07.01.2019

Clevere Coach-Lösung bei Vicky, Condor im Chaos

Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Foto: KBS-Picture.de

An dieser Stelle greifen wir unter dem Titel „Abpfiff“ in unserer Kolumne die Geschehnisse des Wochenendes und die wichtigsten Themen der Woche im Hamburger Fußball auf und kommentieren diese. Dieses Mal geht es um den SC Victoria und die Verpflichtung von Fabian Boll als neuer Trainer und Marius Ebbers als dessen Assistent sowie die gescheiterte „Personalie Nico Peters“ beim abstiegsbedrohten SC Condor, der zumindest vorerst erst einmal ohne einen Trainer dasteht, nachdem der Wunschkandidat nun doch nicht neuer Übungsleiter der „Raubvögel“ wird. 

Es gibt eine Redensart, die besagt, dass man den zweiten Schritt im Idealfall nicht vor dem ersten machen soll. Bis zum Berner Heerweg jedoch scheint sich dies noch nicht herumgesprochen zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass der SC Condor die Verpflichtung seines neuen Trainers Nico Peters einfach schon einmal vermeldete, ohne davor allerdings auch Gewissheit zu haben, dass Peters auch wirklich zum Oberligisten kommen will, kann oder darf!? Denn da liegt das Problem, das inzwischen im Hamburger Amateurfußball hinlänglich bekannt ist: Der 31-Jährige ist beim WSV Tangstedt noch in Amt und Würden, hat dort als Coach einen laufenden Vertrag – da kann Ralf Rath, Condors neuer Sportlicher Leiter, der mit Peters bereits beim SC Alstertal-Langenhorn zusammenarbeitete, noch so oft als „Ziehvater“ des Nun-Doch-Nicht-Condor-Trainers tituliert werden. Auch Rath sind Grenzen gesetzt.

Egal, wer Condor nun übernimmt: Er ist die zweite Wahl

Condors neuer Sportlicher Leiter Ralf Rath muss nun doch nochmal nach einem neuen Coach suchen. Archivfoto: noveski.com

Nun ist guter Rat(h) vorerst teuer. Condor steht ohne Trainer da. Am Wochenende beim Hallenturnier um den Wandsbek-Cup stand quasi als „Aushilfe“ mit Denis Friedrich der Trainer der Zweitvertretung an der Bande – unterstützt von Liga-Spieler Ken Niederstadt. Dass man auf der Suche nach einem Coach ist, ist nicht weiter schlimm – so geht’s ja allen Vereinen, die sich irgendwann einmal von ihrem Übungsleiter trennen. Das Auftreten des SCC allerdings, einfach mal so vorzupreschen im Glauben, dass man es schon irgendwie schafft, den Wunschkandidaten bei seinem Noch-Verein loszueisen, darf man getrost als peinlich titulieren. Zumindest aber ist es zu kurz gedacht und wirft die Frage auf, wo die fachliche Kompetenz hin ist, die die „Raubvögel“ in den vergangenen Jahren immer auszeichnete. Nun, sie ist vermutlich in den letzten Wochen und Monaten ebenso verloren gegangen wie die Namen, die einst neben dem Feld für Qualität standen. Christian Woike, Marco Krausz, Kai Koch, Olufemi Smith, Fabian Boll – alle weg. Man wird einfach den Eindruck nicht los: Bei Condor regiert derzeit das Chaos.

