Landesliga Hansa

Bernes „schickes Ding“ ist der DSV-Genickbruch: „Wir brauchen uns nicht mehr groß mit der Landesliga zu befassen“

30. November 2019, 19:07 Uhr

Ein Spiel zum Wegschauen: Dünebergs Joscha Behrens nach der Partie gegen Berne. Foto: Bode

Es schien so, als wären Simon Marklin in dieser letzten Minute der Nachspielzeit im Match zwischen dem Düneberger SV und dem TuS Berne Flügel gewachsen. Zumindest aber hatte der Mittelfeldmann der Gäste gerade das bekommen,w as man gemeinhin als zweite Luft bezeichnet. Und so flitzte Marklin auf dem rechten Flügel auf und davon, ließ alles und jeden stehen. Doch der guten Dinge aus Berner Sicht damit noch nicht genug: Am Ende dieses finalen Angriffs hatte Marklin sogar noch die Übersicht und Ruhe, das runde Leder aus spitzem Winkel an DSV-Keeper Domenic Kikillus vorbei ins Netz zu schießen. Der Rest war großer Jubel. Über das Tor – und über den 4:1-Sieg, den die Gäste bei der Premiere von Neu-Coach Christian Dittmar eingefahren hatten.

Der Übungsleiter wollte – mit dem Hinweis, dass er offiziell ja erst ab dem 1. Dezember als Coach fungiert – seinen „Premieren-Dreier“ nicht kommentieren und übertrug die Verantwortung dafür auf seinen Ligaobmann. „Wir haben ein bisschen gebraucht, um reinzukommen. Es gab erstmal wieder diesen Rückstand, den wir ja gern bekommen. Aber diesmal hat der uns ganz gut wachgemacht“, bilanzierte Mike Franke und klang dabei stimmlich angeschlagen. „Es ging ja auch ganz gut hin und her“, begründete der TuS-Obmann, der draußen in der Coaching-Zone gemeinsam mit dem Neu-Coach einen ähnlich couragierten Auftritt hinlegte, wie das kickende Personal, immer wieder lautstark anfeuerte oder korrigierend und aufmunternd eingriff. Gleichwohl: Die Sache mit dem Enthusiasmus im Berner Spiel muss man differenzieren. „Ab der 20. oder 25. Minute war Berne gut im Spiel drin, davor nicht. Da haben wir es verpasst, das 2:0 zu machen“, hatte Dennis Tornieporth gleich zwei Dinge richtig erkannt.

Tornieporth: „Wir wollen gucken, dass wir nicht als Letzter runter gehen“

Da war die DSV-Welt noch in Ordnung: Ahmad Abdul Hafiz (Mitte) trifft zum 1:0. Foto: Bode

Denn: Zunächst ging der DSV mit 1:0 in Führung, als Ahmad Abdul Hafiz sich auf einfachste Weise rechts in der Box an der Grundlinie durchsetzte und den Ball dann zwischen Keeper Jan Mehlhorn und dem Pfosten einschob. „Ich spekuliere natürlich drauf, dass er nach innen zieht“, sagte der Berne- „Goalie“ nach dem Match. Verständlich, doch Mehlhorns Teamkollegen hätten Hafiz fraglos nicht so frei durchmarschieren lassen dürfen. Sei's drum – denn dieses 0:1 war, wie von Franke konstatiert, so etwas wie der Weckruf für den TuS, der ohne Zweifel davon profitierte, dass der DSV seienrseits das Spiel aus der Hand gab. „Ich habe keine Ahnung, warum das so war“, ärgerte sich Düneberg-Coach Tornieporth, „wir haben eigentlich gut angefangen und folgerichtig das 1:0 gemacht, das verdient war. Dann haben wir ünnötiger Weise nachgelassen.“ Und genau das sollte sich rächen.

Noch vor Marklins spätem Treffer zum 4:1 drehte die körperlich nun viel präsentere Mannschaft aus Berne das Match. Erst glich Abdelkarim El Aidi noch vor der Pause aus, nach dem Seitenwechsel stellten dann Jude Graßmann und Finn Braatz die Weichen endgültig auf Sieg – und sorgten dafür, dass der Nachmittag von Dennis Tornieporth völlig vermiest war. „Gratulation an Berne, das war Abstiegskampf. Sie haben uns den Schneid abgekauft und wir haben nicht mehr zielorientiert gespielt. Das war eine verdiente Niederlage für uns, die weh tut, weil das ein Sechs-Punkte-Spiel war. Von daher: Wir brauchen uns nicht mehr groß mit der Landesliga zu befassen, was die Planung angeht, sondern können uns auf die Bezirksliga konzentrieren. Das muss man ganz klar so sagen. Berne hat noch ein Spiel weniger und die Mannschaften, die über uns stehen und die wir einholen könnten, sind auch ein bischen weg und haben noch ganz andere Möglichkeiten als wir. Das war heute der Genickbruch“, befand „Tornie“ und erklärte: „Jetzt heißt es, sich ordentlich zu verabschieden und eine ordentliche Vorbereitung zu spielen, damit wir im neuen Jahr in der Rückrunde noch ein paar schöne Spiele haben.“

Franke: „Christian passt super in das Konzept, das wir in Berne fahren wollen“

Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel bei den Spielern des TuS Berne kaum Grenzen. Foto: Bode

Prinzipiell, so Tornieporth weiter, „hat das mit Landesliga nichts mehr zu tun. Wir befassen uns jetzt mit der Bezirksliga und wollen gucken, dass wir am Ende der Saison den vorletzten Platz inne haben und nicht als Letzter runtergehen.“ Ganz anders war derweil logischer Weise die Gefühlslage auf der anderen Seite. „Man hat die neue Handschrift des neuen Trainers gesehen, auch wenn sich das noch finden muss. Es hat mit zunehmender Zeit im Spiel immer besser funktioniert. Es lief gut und wir haben die Tore gemacht, die wir machen wollten. Grundsätzlich war das ein schickes Ding“, fasste Mike Franke zusammen und erklärte die Beweggründe, warum sich der TuS nach dem feststehenden Aus für Frank Neben – er verfolgte das Spiel als Zuschauer auf der Tribüne, nachdem er unter der Woche gemeinsam mit seinem Nachfolger für einen fließenden Übergang“ (O-Ton Franke) gesorgt hatte – für Christian Dittmar als Neu-Coach entschied: „Er passt super in das Konzept, das wir in Berne fahren wollen: mit vielen jungen Spielern arbeiten. Das hat Christian auch in Bergestedt schon getan und es hat dort mit dem Aufstieg von der Kreis- bis in die Landesliga gut funktioniert. Deshalb fiel die Wahl auf ihn und nicht auf einen anderen Kandidaten. Da wir nur die selben Mittel wie Bergstedt zur Verfügung haben, hatten wir das Gefühl, dass das wunderbar funktioniert.“ Und das ab dem 1. Dezember auch in höchst offizieller Mission...

Jan Knötzsch 

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