu einer sehr ernstzunehmenden Adresse in der Landesliga gemausert hat. Dies hat der Club nicht zuletzt mit den Transfers von Luis Hacker (FC Teutonia 05) und Tolga Tüter (zuletzt Meiendorfer SV) untermauert. Letztgenannter fehlte dem ASV im Kampf gegen den Oberligisten aber verletzungsbedingt.

Florian Rogge (Mi.) lässt den Ball zum 2:0 im Winkel einschlagen. Foto: Bode

„Wir haben einen unfassbar guten Start ins Spiel gehabt, besser ging‘s natürlich gar nicht“, nannte Woike im Nachgang einen Grund dafür, weshalb seine „Gramkowwegler“ am Ende überraschend klar und deutlich in die zweite Pokalrunde einzogen (alle Highlights im LIVE-Ticker). Denn nach nicht einmal 15 Sekunden bog der Gast bereits auf die Siegerstraße ab, als Özgür Bulut einen Zuckerpass von Florian Rogge in die Maschen jagte (1.). Ein Traumstart für die „Deichkicker“, ein heftiger Schock für den ASV. Die Gastgeber monierten in jener Szene, dass Bulut schon vor dem ausgeführten Anstoß in die gegnerische Hälfte durchgestartet war. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Der Landesligist war hinten unwahrscheinlich offen, sah Angriff über Angriff auf sich zurollen. Nach einer kurz ausgeführten Ecke von Pascal El-Nemr sorgte Rogge mit einem Hammer aus der zweiten Reihe für das frühe 2:0 (12.).

"Das war schon ein sehr kurioses Zeichen setzen"

Der Jubel bei Rogge (2. v. li.) und seinen Teamkollegen war nach dieser Machtdemonstration riesengroß. Foto: Bode

Doch schon zuvor war die Aufregung groß, als nämlich Luis Hacker an der Seitenauslinie rustikal in seinen Gegenspieler reinsprang. So sehr, dass der namhafte Neuzugang mit Gelb gut bedient war (3.). „Wir haben uns darauf eingestellt, dass es sehr körperlich und sehr physisch werden wird“, so Woike. „Dass es dann gleich zu so einer Eröffnungsaktion kommt, damit habe ich aber nicht gerechnet. Das war schon ein sehr kurioses Zeichen setzen, wenn man das so nennen will. Aber wir waren darauf vorbereitet, das hat man auch daran gemerkt, dass wir eine gute Reaktion darauf gezeigt haben.“ Sein Team blieb ruhig. Auch nach einem kompletten Aussetzer von Serhat Cayir. Der ehemalige Woike-Schützling aus Condor-Zeiten rauschte mit vollem Anlauf von hinten in die Beine von Rogge und sah folgerichtig den roten Karton (39.)!

Cayir dreht durch - "Auf einer Skala bis zehn war das eine zwölfeinhalb"

„Auf einer Skala der berechtigten Roten Karten von eins bis zehn könnte sich das bei einer zwölfeinhalb einpendeln. Ich würde sagen: Mit Anlauf sauber getroffen“, hatte Woike hinterher gut lachen, nachdem sein Spieler, der zunächst schreiend liegen blieb, weiterspielen konnte. „Damit hat er seiner Mannschaft natürlich nicht geholfen. Ich habe lange darunter leiden müssen, heute hat er mir damit geholfen“, wusste der SVCN-Dompteur, dass der Platzverweis seiner Equipe noch mehr in die Karten spielen würde. „Wir haben es danach extrem gut gespielt, die Ruhe bewahrt, aber weiterhin sehr gut in Richtung Tor agiert und hinten sehr sicher gestanden“, lobte Woike seine Mannen. „Wir waren sehr präsent, griffig, fußballerisch stark, haben keine Zweifel aufkommen lassen und eine starke Physis sowie Geschlossenheit an den Tag gelegt.“

Curslack hat leichtes Spiel und macht das halbe Dutzend voll

Mark Hinze (li.) musste verletzungsbedingt mit einer Zerrung bereits Mitte der ersten Halbzeit ausgewechselt werden. Foto: Bode

Nach der Pause wurde es noch deutlicher und einseitiger. Marco Schubring verwertete in Folge einer Ecke von Vincent Janelt die Ablage von Moritz Kühn (48.), ehe Christian Peters ein Zuspiel von Bulut zu nutzen wusste und trocken einschoss (51.). Curslack kam nun zu unzähligen Chancen, scheiterte ein ums andere Mal an Nick Gyateng im ASV-Kasten, hatte aber auch noch zwei Treffer in petto. Erst war es Janelt, der nach Pass von Hamed Mokhlis mit seinem etwas schwächeren rechten Fuß finalisierte (78.). Dann sorgte El-Nemr per Strafstoß – Mokhlis wurde an der Strafraumgrenze gelegt – für den überraschend einseitigen und klaren 6:0-Endstand zugunsten des ambitionierten Oberligisten (82.).

"Wir haben bestimmt, was passiert"

Serhat Cayir (3. v. li.) weiß sofort Bescheid und schreitet nach der Roten Karte direkt von dannen. Foto: Bode

„Ein auch in der Höhe verdienter Sieg“, konstatierte Woike – und fügte an: „Ich habe der Mannschaft gesagt: Es liegt an uns, was passiert. Und wir haben auch bestimmt, was passiert.“ Und das in eindrucksvoller Manier. „Ich weiß, was wir zu leisten imstande sind. Aber dass wir das zum jetzigen Zeitpunkt gegen solch einen Gegner rausgelassen haben, das freut mich natürlich. Man hat aber auch gesehen, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben“, wollte er das Ergebnis nicht zu hoch hängen. Denn: „Für das heutige Spiel können wir uns schon morgen Abend nichts mehr kaufen.“ Dann hofft Woike nämlich „auf ein vom Papier her angenehmeres Los“. Während der ASV den Fokus nun auf die Liga legen kann. Das Trainerduo Mekan und Devran Barlak tat dies schon unmittelbar nach Schlusspfiff und verschwand schnurstracks in der Kabine…

Autor: Dennis Kormanjos

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