Umsichtige Personalpolitik? In Sachen Trainer ist sie abhanden gekommen. Nicht nur jetzt in der „Causa Peters“. Nein, auch bei der Trennung von Smith und Boll im Dezember 2018 durfte man zumindest mal nach Sinn, Zweck und Zeitpunkt fragen. Nun kann man den Verantwortlichen bei den „Raubvögeln“ zugute halten, dass man gerne noch einmal einen neuen Impuls setzen wollte. Im Abstiegskampf sicher legitim. Auch der Zeitpunkt, dies nach dem letzten Spiel zu tun und dann in Ruhe entscheiden zu können, wie es weitergeht, ist einerseits okay. Andererseits: Warum vollzog man den Schritt, als Condor – nach einem Sieg gegen Cordi – gerade wieder auf dem aufsteigenden Ast war und nicht vorher, als es wirklich noch mehr kriselte? Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist bald auch der SC Condor weg? Weg aus der Oberliga? Klar ist: Die Entscheidung, wer künftig Trainer ist, muss jetzt schnell fallen. Schneller als man es vorhatte. Sie muss sitzen. Und: Derjenige, der übernimmt, muss damit leben, dass er nur die zweite Wahl ist. Es gibt fraglos günstigere Einstiegs-Voraussetzungen, wenn so oder so schon das Abstiegsgespenst grüßt...   

Boll und Ebbers – ein Schuss, der zu sitzen scheint

An der Hoheluft wiedervereint: Die beiden Ex-St-Paulianer Marius Ebbers (li.) und Fabian Boll (re.). Foto: KBS-Picture.de

Die zweite Trainerpersonalie, die die Liga in Aufruhr versetzte, ist die beim SC Victoria. Dort, wo man sich in der näheren Vergangenheit nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, als es um die Rolle und die (nahe) Zukunft des nun im Dezember 2018 aus seinem Amt geschiedenen Jean-Pierre Richter ging, werden künftig mit Cheftrainer Fabian Boll und Co-Trainer Marius Ebbers – unterstützt von Torwart-Trainer Benjamin Kruk, der zuletzt vom „Co“ zum „Interims-Chef“ aufgestiegen war – zwei ehemalige Profis das Sagen haben. Ein cleverer Schachzug von Präsident Ronald Lotz – und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen manövriert Lotz den SCV mit dieser Entscheidung aus den in den vergangenen Wochen nicht immer allzu positiven Schlagzeilen heraus. Zwei Ex-St. Paulianer mit jeder Menge gutem Ruf und Beliebtheit in der Hansestadt – das liest sich besser als immer wiederkehrende Fragen, was denn nun hinter den Kulissen zwischen Lotz und Richter schiefgelaufen ist. Und: Zwei Ex-Profis können vom Umfeld bis hin zum Team auch noch einmal neu beflügeln. Der berühmte neue Impuls, von dem weiter oben schon die Rede war. Gleichwohl: Der Schuss kann auch nach hinten losgehen.

Zwei Ex-Profis auf einer Oberliga-Trainerbank garantieren nicht allein nur aufgrund ihrer Namen schon den größtmöglichen Erfolg. Wobei die Argumente erst einmal für den SCV sprechen. Der neue Co-Trainer Ebbers ist seit dem Sommer aus dem Oberliga-Fußball raus, das aber fängt Vicky durch Boll auf, der bis Dezember 2018 bei Condor voll in der Materie stand. Bolls fehlenden „Vicky-Stallgeruch“ fängt wiederum Ebbers in gewisser Weise auf, der 2014 erst als Spieler an die Hoheluft wechselte und in der vergangenen Saison noch Assistent von Jean-Pierre Richter war. Zudem haben die beiden mit Benjamin Kruk jemand an der Seite, der die Mannschaft im Detail kennt und in der Truppe eine gewisse Wertschätzung genießt. Nicht umsonst sollen diverse Spieler sich vor der Verpflichtung des Duos Boll/Ebbers für Kruk als Dauerlösung auf dem Chefposten ausgesprochen haben, was dieser aber mit dem Hinweis auf berufliche Gründe ablehnte. Es scheint also insgesamt erst einmal so, als habe Vicky – sinnbildlich gesprochen – mit dem Schuss, den man auf dem Trainer-Markt abfeuerte, ins Ziel getroffen. Ob das auch wirklich so ist, wird die Zeit zeigen. Immerhin: Einen Schritt weiter als der SC Condor ist der SC Victoria schonmal...

Jan Knötzsch 

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